Vergessenen Kirschsorten auf der Spur

Carina Pfeffer
Im Wielpützfeld 7a
51503 Rösrath
info@pfeffer-land.de
www.pfeffer-land.de
02205 – 2095

In den Jahren 2023 und 2024 wurde durch den Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve e.V. (LIKK e.V.) ein Projekt initiiert und durchgeführt mit dem Ziel der Erfassung und Kartierung alter Kirschbäume und der Identifizierung seltener regionaltypischer Kirschsortenim Kreis Kleve. Die Sortenbestimmung erfolgte durch erfahrene Pomolog(inn)en. Im Vorfeld der Kartierung wurde auch die Bevölkerung aufgerufen Baumstandorte zu melden. Im Rahmen der Aufsuchung der Kirschbäume vor Ort wurden die Standorte per GPS erfasst und die Bäume und die Kirschen fotografiert.

Ein historischer Abriss mit Bezug zum Kreis Kleve macht deutlich, dass der Kirschenanbau in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Durch diese Entwicklung sind die alten Sorten akut vom Aussterben bedroht.

Die Ergebnisse der aktuellen Kartierung waren überraschend. Es wurden zahlreiche, z.T. uralte (> 100 Jahre) alte Kirschbäume nachgewiesen mit einer großen Zahl bisher z.T. unbekannter Lokalsorten, speziell in einem kleinen ehemaligen Kirschanbaugebiet um die Gemeinden Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf.

Es konnten in Summe 428 Kirschbäume mit insgesamt 75 (davon 35 Süßkirschen) verschiedenen Kirschsorten nachgewiesen werden, die meisten davon in sehr niedrigen Stückzahlen. Es gibt frühe, mittelreife und späte sowie gelbe, rote und rot-bunte Knorpel-, Speck-, Herz- und Lackkirschen mit z.T. klangvollen Namen wie „Niederrheinische Transparente“, „Kronprinz von Hannover“, „Flamentiner“, „Prinzessin“ oder „Honigs Bunte Herzkirsche“. Die Kartierung hat deutlich gemacht , dass alle alten Regialsorten hochgradig gefährdet sind, da keine Vermehrung mehr stattfindet.

Schwarze Weinkirsche auf Obstweide in Uedem (Fotos © Carina Pfeffer)
Fromms Herzkirsche (Fotos © Carina Pfeffer)

Die Sorte „Lackkirsche“ hat sich als große Überraschung entpuppt, denn sie ist die „zahlenmäßig am stärksten vertretene Kirsche am Niederrhein und dabei auch noch eine bis dato in Deutschland nahezu unbekannte Sorte“.

Mit der Erfassung der Kirschen ist die Grundlage dafür gegeben, um durch die Gewinnung von Reisern für die Veredlung regionale Sorten vor dem Aussterben zu retten. Als besonders wertvolles Nebenergebnis hat sich gezeigt, dass einige früh reifende Kirschen nicht bzw. kaum von der Kirschfruchtfliege befallen werden, die zusammen mit der aus Asien eingeschleppten Kirschessigfliege ein großes Problem im Erwerbskirschenanbau darstellt. Die hellen, gelb-bunten Sorten werden von der Kirschessigfliege nicht befallen, und auch Vögel fressen diese weniger.

Das Projekt hat gezeigt, dass die untersuchten Kirschbäume in den Obstwiesen einen hohen kulturhistorischen Wert haben und ihre überraschend hohe genetische Vielfalt eine wertvolle Ressource für die Zukunft darstellt.