
1. Projektanlass
Wälder spielen eine zentrale Rolle für den Wasserschutz: Sie filtern, speichern und verteilen Wasser, stabilisieren Böden, bremsen Abflüsse, bilden Grundwasser und verbessern die Qualität von Fließgewässern. Angesichts von Starkregen, Trockenperioden und Biodiversitätsverlust brauchen Kinder Lernorte, an denen sie ökologische Zusammenhänge unmittelbar erleben können.


2. Umsetzung
Zu Beginn wurde das Workshopkonzept entwickelt: thematische Bausteine ausgearbeitet, Experimente getestet, Lernorte ausgewählt und der Ablauf fachlich fundiert strukturiert. Auf dieser Basis wurden zehn Workshops à 3 Stunden durchgeführt – acht für Schulklassen der Jahrgänge 3–6, zwei für eine LVR‑FÖJ‑Gruppe, die es erlaubt hat methodisch vertiefter zu arbeiten.
Alle Termine fanden in Doppelbesetzung statt, was Sicherheit und Qualität erhöhte: bessere Begleitung an Wasserzugängen, individuelle Unterstützung und flexible Gruppenaufteilung sorgten für konzentriertes Arbeiten.
Das Programm folgt einem modularen Baukasten: Forscherimpuls, Experimente, Beobachtungen im Gelände, Ergebnissicherung und alltagsnahe Handlungsoptionen. Fachliche Schwerpunkte waren Wassertransport im Baum, Filter‑ und Speicherleistung von Böden, Erosions‑ und Abflussprozesse sowie die Funktion von Auen‑ und Ufervegetation. Auch Mikrostrukturen wie Schatten, Totholz und Laub wurden untersucht.
Die Pilotphase endete am 28. November 2025 mit einer Pflanzaktion mit zwei Schulklassen. Gepflanzt wurden standortgerechte Mischbaumarten (Traubeneiche, Hainbuche, Vogelkirsche, Weißtanne). Die Kinder konnten das Gelernte direkt anwenden – der Transfer von Theorie zu verantwortlichem Handeln wurde deutlich.
Vor jedem Termin wurden die Standortbedingungen, Zugänglichkeit und Risiken geklärt. Das Format orientiert sich am Lehrplan Sachunterricht NRW. Die Pflanzaktion wurde durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bonn (SDW) fachlich begleitet; Baumarten und Fläche wurden mit den Forstzuständigen abgestimmt.
3. Ergebnisse
Quantitativ: zehn Workshops, davon acht mit Schulklassen/OGS‑Gruppen und zwei mit LVR‑FÖJ; pro Termin 20–30 Teilnehmende; Abschlussaktion mit zwei Schulklassen.
Qualitativ: Die Teilnehmenden verstanden die ökologischen Zusammenhänge und erlebten viele Aha‑Momente. Lehrkräfte beschrieben die Kinder als besonders aufmerksam, engagiert und motiviert; der Workshop habe „spürbar etwas ausgelöst“.
4. Kooperationen
Es gab eine enge Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – von waldökologischer Beratung über Flächenauswahl bis zur Pflanzaktion. Sie stellte Material, übernahm Vorplanung und gab kindgerechte Einführungen.
5. Fazit
Der Workshop zeigt Schülerinnen und Schüler wirksam, wie Wald, Wasser und eigenes Handeln zusammenhängen. Experimente schaffen Verständnis, Geländeübungen vertiefen es, und die Pflanzaktion stärkt Verantwortungsbewusstsein und macht erfahrbar, dass eigenes Tun Natur direkt unterstützen kann.

Fördernehmer: Universität Siegen
Zielsetzung: Die Universität Siegen führt seit vielen Jahren Untersuchungen an einer Mauerseglerpopulation durch, die in einer Straßenbrücke über einer Talsperre brütet. Die Stöckmann-Stiftung hat bereits verschiedene Aspekte dieser Forschungen gefördert, u. a. die Ausstattung der Nester mit Ringantennen, die eine Aufzeichnung der Gewichtsentwicklung der Jungvögel und der Fütterleistungen der Altvögel ermöglichen. Mit der neuen Förderung werden GPS-Datenlogger sowie Laptops angeschafft. Die Datenlogger, schonend angebracht auf dem Rücken der Altvögel, ermöglichen die Ermittlung der Flugwege zur Brutzeit und außerhalb der Brutzeit (Zugrouten, Überwinterungsgebiete), die Laptops modernisieren die Datenaufzeichnung aus den Ringantennen. Außerdem wird anhand von Speichelproben von Alt- und Jungvögeln deren Geschlecht bestimmt; die erhaltenen Daten werden mit der Fütterungsleistung und den Flugwegen korreliert.
Projektlaufzeit: März 2026 - Dezember 2027

Fördernehmer: Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V.
Zielsetzung: Bereits zwischen 2011 und 2018 ist der Bestand der Gelben Teichrose (Nuphar lutea) und Weißer Seerose (Nymphaea alba) auf dem Bienener Altrhein drastisch zurückgegangen. Damit fehlen die beschattende und kühlende Wirkung der Blätter bei hohen Temperaturen sowie die das Sediment festigende Wirkung der Rhizome. Zudem ist der Altrhein stärker dem Wellenschlag ausgesetzt. Mögliche Ursachen für den Rückgang der Schwimmblattvegetation sind einerseits eine zu hohe Cypriniden-Population (Karpfen, Brassen) und andererseits der Einfluss großer Wasservögel.
Mittels neuer Anpflanzmethoden für die Teichrose unter kontrollierter Auszäunung und damit Ausschluss des Einflusses der Großfische und Wasservögel soll die Arbeitshypothese geprüft werden.
Projektlaufzeit: 1/2026 – 12/2026

Fördernehmer: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.
Zielsetzung: Die vorgesehenen Wiedervernässungs-Maßnahmen durch fraktionierte Grabenanstaue im Süskenbrocksmoor dienen zur Erhaltung eines hochwertigen Moor-Lebensraumkomplexes. Dazu gehört auch das Entfernen aufkommender Gehölze, die so hochwertige Pflanzenarten wie das Heidemoor-Knabenkraut gefährden. Die Art ist landes- und bundesweit extrem selten. Ein zweiter Maßnahmenschwerpunkt zielt auf die Bekämpfung des Stechginsters (Ulex europeaus), der zu den invasiven Pflanzenarten zählt und durch seine Ausbreitung Kernflächen der bedeutenden Sand-Heidevorkommen im zentralen Offenlandbereichs des Nationalen Naturerbes (NNE) Borkenberge gefährdet.
Projektlaufzeit: März 2025 – Dezember 2026

Fördernehmer: Michael-Otto-Institut im NABU e. V.
Zielsetzung: In der Eider-Treene-Sorge-Niederung in Schleswig-Holstein wie auch in Brachvogel-Projektgebieten in Baden-Württemberg und Bayern kommen immer wieder Brachvogel-Eier nicht zum Schlupf, wobei oft schon recht große Küken im Ei absterben. Dieses Phänomen trägt zur Gefährdung dieses Wiesenbrüters bei. Mit Förderung der Stöckmann-Stiftung untersuchte das Michael-Otto-Institut bereits, ob es Hinweise auf eine verringerte genetische Diversität gibt, die dieses Phänomen erklären könnte. Das jetzige Projekt untersucht in Zusammenarbeit mit der Kapodistrian-Universität Athen nicht geschlüpfte Eier auf toxische Kontaminanten. Es kommt eine neuartige Wide-screen-Methode zur Anwendung, mit der das potenzielle Vorkommen einer Vielzahl von Umweltschadstoffen ermittelt wird.
Projektlaufzeit: Juni 2025 – Juli 2026

Fördernehmer: Biologische Station Kreis Wesel und Krefeld e.V.
Zielsetzung: Im Rahmen des Projekts sollen u.a. Maßnahmen zur Verbesserung der Artenvielfalt auf ausgewählten Industrie- und Gewerbeflächen umgesetzt werden sowie durch Wissens- und Informationsaustausch unter Einbindung der Kommunen die Stadtnatur gefördert werden. Ein weiterer Artenschutz-Projektbaustein zielt auf die Prüfung der Voraussetzungen für eine Wiederansiedlung des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings auf geeigneten Flächen. Dafür soll die Ausbringung des Großen Wiesenknopfs günstige Bedingungen schaffen.
Link: www.urbane-artenvielfalt.de
Projektlaufzeit: Sept. 2022 – Februar 2028

Fördernehmer: NABU-Kreisverband Stendal e.V.
Zielsetzung: Es ist eine landschaftsangepasste Moor- und Feuchtwiesenbewirtschaftung unter besonderer Berücksichtigung seltener Wiesenorchideen und unter zusätzlicher Vernässung von insgesamt 7 Standorten in der südlichen Altmark geplant. Die Lebensbedingungen nässeliebender Amphibien und Vogelarten sollen nachhaltig verbessert werden. Weitere Niedermoorflächen sollen angekauft oder langfristig angepachtet werden, so dass im Mahlpfuhler Fenn ein renaturierter Feuchtwiesen-Moorkomplex von ca. 80 ha entsteht.
Projektlaufzeit: Juli 2025 – Dezember 2026
Flora, Vegetation und botanische Schutzeffizienz von 12 Moor-Naturschutzgebieten.
Der aktuelle Zustand geschützter Moore der Westfälischen Bucht: Flora, Vegetation und botanische Schutzeffizienz von 12 Moor-Naturschutzgebieten.Akademie für Ökologische Landesforschung e.V. (AföL)

Wie haben sich die Moore im nordwestlichen Münsterland in den vergangenen 40 Jahren entwickelt? Mit dieser Frage hat sich im Auftrag der AföL Prof. Dr. R. Wittig von 2017 – 2022 im Rahmen eines von der Stöckmann-Stiftung finanzierten Projektes beschäftigt.
1980 war eine Abhandlung von Rüdiger Wittig mit dem Titel „Die geschützten Moore und oligotrophen Gewässer der Westfälischen Bucht“ erschienen. Das im Jahre 2022 abgeschlossene Projekt hatte zum Ziel den heutigen Zustand der Moore durch eine Wiederholungsuntersuchung mit der damals vorgefundenen Situation zu vergleichen. Die Ergebnisse des Projektes haben im Jahr 2023 Eingang in eine Buchpublikation (s.u.) gefunden, die zugleich den offiziellen Abschlussbericht des Förderprojektes repräsentiert.


Einleitend werden darin die vorgefundenen Vegetationseinheiten und die Erfassungsmethodik, analog der Ersterfassung, vorgestellt. Kern der Abhandlung sind die gebietsspezifischen Ergebnisse der detaillierten floristisch-vegetationskundlichen Analyse, die jeweils in zahlreichen Übersichtstabellen erschöpfend dokumentiert werden. Farbige Vegetationskarten in direkter Gegenüberstellung (1980 – 2020), erlauben einen augenfälligen Vergleich der Altkartierung mit den aktuellen Kartier-Ergebnissen. Eine Aufarbeitung zwischenzeitlicher Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie eine Bilanzierung der Gebietsentwicklung und Anmerkungen zur Schutzeffizienz und Hinweisen zur künftigen Pflege runden die Gebietskapitel ab.
Im Ergebnis des Förderprojekts hat sich u.a. gezeigt, dass trotz der widrigen Rahmenbedingungen durch den fortschreitenden Klimawandel, in der Hälfte der untersuchten Moorgebiete der Anteil der hochmoortypischen Regenerationskomplexe zugenommen hat. Das wird auf ein gutes Management durch die zuständigen Naturschutzbehörden und die Biologischen Stationen zurückgeführt. Verluste hat es bei den Glockenheiden und den Feuchtheiden gegeben.
Eine Wiederholungsuntersuchung nach 40 Jahren durch denselben Autor ist für NRW, wenn nicht für Deutschland, einmalig.
Buchpublikation:
Wittig, R. (Hrsg.): Moore in der Westfälischen Bucht – Flora, Vegetation und botanische Schutzeffizienz von 12 Moor-NSG. - Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 105 (2023), 440 S.
in den Vogelschutzgebieten (VSG) Medebacher Bucht und Diemel-Hoppecketal
Naturschutzfachlich optimierte Mahd in den Vogelschutzgebieten (VSG)
Zwei mit Unterstützung der Stöckmann-Stiftung in den Jahren 2023 und 2024 durchgeführten Projekte ermöglichen für die in und Diemel-Hoppecketal wirtschaftenden Landwirte, künftig Schlepper-Mähbalken ausleihen zu können.
Die Mahdmethode mit Doppelmesser-Mähbalken hat im Vergleich mit der Kreiselmähertechnik sowohl für den Naturschutz als auch die Landwirtschaft eine Reihe von positiven Wirkungen, wie nachstehender Tabelle zu entnehmen ist:

v.c-b-v
Schadintensität Insekten
Schadintensität Amphibien
Traktor- Doppelmessermäher
9 %
21 %
Kreiselmäher (Trommel-/Scheibenmäher)
28 - 40 %
51 %
Wirkung auf Grasnarbe
Glatte Schnittflächen -> zügigerer Wiederaustrieb
Zerfaserte Schnittflächen -> verzögerter Wiederaustrieb, Eintrittspforte für Pilze
Kraftbedarf
-
Gewicht
Mähgeschwindigkeit
Mähbreiten
Wartungsaufwand
Rohascheanteil /Verschmutzung
3x geringer als Kreiselmäher
-
2-2,5x geringer als Kreiselmäher
12 km/h
1,80 – 12 Meter
Höher (durch Pflegemanagement reduzierbar)
Sehr gering
3x höher als Messerbalken (höherer Kapital- und Leistungsbedarf)
2-2,5x höher als Messerbalken
15 km/h
2,20 – 12 Meter
Geringer
Sehr hoch, problematisch v.a. bei Trockenheit
Grün: Aspekte für den Naturschutz
Gelb: Aspekte sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Naturschutz
Ocker: Aspekte für die Landwirtschaft
Mit Hilfe des Projektes konnten für die Vogelschutzgebiete schlagkräftige Mähbalken der Firma KEMA in den Jahren 2023 und 2024 angeschafft werden. Alle Balken haben Schnellwechseleinrichtungen, die ein Auswechseln der Messer im laufenden Betrieb erlauben, falls die Messerschärfe zurückgeht. Kerninhalt des Projektes ist der Erhalt der ständigen Einsatz- und damit Verfügbarkeit der Balken in der Mahdsaison: Sie wird durch einen metallverarbeitenden Betrieb aufrechterhalten. Er kümmert sich um die unbedingt notwendige Schnittfähigkeit der Messer und die Schmierung der Geräteträger. Darüber hinaus sorgt er durch die Einweisung der Landwirte dafür, dass die Geräte fachlich regelgerecht eingesetzt werden. Fehlerlose Pflege- und Einsatzroutinen stellen die Grundlage für die Schlagkraft und damit die landwirtschaftliche Akzeptanz für den Einsatz der Geräte dar. Auch für die Langlebigkeit der Geräte ist diese Zuständigkeit von großer Bedeutung. Es wurden Mähbalken mit unterschiedlichen Mähbreiten angeschafft, von 3,20m bis 8,80m können sich die örtlichen Landwirte die für sie am besten geeignete Kombination auswählen.
Die Ausleihe ist kostenpflichtig, mit den eingenommenen Beträgen werden die Leistungen des Landmaschinenhändlers und Ersatz- und Verschleißteile bezahlt. Die Belegung der Einheiten erfolgt mittels Internetkalender über den Landmaschinenhändler oder dem Gebietsbetreuer. Die aktuelle Verfügbarkeit lässt sich per Handy oder Computer stundenaktuell einsehen.
In der ersten Mahdsaison (2023) konnten bereits 55 ha, im Jahr 2024 135 ha Grünland naturschutzgerecht gemäht werden. 2025 waren es 175 ha. Das Projekt sorgt außerdem dafür, dass sich Landwirte durch das Paket "naturverträgliche Mahdtechnik" ihre Leistungen im Vertragsnaturschutz zusätzlich vergüten lassen können.


Carina Pfeffer
Im Wielpützfeld 7a
51503 Rösrath
info@pfeffer-land.de
www.pfeffer-land.de
02205 - 2095
In den Jahren 2023 und 2024 wurde durch den Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve e.V. (LIKK e.V.) ein Projekt initiiert und durchgeführt mit dem Ziel der Erfassung und Kartierung alter Kirschbäume und der Identifizierung seltener regionaltypischer Kirschsortenim Kreis Kleve. Die Sortenbestimmung erfolgte durch erfahrene Pomolog(inn)en. Im Vorfeld der Kartierung wurde auch die Bevölkerung aufgerufen Baumstandorte zu melden. Im Rahmen der Aufsuchung der Kirschbäume vor Ort wurden die Standorte per GPS erfasst und die Bäume und die Kirschen fotografiert.
Ein historischer Abriss mit Bezug zum Kreis Kleve macht deutlich, dass der Kirschenanbau in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Durch diese Entwicklung sind die alten Sorten akut vom Aussterben bedroht.
Die Ergebnisse der aktuellen Kartierung waren überraschend. Es wurden zahlreiche, z.T. uralte (> 100 Jahre) alte Kirschbäume nachgewiesen mit einer großen Zahl bisher z.T. unbekannter Lokalsorten, speziell in einem kleinen ehemaligen Kirschanbaugebiet um die Gemeinden Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf.
Es konnten in Summe 428 Kirschbäume mit insgesamt 75 (davon 35 Süßkirschen) verschiedenen Kirschsorten nachgewiesen werden, die meisten davon in sehr niedrigen Stückzahlen. Es gibt frühe, mittelreife und späte sowie gelbe, rote und rot-bunte Knorpel-, Speck-, Herz- und Lackkirschen mit z.T. klangvollen Namen wie „Niederrheinische Transparente“, „Kronprinz von Hannover“, „Flamentiner“, „Prinzessin“ oder „Honigs Bunte Herzkirsche“. Die Kartierung hat deutlich gemacht , dass alle alten Regialsorten hochgradig gefährdet sind, da keine Vermehrung mehr stattfindet.


Die Sorte „Lackkirsche“ hat sich als große Überraschung entpuppt, denn sie ist die „zahlenmäßig am stärksten vertretene Kirsche am Niederrhein und dabei auch noch eine bis dato in Deutschland nahezu unbekannte Sorte“.
Mit der Erfassung der Kirschen ist die Grundlage dafür gegeben, um durch die Gewinnung von Reisern für die Veredlung regionale Sorten vor dem Aussterben zu retten. Als besonders wertvolles Nebenergebnis hat sich gezeigt, dass einige früh reifende Kirschen nicht bzw. kaum von der Kirschfruchtfliege befallen werden, die zusammen mit der aus Asien eingeschleppten Kirschessigfliege ein großes Problem im Erwerbskirschenanbau darstellt. Die hellen, gelb-bunten Sorten werden von der Kirschessigfliege nicht befallen, und auch Vögel fressen diese weniger.
Das Projekt hat gezeigt, dass die untersuchten Kirschbäume in den Obstwiesen einen hohen kulturhistorischen Wert haben und ihre überraschend hohe genetische Vielfalt eine wertvolle Ressource für die Zukunft darstellt.

Carina Pfeffer
Im Wielpützfeld 7a
51503 Rösrath
info@pfeffer-land.de
www.pfeffer-land.de
02205 - 2095
Ziel der Untersuchung war es, das Sortenspektrum und den Zustand der Bäume zu ermitteln. Die Pomologin Carina Pfeser führte das Projekt in Zusammenarbeit mit dem LiKK e.V. durch und in mehrfacher Hinsicht herausragende Ergebnisse:
Die Planung sah vor, 100 bis 150 Bäume, die 60 Jahre und älter sind, zu untersuchen. Die Umsetzung erfolgte an fast 300 Bäumen. Darüber hinaus gaben zahlreiche Baumbesitzer Rückmeldungen, die nicht mehr bearbeitet werden konnten. Die Gespräche mit den Besitzern vor Ort zeigten, welch große Bedeutung der Kirschanbau am Niederrhein einst hatte: In den sogenannten Pfälzerdörfern war der Verkauf der Kirschen im Sommer ein wichtiger Beitrag zum Familieneinkommen.
Das zweite überraschende Ergebnis: Die Vielfalt der aufgefundenen Sorten kann sich durchaus mit anderen Kirschenregionen Deutschlands messen. 40 Sorten konnten erfasst werden. Darüber hinaus wurden über 20 Proben genommen, die nicht eindeutig zuzuordnen waren.


Von den 40 Sorten erhielten 13 einen Arbeitsnamen, da sie aus der Literatur nicht bekannt waren (von diesen 13 wiederum ist jeweils eine Sorte auch mit einem Baum in Bayern bzw. Niedersachsen gefunden worden). 14 weitere Sorten gelten als selten in der deutschen Streuobstlandschaft und damit auch als selten in Deutschland.
Eine kleine Sensation gab es darüber hinaus: Mit der Sorte ,Ampfurter Knorpelkirsche‘ wurde eine historisch beschriebene Sorte wiederentdeckt, die bisher als verschollen galt.
Überraschend und erfreulich war auch,
• dass nicht eine der erwarteten Standardsorten, sondern die als Lackkirsche bezeichnete Lokalsorte am häufigsten aufgefunden wurde und
• dass viele der Baumveteranen in einem relativ vitalen Zustand sind.
Dennoch ist es von hoher Dringlichkeit, von den erwähnten Sorten möglichst bald Edelreiser zu schneiden, um durch Abveredlung junge Bäume heranzuziehen und so diese Sorten vor dem endgültigen Verlust zu bewahren.
Über Hundert Jahre alte Baumriesen





Unsere heimische Kulturlandschaft hat in den letzten Jahrzehnten schwerwiegende Veränderungen durchlebt. Effizientere Maschinen, größere Feldschläge und verstärkter Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln haben nicht nur zu höheren Ernteerträgen geführt, sondern gleichzeitig zahlreichen Arten der Agrarlandschaft ihre Lebensgrundlage genommen. Zu den großen Verlierern dieser landwirtschaftlichen Intensivierung zählt auch die Feldlerche (Alauda arvensis), deren Bestände sich europaweit in weniger als 40 Jahren halbiert haben.
Um den Ursachen dieses dramatischen Rückganges näher auf den Grund zu gehen, hat Manuel Püttmanns im Rahmen seiner Doktorarbeit 2017 das „Göttinger Feldlerchenprojekt“ ins Leben gerufen. Hierbei untersucht ein engagiertes Team aus Biologen und Studenten der Universität Göttingen die genauen Lebensraumansprüche der Feldlerche.

Insbesondere wird erstmals die Habitatnutzung von besenderten Feldlerchen über die gesamte Brutzeit verfolgt. Somit können nicht nur die Nest- und Nahrungshabitate an sich, sondern auch Veränderungen in der Nutzung und ihre Auswirkungen auf den individuellen Bruterfolg festgestellt werden. Außerdem werden ebenfalls Nester unbesenderter Lerchen gesucht und ihr Schicksal dokumentiert. Ein integriertes Monitoring der Insektenvielfalt und -biomasse in den verschiedenen Habitattypen der Agrarlandschaft gibt Aufschluss darüber, wie die Nahrungsverfügbarkeit die Habitatnutzung von Feldlerchen beeinflusst. Am Ende des Projektes sollen mit Hilfe der gesammelten Daten neue Konzepte für Schutzmaßnahmen entworfen werden, die Feldlerchen wieder ein Überleben in unserer intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft ermöglichen.

In der aktuell noch laufenden Feldsaison 2018 konnten durch insgesamt 17 besenderte Feldlerchen über mehrere Monate hinweg tiefe Einblicke in ihr sonst sehr heimliches Brutgeschäft gewonnen werden. Darüber hinaus wurden über 40 Lerchennester bis zum Ende der Brut begleitet. Es liegt also bereits eine gute Datengrundlage vor, die im kommenden Jahr noch weiter ausgebaut werden wird.
Das Team des Göttinger Lerchenprojektes bedankt sich herzlich für die großzügige Unterstützung durch die Stöckmann-Stiftung!
Manuel Püttmanns
Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie auch in unserem