Winderatteer fisch norduferNordufer vom Winderatter See 

 

Auftraggeber:
Winderatter See – Kielstau e.V.
Förderverein für Natur und Umwelt,
vertreten durch Herrn Prof. W. Janßen,
Osterdorf 2, 24975 Ausacker

Auftragnehmer:
Büro Michael Neumann
Schillstraße 1
24118 Kiel


 

Fischbestandserfassung in der oberen Kielstau und deren Nebenbächen sowie im Uferbereich des Winderatter Sees
sowie Bewertung der Ergebnisse gemäß EU-WRRL bzw. FFH-RL

 

Winderatteer fisch kielstauKielstau westlich Ausacker  

  

Gruendling kGründling
(Foto © Dr. M. Neumann)

 
Veranlassung

Im Rahmen des Operativen WRRL-Fischmonitorings 2015 wurde im Auftrag des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holsteins unter anderen drei Messstellen in der Kielstau sowie eine Messstelle im Winderatter See befischt. Hintergrund war, neben der Bewertung des ökologischen Zustandes der Kielstau gemäß WRRL, die Suche nach der in der FFH-Richtlinie gelisteten Anhang-II Art Steinbeißer im Winderatter See, dessen letzter Nachweis aus dem Jahr 2003 datiert.Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen wurden vom Verein „Winderatter See-Kielstau e.V.“, vertreten durch Herrn Prof. W. JANßEN, weitere Untersuchungen bzw. Auswertungen beauftragt. Diese umfassten zwei Nebengewässer der Kielstau (Moorau, Dammender Graben) sowie die Bewertung der Fischzönose des Winderatter Sees mit dem WRRL-Bewertungstool SITE.


Untersuchungsraum

Der Untersuchungsraum umfasste die Kielstau oberhalb der Querung der Kreisstraße 50 sowie die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben oberhalb der Ortschaft Ausacker sowie den Winderatter See (vergleiche nachfolgende Abbildung).


Kielstau und Nebengewässer
Die Kielstau und auch die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben sind begradigte und mit einem Regelprofil versehende Gewässerläufe. Gemäß WRRL werden sie als HMWB (heavily modified water bodies) eingestuft. Sie gehören dem Gewässertyp 16 (kiesgeprägter Bach) sowie der Fischzone Epirhithral bzw. Hyporhithral (Kielstau bei Ausacker) an.


Winderatter See
Der Winderatter See gehört mit einer Gesamtgröße von 23,4 ha zu den kleineren Seen in Schleswig-Holstein. Er liegt im Kreis Schleswig-Flensburg. Der See wurde als Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“ an die EU gemeldet und dem LRT 3150 „Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamion oder Hydrocharition“ zugeordnet. Mit einer mittleren Tiefe von 1,23 m und einer max. Tiefe von 2,20 m ist der See flach und bildet keine stabile Schichtung aus. Die FFH-Bewertung des Lebensraumtyps ergab in allen Punkten ein „C“ (mittel-schlechter Erhaltungszustand), da u.a. Unterwasserpflanzen komplett fehlen (aus GFN et al. 2012).
Das LANU (2001) vergibt für den ebenfalls See, aufgrund seines trophischen Zustandes (hypertroph) ein „schlecht“. Im Referenzzustand wäre der See gemäß LANU „polytroph“.

 

Winderatteer fisch karteGewässersystem der oberen Kielstau mit den Nebengewässern Moorau, Dammender Graben und Winderatter See sowie Lage der Befischungstrecken in den Fließgewässern (gelbe Punkte) bzw. im See (rote Linie).

 

Methodik


Erfassung der Fischfauna
Die Erfassung der Fischfauna erfolgte mittels Elektrofischerei. In der Kielstau und deren Nebengewässern wurde watend mit einem tragbaren Elektrofischfangerät des Typs EFGI 650 gegen die Strömung gefischt. Befischt wurden insgesamt drei Teilstrecken im Oberlauf der Kielstau, zwei unterhalb des Winderatter Sees und eine im Quellgebiet oberhalb des Sees. Zusätzlich erfolgte eine Befischung in zwei Nebengewässern und zwar in der Moorau sowie im Dammender Graben.
Die Befischung des Winderatter Sees erfolgte vom Boot aus. Eingesetzt wurde ein 8 KW Gleichstromgenerator der Firma EFKO (FEG 8000), mit zwei Fanganoden.


Bewertung Fischfauna
fiBS-Bewertung Fließgewässer  Die Bewertung der Fischdaten aus der Kielstau und ihren Nebengewässern erfolgte mit dem WRRL-Bewertungstool fiBS (fischbasiertes Bewertungssystem) gemäß den Anleitungen in Dußling 2009 und mit dem aktuellen Tool in der Version 8.1.1 vom 17.10.2014 (Dußling 2014).
Die für eine Bewertung gemäß fiBS erforderlichen Fischreferenzen stellte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein zur Verfügung (Brunke 2014)

Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees   Als Bewertungstool sollte das von Brämick & Ritterbusch (2010) veröffentlichte sogenannte SITE-Verfahren (Modul 1) zum Einsatz kommen. Dieses Verfahren ist jedoch mit der Veröffentlichung einer Aktualisierung aus dem Jahr 2015 (Ritterbusch & Brämick 2015) nur noch für Großseen und alpine Seen anwendbar. Kleinere Seen und Seen des norddeutschen Tieflandes müssen jetzt mit dem sogenannten TYPE-Verfahren bewertet werden. Dieses Verfahren setzt jedoch eine aufwendige Datenerhebung voraus. So müssen aktuelle Fischdaten mit einem standardisierten Multimesh-Netz-Monitoring erfasst werden und auch die Datenauswertungen gestalten sich entsprechend umfangreich und aufwendig.
Solche Daten liegen für den Winderatter See definitiv nicht vor und wurden auch aktuell nicht erhoben. Prinzipiell ist demzufolge eine Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees mit einem aktuellen Bewertungstool nicht möglich. Da zum Untersuchungszeitpunkt diese gravierende Einschränkung des Bewertungstools SITE noch nicht bekannt war, wurde eine Bewertung mit dem „alten“ Site-Tool durchgeführt, um zumindest einen Überblick bezüglich historischem und aktuellem Artenspektrum und deren Abundanzen zu schaffen.


FFH-Bewertung  Sowohl der untersuchte Kielstau-Abschnitt, als auch der Winderatter See sind Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“.
Für das Gebiet sind mehrere Fisch- und Rundmaularten des Anhangs-II der FFH-Richtlinie gemeldet, u.a. auch der Steinbeißer. Ein Nachweis des Steinbeißers im Gebiet der oberen Kielstau lag bislang nur als Einzelfund [2003] aus dem Winderatter See vor (Hartmann & Spratte 2006).
Im Rahmen des vorliegenden Berichtes erfolgt eine kurze Bewertung des Erhaltungszustandes der lokalen Population im Untersuchungsraum, gemäß Schnitter & Schütz 2006 bzw. BfN 2015. Allerdings ist das Bewertungsschema vor allem auf Fließgewässer zugeschnitten, so dass bei der Bewertung einer „Seepopulation“ nicht alle Kriterien (z.B. Gewässerunterhaltung) bewertet werden können.

 

Ergebnisse

Kielstau und Nebengewässer
Die Befischungen in der Kielstau und deren Nebengewässern erbrachten ein Artenspektrum von insgesamt acht Fischarten (vergleiche Tabelle 1).

Winderatteer Tabelle Fische 1Messwerte (Wasser) und Fangergebnisse der Elektrofischerei aus der Kielstau und deren Nebengewässer (Tabelle 1)

 

Winderatter See
Primäres Ziel der Befischung im Winderatter See war der Nachweis der FFH-Anhang-II Art Steinbeißer sowie von Kleinfischarten bzw. Jungfischen der Cypriniden (Reproduktionsnachweise).
Die Befischung im ufernahen Bereich ergab den Fang von insgesamt neun Arten, darunter war auch der Steinbeißer, mit drei Exemplaren (Totallänge: 7, 8 und 11 cm). Den Fang dominierten die Arten Flussbarsch, Gründling, Aal und Kaulbarsch (zusammen 91,8% Fanganteil) (Tabelle 2). Auffällig war das Fehlen von Cypriniden, namentlich Brassen, Rotfeder und Plötze, von denen zumindest Jungfische mittels Elektrofischerei im Uferbereich hätten fangbar sein müssen.

Winderatteer Tabelle Fische 2Ergebnis der Elektrofischerei vom 29.09.2015 im Winderatter, befischte Strecke etwa 1160 m (Tabelle 2)

Bewertung

Kielstau
Die Kielstau, als auch deren Nebenbäche sind hinsichtlich der Fischfauna gemäß WRRL in einem ökologischen schlechten Zustand, da die Fischzönose individuen- und auch artenarm ist und vor allem typspezifische Arten eines kiesgeprägten Fließgewässers (wie z.B. die Bachforelle) im Bestand fehlen. Die Ursachen für den schlechten Zustand der Fischzönose sind hinlänglich bekannt, d.h. sie sind in erster Linie in der Degradation der Gewässermorphologie und vermutlich auch in der zumindest zeitweise schlechten Wasserqualität (Oberlauf) zu suchen.


Winderatter See
Die Bewertung der Fischfauna des Winderatter See gemäß WRRL gestaltete sich schwieriger. Hintergrund ist die im Jahr 2015 aktualisierte Fassung des WRRL-Bewertungstools für Seen. Die aktuelle Fassung sieht eine intensive Probennahme mit Stellnetzen vor. Eine solche Probennahme war im Rahmen der Untersuchung nicht vorgesehen. Die Bewertung erfolgte deshalb mit einer alten Variante des Bewertungssystems. Die Auswertung der Daten erbrachte neben einer aktualisierten Liste der vorkommenden Arten (historisch und aktuell, vergleiche nachfolgende Tabelle) auch die fachgutachterliche Bewertung „unbefriedigender ökologischer Zustand“.

Der aktuell nachgewiesene und recherchierte Artenbestand ist typisch für ein hypertrophen See. Aus fischbiologischer Sicht existieren derzeit vor allem Defizite hinsichtlich der Reproduktionsmöglichkeit für phytophile Fischarten (Hecht, Schleie) (Vergleich Tabelle 3).

Die Bewertung der Steinbeißerpopulation des Sees gemäß FFH-RL ergab den Erhaltungszustand mittel-schlecht (C), da die Population offensichtlich sehr individuenarm ist und der Nachweis von juvenilen Individuen nicht gelang.

Winderatteer Tabelle Fische 3Winderatteer Tabelle Fische 3Seespezifische Referenz (Typ: POLY) und aktuelle Bewertungsabundanzen (2015) für den Winderatter See. Häufigkeitsstufen: 3 = Leitart, 2 = typspezifische Art, 1 = Begleitart (Tabelle 3)

 

Maßnahmen

Kielstau
Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes bzgl. der Fischfauna werden im Managementplan für die Kielstau (MELUR 2013) dargelegt. Diese betreffen vor allem die Minderung der Schadstoffeinträge, die Optimierung von Habitatstrukturen, die schonende Ausführung von Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und die Anlage von Uferrandstreifen entlang des Gewässers.
Befischungsergebnisse aus Gewässersträngen unterhalb des Kielstau-Systems belegen, dass prinzipiell ein gutes Wiederbesiedlungspotential mit typspezifischen Fischarten vorhanden ist.
Durch die Umsetzung von Maßnahmen, die die bekannten Defizite abmildern oder beheben, könnte sich somit auch in der Kielstau mittel- bis langfristig wieder ein gewässertypischer Fischbestand etablieren.


Winderatter See
Neben drastischen Nährstoffreduzierungen (Umland und seeintern) werden auch Umstellungen hinsichtlich des derzeitigen Fischbesatzes angeregt. Dies betrifft vor allem die Reduzierung des Aalbesatzes sowie die Einstellung des Besatzes mit gebietsfremden Arten (Graskarpfen).

Als Ziel wird die Erreichung des polytrophen Zustandes bzw. die Ausprägung eines Hecht-Schlei-Sees als umsetzbar angesehen.

 

Literaturverzeichnis 

BfN (2015): FFH-Bewertungsschemata der Rundmäuler und Fische (inkl. Wanderfische), Stand 06/2015. Unveröffentl. Manuskript, 70S. BRÄMICK, U., RITTERBUSCH, D. (2010): Bewertungssystem für Seen anhand der Fische nach den Maßgaben der Wasserrahmenrichtlinie. Bericht des Instituts für Binnenfischerei, Potsdam-Sarcow, 31 pp.  

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