Interview: Was wurde eigentlich aus dem Göttinger Feldlerche Projekt?

Interview Was wurde eigentlich aus dem Göttinger Feldlerche Projekt?

Thomas Krumenacker ist Wissenschaftsjournalist, Autor und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale.

Auch nach Abschluss der Förderung durch die Stöckmann-Stiftung bleiben die von uns geförderten Projekte wichtig. Deshalb fragen wir in lockerer Reihenfolge bei den Projektmachern noch einmal nach, um zu erfahren, wie sich die von uns geförderten Maßnahmen weiterentwickelt haben. Den Anfang macht das Göttinger Feldlerchen-Projekt. 

Um zu helfen, die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Feldlerchen in unserer Agrarlandschaft zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln, hat die Stöckmann-Stiftung das Göttinger Feldlerchen-Projekt gefördert. Wir sprachen mit Projektgründer Manuel Püttmanns über die Ergebnisse der von uns geförderten Untersuchungen. 

Thomas Krumenacker spricht mit Manuel Püttmanns

Wie kommt es, dass Sie sich ausgerechnet mit der doch recht unscheinbaren Vogelart Feldlerche beschäftigen?

Manuel Püttmanns: Als Jugendlicher las ich einen Artikel über die Feldlerche, in dem es um ihren dramatischen Bestandsrückgang sowie Lerchenfenster als einfach umzusetzende Schutzmaßnahme ging. Ich war damals begeistert von der Idee, mit einfachen Mitteln einer stark bedrohten Art helfen zu können und habe mich daraufhin zunehmend mit der Thematik auseinandergesetzt. Dieses Interesse hat mich nie wieder los gelassen und so stand für mich nach meinem Biologie-Studium fest, dass ich in meinem Berufsleben etwas zum Schutz der Feldvögel und insbesondere zum Schutz der Feldlerche beitragen möchte. „Unscheinbar“ empfinde ich Feldlerchen allerdings nicht; ihr fantastischer Gesang hoch über unseren Köpfen gehört für mich mit zu den schönsten Erlebnissen, welche unsere Kulturlandschaft zu bieten hat.

Wie geht es den Feldlerchen in ihrem Untersuchungsgebiet? Hatten sie eine gute Brutsaison?

Püttmanns: Da die dreijährige Freilandarbeit bereits 2019 abgeschlossen wurde, kann ich leider nichts Konkretes zur zurückliegenden Brutsaison sagen. Ich würde allerdings vermuten, dass sich ein ähnliches Bild abgezeichnet hätte wie im Untersuchungszeitraum: Fast alle unsere Daten sprechen dafür, dass sich die Feldlerchen in den Feldern südlich von Göttingen und im Gegensatz zu vielen anderen Teilen Deutschlands noch ziemlich gut behaupten können. Beispielsweise ist der Bruterfolg über die gesamte Saison hinweg auf recht hohem Niveau stabil. Dafür spricht auch, dass wir mit 30 bis 40 Brutpaaren pro km² noch eine vergleichsweise hohe Dichte an Feldlerchen haben.

Sie haben die Art sehr intensiv untersucht, unter anderem durch Besenderung. Was haben Sie dabei herausgefunden?

Püttmanns: Die Feldlerchen, welche wir mittels Telemetrie über den Großteil der Brutsaison intensiv begleiten konnten, beendeten durchschnittlich ein Gelege erfolgreich. Das klingt zunächst wenig, ist es bei genauerem Hinsehen jedoch nicht: In vielen anderen Regionen haben Feldlerchen durch schnell hochwachsende Monokulturen, allen voran Wintergetreide und Mais, überhaupt nur die Chance, einen einzigen Brutversuch zu unternehmen. Danach wird die Vegetation für die am Boden angelegten Nester zu dicht. Wenn dabei dann noch etwas schief läuft und die Brut z. B. durch Fressfeinde verloren geht, gibt es nicht genügend Nachkommen für einen stabilen Bestand. Im Göttinger Untersuchungsgebiet jedoch stehen Möglichkeiten für die Nestanlage über die gesamte Brutsaison hinweg zur Verfügung. Viele der besenderten Feldlerchen, die ihre erste Brut noch im Wintergetreide durchführten, wechselten für die zweite Brut einfach auf ein benachbartes Feld mit einer niedrig wachsenden Sommerkultur, allen voran Zuckerrübe, oder in einen nahe gelegenen Blühstreifen.

Welches Ergebnis hat Sie persönlich besonders erstaunt?

Püttmanns: Am meisten hat es mich überrascht, wie gut sich die Göttinger Feldlerchen offenbar schlagen. Da überall von den dramatischen Bestandsrückgängen zu hören ist, hätte ich auch eindeutige Anzeichen für Probleme mit dem Brutgeschäft in Göttingen erwartet. Dem ist nach aktuellem Stand erfreulicherweise nicht so; da ein Untersuchungszeitraum von drei Jahren allerdings recht kurz ist und wir leider keine vergleichbaren Daten aus früheren Jahrzehnten haben, können wir nicht abschließend beurteilen, ob sich die Situation in Göttingen trotz der guten Werte im Vergleich zu anderen Regionen über die Jahre verschlechtert hat. 

Außerdem hat mich das Verhalten einzelner Feldlerchen-Individuen erstaunt, welche wir durch die Besenderung verfolgen konnten: Während die meisten Feldlerchen fast immer in ihrem Revier anzutreffen waren, gab es ab und an mal Vögel, welche kurzzeitig einen „Ausflug“ auf Felder in z. T. 3 km Entfernung gemacht haben, um eine Stunde später dann wieder in ihrem üblichen Gebiet geortet zu werden. Mich würde wirklich interessieren, was es mit diesen kurzen Trips auf sich hatte!

Welche Erkenntnisse aus ihrer Arbeit sind besonders relevant mit Blick auf den Schutz der Art?

Püttmanns: Entscheidend für den Erfolg der Feldlerchen in Göttingen ist die Kleinstrukturierung des Gebietes mit einer vergleichsweise hohen Vielfalt an angebauten Feldfrüchten. Wie bereits viele andere Studien auch können wir also eine Lanze brechen für mehr Kulturvielfalt in der Agrarlandschaft. Darüber hinaus kommt den Göttinger Lerchen zu Gute, dass der Grünland-Anteil relativ gering ist, sodass wenig Nester beim heutzutage intensiven Mahd-Regime verloren gehen, und dass sich auch der Anbau von Mais und Raps (noch) in Grenzen hält. Unsere Daten zeigen für diese hoch- und dicht wachsenden Kulturen ganz klar ein Meidungsverhalten sowohl zum Brüten als auch für die Nahrungssuche. Im Hinblick auf die immer ausgedehnteren Monokulturen der Bioenergiepflanzen in vielen Teilen Deutschlands müssen also dringend Lösungen gefunden werden, damit Feldlerchen nicht irgendwann ganz von unsern Feldern verschwinden.

Außerdem zeigt sich der positive Einfluss von Blühstreifen als geeignete Nest- und Nahrungshabitate, sodass wir unbedingt wieder mehr extensive Strukturen in der Kulturlandschaft anstreben müssen. Ein Anteil von 7 Prozent, wie er dank des PARTRIDGE-Projektes im Gebiet erreicht wurde, scheint dabei ein guter Richtwert zu sein. Bei allen Maßnahmen zum Schutz der Feldlerche sollte berücksichtigt werden, wie klein die Aktionsräume der Art sind. Feldlerchen müssen auf wenigen Hektaren alles vorfinden, was sie zum Leben benötigen. Schutzmaßnahmen können also nur wirken, wenn sie zahlreich und flächendeckend vorhanden sind. Insgesamt stimmen mich unsere Ergebnisse optimistisch, dass es auch heute noch möglich ist, moderne Landwirtschaft mit hohen Lerchenbeständen zu vereinen – sofern wir dazu bereit sind, etwas am Landschaftsbild zu ändern.

Arbeiten Sie weiter zum Thema und welche weiteren Fragestellungen wären künftig wert, intensiver betrachtet zu werden?

Auch wenn die Datenerhebung abgeschlossen ist, beschäftige ich mich gerade intensiv mit der Datenauswertung- und anschließender Veröffentlichung. Das wird in jedem Fall noch bis zum Frühjahr 2021 andauern. Für die Zeit nach meiner Doktorarbeit möchte ich unbedingt weiterhin im Bereich des Feldvogelschutzes arbeiten, denn offene Fragen gibt es noch genug: Zum Beispiel gibt es in anderen Teilen des Landkreises Göttingen Landstriche, die deutlich homogener gestaltet sind als unser Untersuchungsgebiet und trotzdem noch hohe Lerchenbestände aufweisen. Daher wäre es äußert spannend, auch dort brutbiologische Daten zu erheben und mit unseren Ergebnissen zu vergleichen. Täuscht die hohe Lerchendichte in diesen aus Lerchensicht eher unwirtlichen Gegenden darüber hinweg, dass der Bruterfolg trotzdem sehr schlecht ausfällt und langfristig mit einer Abnahme zu rechnen ist, oder welche Strategie führt dort zum Erfolg? Eine weitere spannende Frage, deren Erforschung mich sehr interessieren würde, ergab sich ebenfalls durch die Besenderung: Bei einigen unserer besenderten Feldlerchen gab es zwischen zwei Brutversuchen oft sehr lange Pausen von z. T. mehreren Wochen, in denen kein Brutverhalten in irgendeiner Form erkennbar war. Wieso gibt es diese Pausen, statt direkt mit der nächsten Brut zu beginnen, bzw. was ist uns als Beobachter entgangen? Die Feldleche bleibst also nach wie vor ein spannender Vogel, über den es noch viel zu lernen gibt. 

Zum Projekt

Naturschutzfachlich optimierte Mahd im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht

Naturschutzfachlich
optimierte Mahd im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht

Das mit Unterstützung der Stöckmann-Stiftung angestoßene Projekt ermöglicht es Landwirten, die im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht wirtschaften, künftig Schlepper- Mähbalken auszuleihen. Mit Hilfe der Stiftung wurden schlagkräftige Mähbalken mit Mähbreiten von 3,20m bis 8.80m angeschafft. Damit können sich die örtlichen Landwirte die für sie am besten geeignete Kombination auswählen.

Kerninhalt (Ziel)des Projektes ist der Erhalt der ständigen Einsatz-und damit Verfügbarkeit der Balken in der Mahdsaison durch einen Landmaschinenhändler. Darüber hinaus sorgt er durch Einweisung der Landwirte für den regelgerechten Einsatz der Geräte.

Die Ausleihe ist kostenpflichtig. Mit den eingenommenen Beträgen werden die Leistungen des Landmaschinenhändlers, die Ersatz- und Verschleißteile bezahlt. Die Belegung der Einheiten erfolgt mittels Internetkalender. Die aktuelle Verfügbarkeit lässt sich per Handy oder Computer stundenaktuell einsehen.

n der ersten Mahdsaison (2023) konnten bereits über 55 Hektar Grünland naturschutzgerecht gemäht werden. Das Projekt sorgt außerdem dafür, dass sich Landwirte durch das Paket „naturverträgliche Mahdtechnik“ ihre Leistungen im Vertragsnaturschutz zusätzlich vergüten lassen können.

Die Mahdmethode mit Doppelmesser-Mähbalken hat im Vergleich zur Kreiselmähertechnik sowohl für den Naturschutz als auch für die Landwirtschaft eine Reihe von positiven Wirkungen, die in der Tabelle dargelegt werden.

Projektbericht: Leben am Limit? Nahrungsflüge der Mauersegler in Zeiten des Klimawandels mit Hilfe von GPS-Datenspeichern aufzeichnen

Leben am Limit? Nahrungsflüge der Mauersegler
in Zeiten des Klimawandels mit Hilfe von
GPS-Datenspeichern aufzeichnen Abschlussbericht

Der Mauersegler ist eine außergewöhnliche Vogelart, denn er verbringt fast sein gesamtes Leben im Luftraum. Auch seine Nahrung wie fliegende Insekten und verdriftete Spinnen (Luftplankton) jagt und fängt er für sich und seine Jungen ausschließlich in der Luft. Im beantragten Projekt möchten wir mit Hilfe von GPS-Datenspeichern die Nahrungsflüge von erwachsenen Mauerseglern untersuchen. Im Zentrum der Beobachtungen stehen dabei die Mauersegler in der Brutkolonie bei Olpe und ihre Aktivitäten beim Sammeln von Futterkugeln für die Jungvögel.

Wir wissen derzeit noch nicht,
•  wo und in welcher Höhe die Mauersegler jagen,
•  welche Strecke sie fliegen, bis sie eine Futterkugel den Jungen ans Nest bringen,
•  ob derselbe Altvogel immer die gleichen Fluggebiete nutzt oder nicht
•  und ob es individuelle, geschlechtsspezifische und/oder altersspezifische
   Unterschiede bei der Jagdeffizienz der Segler gibt.

Juli 2022 hatten wir 35 Altvögeln einen GPS-Datenspeicher aufgesetzt, der sowohl die Zugrouten und Überwinterungsgebiete in Afrika aufnahm als auch die Futterflüge im Sommer 2023 im Brutgebiet bei Olpe. Zusätzlich haben wir 10 JunUm diese Fragen beantworten zu können, wollen wir den Mauerseglern GPS-Datenspeicher wie einen Rucksack umbinden. Die GPS-Logger zeichnen die Nahrungsflüge (Ort und Höhe) bis auf 50 Meter genau auf. Am Ende der Brutsaison 2023 entfernen wir die Minirucksäcke von den Vögeln und können die Flugstrecke, die Flugdauer und die Flughöhe jedes Nahrungsfluges ermitteln.

Wir wissen derzeit noch nicht, welche Strecke sie fliegen, bis sie eine Futterkugel den Jungen ans Nest bringen

Unser Ziel ist es, die pro Nahrungsflug zurückgelegte Strecke mit der Biomasse und dem Energiegehalt der Futterkugeln zu korrelieren. Hiermit betreten wir wissenschaftliches Neuland und können vielleicht eines der vielen Geheimnisse zur Lebenslaufstrategie des Mauerseglers aufdecken. Die Vögel sind zu Beginn der Brutperiode sehr empfindlich. Wir können ihnen die GPS-Logger zum Messen der Nahrungsflüge deshalb leider nicht im Mai aufsetzen. Dies geschieht erst am Ende der Brutperiode in der Hoffnung, dass die besenderten Vögel im folgenden Jahr wiederkommen. Mit diesem erweiterten Ansatz können wir zeigen, ob sich der Mauersegler als reiner Insektenfresser dem Klimawandel anpassen kann und somit eventuell sogar als „Bioindikator des Klimawandels“ dienen könnte.

Der Mini-GPS-Logger wird dem Mauersegler wie ein Rucksack umgebunden

Hier zum Abschlussbericht

Leben am Limit? Nahrungsflüge der Mauersegler in Zeiten des Klimawandels mit Hilfe von GPS-Datenspeichern aufzeigen

Leben am Limit? Nahrungsflüge der Mauersegler
in Zeiten des Klimawandels mit Hilfe von
GPS-Datenspeichern aufzeichnen Abschlussbericht

In diesem Projekt untersuchen wir in der Brutkolonie bei Olpe mit Hilfe von GPS-Datenspeichern die Jagdeffizienz von erwachsenen Mauerseglern beim Sammeln von Futterkugeln für die Jungen.

Im Juli 2022 hatten wir 35 Altvögeln einen GPS-Datenspeicher aufgesetzt, der sowohl die Zugrouten und Überwinterungsgebiete in Afrika aufnahm als auch die Futterflüge im Sommer 2023 im Brutgebiet bei Olpe. Zusätzlich haben wir 10 Jungvögel besendert und hoffen, dass ein Teil von ihnen 2024 zurückkehren wird. Von den 35 besenderten Altvögeln sind 14 Altvögel in 2023 in die Kolonie zurückgekehrt. Die Logger wurden von den 14 Vögeln entfernt, die Daten heruntergeladen und gespeichert. Für die nächste Überwinterungsphase und die Futterflüge in 2024 wurden die Logger programmiert und 14 Vögeln im Juli 2023 aufgesetzt. Die Analysen der GPS-Daten sind leider noch nicht abgeschlossen. 

Mit Hilfe der GPS-Logger können wir auch die Flugstrecke, Flugdauer und die Flughöhe jedes Nahrungsfluges ermitteln und die zurückgelegte Strecke pro Nahrungsflug mit der Biomasse und dem Energiegehalt der Futterkugeln korrelieren. Hiermit betreten wir wissenschaftliches Neuland und lüften vielleicht eines der vielen Geheimnisse zur Lebenslaufstrategie des Mauerseglers. 

Mauersegler mit GPS-Datenspeicher 
Futterkugel eines Mauerseglers

Wegen des schlechten Gewichtszustandes der Jungvögel im Juli und August 2023 haben wir nur im Juni 10 Futterkugeln gesammelt. Fünf Speiballen sind von Vögeln, die bis Ende Juli den GPS-Logger aus dem letzten Jahr trugen. Die Futterflüge dieser fünf Vögel werten wir zurzeit aus. Im April/Mai 2024 wird der Energiegehalt der Futterkugeln mit Hilfe der Kalorimetrie gemessen. Mit Ergebnissen können wir auch Aussagen zur Jagdeffizienz der Vögel treffen.

In Kooperation mit Prof. Krehenwinkel, Uni Trier, wollen wir die Insektenzusammensetzung der Futterkugeln mittels Metabarcoding bestimmen. Das Sammeln der Futterkugeln im Laufe der Saison und über mehrere Jahre kann auch Veränderungen der Insektenzusammensetzung im Hinblick auf den Klimawandel aufdecken.

Ein Brutplatz der besonderen Art die Autobrücke Ronnewinkel , B 54/55 bei Olpe

Hier zur Projektbeschreibung

Ermittlung der Nestlingsnahrung von Feldvögeln anhand von Metabarcoding

Ermittlung der Nestlingsnahrung von Feldvögeln anhand von Metabarcoding

Die Grauammer ist ein Repräsentant artenreicher Ackerlandschaften, verzeichnet in Westdeutschland aber erhebliche Rückgänge seit den 1990er Jahren. Wie bei vielen Feldvogelarten gilt die Verknappung der Nahrungsressourcen für die Jungenaufzucht als ein wichtiger möglicher Grund für sinkende Bestände. Bislang nur in Ansätzen untersucht bleibt aber, welche Arthropoden den entscheidenden Anteil der Nahrung ausmachen. Bisherige Studien an der Grauammer erfassten auf Distanz sichtbare Beutetiere fütternder Weibchen sowie visuell bestimmte Nahrungsrückstände in Halsringproben. Außerdem wurden Kotproben der Nestlinge untersucht. Kleine oder anhand der Rückstände schwer bestimmbare Nahrungsbestandteile können dabei allerdings nur unterrepräsentiert berücksichtigt werden. Mit dieser durch die Stöckmann-Stiftung finanzierten Pilotstudie wollten wir prüfen, ob eine Analyse genetischer Rückstände in Kotproben mittels DNA-Metabarcoding zuverlässigere Einsichten in die Nestlingsnahrung der Grauammer liefern kann.

Insgesamt wurden von 2021 bis 2023 Nestlings-Kotproben aus 73 Nestern gewonnen (Abb. links), wovon 43 eine hinreichende Qualität für zuverlässige Barcoding-Ergebnisse (durchgeführt durch AIM.science) erreichten und auf Ordnungs- bzw. Familienniveau analysiert wurden. Im Vergleich besonders auffällig war, dass Untersuchungen von Halsringproben oder Nahrungsrückständen im Kot offenbar insbesondere die Bedeutung kleiner Arthropoden – Dipteren und Hymenopteren – als Nahrungsbestandteile der Grauammer unterschätzten.

Grauammer Foto: Raúl Baena Casado from Sevilla, España - Triguero
Grauammer-Nestlinge nach dem Schlupf, etwa an Tag 6 (links) Entnommene Kotprobe eines Nestlings (rechts) Fotos: Nils Anthes

Ein Vergleich zwischen Landschaften unterschiedlicher Habitatausstattung war aufgrund der ungleich-mäßigen Verteilung von (verwertbarem) Probenmaterial bei geringer Probenzahl aus Grünland-Gebieten nur eingeschränkt möglich. Es deutete sich an, dass in Acker-dominierten Gebieten im Ver-gleich zu heterogeneren Landschaftsstrukturen nur eine eingeschränkte Auswahl an Nahrungsorganis-men verfügbar war Die in dieser Pilotstudie erhobenen Befunde unterstreichen das große Potenzial des Metabarcodings für Untersuchungen zur Nahrungsökologie. Zudem deuten sie an, dass in Acker-dominierten Landschaf-ten die Sicherung mehrjähriger Saumstrukturen wichtige Nahrungsressourcen für brütende Feldvögel bereitstellen kann. Sie können beispielsweise als Blühflächen oder mehrjährige extensive Grünländer angelegt werden.

Projektbericht: Leben am Limit? Fütterleistungen der Mauerseglerin Zeiten des Klimawandels 

Leben am Limit? Fütterleistungen der Mauersegler
in Zeiten des Klimawandels Projektbericht

Das Forschungsprojekt „Leben am Limit? - Fütterleistungen der Mauersegler in Zeiten des Klimawandels“ ist Teil der Längsschnittstudie zu den Lebenslaufstrategien beim Mauersegler Apus apus – wie Zugverhalten, ökophysiologische Reaktionen und Nahrungssuchstrategien den Fortpflanzungserfolg beeinflussen. Der Mauersegler führt ein „Leben am Limit“, denn er ist einerseits ein Langstreckenzieher und zieht jährlich zwischen Europa und Afrika hin und her, andererseits ist er außerhalb der Brutphase bis zu 10 Monate ununterbrochen im Luftraum.

Aufgrund
•  ihres permanenten Lebens im Flug sowohl in Afrika als auch in Europa,
•  ihrer extremen Abhängigkeit von Luftplankton,
•  der zeitlich sehr begrenzten Brutzeit von gerade 3 Monaten und
•  einer ungewöhnlich langen Nestlingszeit
sind Mauersegler ständig ökologischen Zwängen, Einschränkungen und Unvorhersagbarkeiten ausgesetzt und müssen entscheiden, wie sie die begrenzten Nahrungsressourcen nutzen und ihre Energieressourcen einsetzen, und trotz der Zwänge den eigenen lebenslangen Fortpflanzungserfolg zu maximieren. Dies macht diese Art zu einem idealen Kandidaten, um individuelle lebensgeschichtliche Entscheidungen zu untersuchen und besser zu verstehen.

Die Nistkästen in der Autobrücke Ronewinkel (B54/55) werden mit einem Echtzeitmonitoringsystem ausgestattet

Als einen Teilaspekt möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.

Als einen Teilaspekt möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.

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Leben am Limit? Fütterleistungen der Mauersegler in Zeiten des Klimawandels

Leben am Limit? Fütterleistungen der Mauersegler
in Zeiten des Klimawandels Abschlussbericht

Im Rahmen dieser Förderung möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.

Hierzu haben wir 10 Mauerseglernistkästen mit einem Echtzeitmonitoringsystem ausgestattet, um das Verhalten der Vögel und insbesondere die Fütterungsereignisse zu dokumentieren und auszuwerten. Dieses Monitoringsystem umfasst eine Infrarotkamera für Verhaltensanalysen, eine Ringantenne zur Identifizierung der Altvögel mittels RFID, eine flache elektronische Waage zur Messung der Gewichtszunahme der Küken und eine Steuereinheit (Mini-PC), die die verschiedenen Daten miteinander verknüpft.

Alle Daten wurden in Echtzeit von der Kolonie in der Brücke zum PC im Labor der Uni Siegen gesendet. Zusätzlich konnten die Videos über ein App auf einem mobilen Endgerät jederzeit betrachtet werden. 

Dieses Echtzeitmonitoringsystem ermöglicht erstmalig störungsfreie und neue Einblicke in die Brutbiologie der Mauersegler. Das System dokumentiert natürliches Verhalten und es ermöglicht eine kontinuierliche Datenaufnahme. Diese Digitale Technik gestattet eine Überwachung dieser Art zu ihrem Schutz auch unter „schwierigen“ Bedingungen. Seit 2021 ist dieses System jede Saison im Einsatz. In den Abbildungen sind der Aufbau des Monitoringsystem und ausgesuchte Datenauswertungen dargestellt.

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Die Kleingewässer in den Tertiärdünen der Ostfriesischen Insel Wangerooge

Die Kleingewässer in den Tertiärdünen der Ostfriesischen Insel Wangerooge Abschlussbericht

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat sich seit 1999 stark verändert. Die Ergebnisse der floristischen und faunistischen Untersuchungen zeigen zwar, dass viele Arten verschwunden sind und sich das Arteninventar verändert hat. Die einzelnen Gewässer haben jedoch alle einen individuellen Wert und somit auch eine unterschiedlich hohe ökologische Bedeutung. Die Kleingewässer in den Tertiärdünen auf Wangerooge stellen für die Flora und für alle vier untersuchten Tiergruppen einen wichtigen Lebensraum dar. Die Existenz und Qualität dieser Kleingewässer sind jedoch seit Jahren stark bedroht. Diese Situation wird auch zukünftig durch Sukzessionsprozesse wie Verlandung, Verbuschung und Beschattung sowie durch klimatisch bedingte Prozesse (Austrocknung) fortschreiten. (Niedringhaus und Zander 1998; Grella 2000; Janßen 2002). Viele Gewässer sind bereits zwischen 1999 und 2021 verschwunden. Die Ergebnisse zeigen, dass bei der aktuellen Entwicklung der Gewässer eine Großzahl der Gewässer ebenfalls zerstört wird. So geht auch in Zukunft weiterer wertvoller Lebensraum für die limnische Flora und Fauna verloren. Maßnahmen zur Eindämmung der Sukzession, Verlandung und Eutrophierung müssen umgesetzt werden. Nur so können die Kleingewässer und damit die Lebensbedingungen für die gewässertypische seltene bzw. gefährdete Flora und Fauna erhalten werden.

Kleingewässer im Heidegebiet Wangerooge. Foto: Mathias Heckroth

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Umweltwissenschaftliche Untersuchungen auf Wangerooge

Umweltwissenschaftliche Untersuchungen auf Wangerooge Projektbeschreibung

Ein durch menschliche Einflüsse geschaffenes Kleingewässersystem auf Wangerooge bietet vielen Kleinstlebewesen einen Lebensraum. 20 Jahre nach der letzten Untersuchung soll der Zustand dieses Ökosystems neu erfasst werden. Zudem soll der Einfluss gebietsfremder Pflanzenarten in den Inseldünen auf die einheimische Fauna analysiert werden.

Die Nordseeinseln sind wegen des Wattenmeeres von herausragender ökologischen Bedeutung. Weniger bekannt ist, dass sich etwa auf Wangerooge mehrere hundert (Klein-) Gewässer befinden, die ausschließlich durch menschlichen Einfluss entstanden sind: Vom einstigen Bombenkrater bis zu den Überresten von Deich- oder Klärwerksbau reicht die Palette dieser „künstlichen“ Gewässer, die im Laufe der Jahrzehnte zur Heimat einer reichen Flora und Fauna geworden sind. Gewässerökologische Untersuchungen aus den 1990er Jahren belegen die hohe Bedeutung dieser Flächen für den Naturschutz und zugleich die starke Gefährdung ihres Fortbestandes vor allem durch Verlandungs- und Verbuschungsprozesse.

Die Nordseeinseln sind wegen des Wattenmeeres von herausragender ökologischen Bedeutung. Weniger bekannt ist, dass sich etwa auf Wangerooge mehrere hundert (Klein-) Gewässer befinden, die ausschließlich durch menschlichen Einfluss entstanden sind: Vom einstigen Bombenkrater bis zu den Überresten von Deich- oder Klärwerksbau reicht die Palette dieser „künstlichen“ Gewässer, die im Laufe der Jahrzehnte zur Heimat einer reichen Flora und Fauna geworden sind. Gewässerökologische Untersuchungen aus den 1990er Jahren belegen die hohe Bedeutung dieser Flächen für den Naturschutz und zugleich die starke Gefährdung ihres Fortbestandes vor allem durch Verlandungs- und Verbuschungsprozesse.

Kleingewässer im Ostinnengroden. (Foto © Lotta Heckroth) / Kleingewässer im Heidegebiet Wangerooge. (Foto © Mathias Heckroth)
Aus der Luft sind die Kleingewässer gut zu erkennen. (Foto © Norbert Hecker)
Wasserstandsmessung im Kleingewässer auf Wangerooge. (Fotos © Mathias Heckroth)

Das Projekt „Umweltwissenschaftliche Untersuchungen auf Wangerooge“ des Mellumrates will rund 20 Jahre nach der letzten umfassenden Untersuchung dieses Gewässersystems auf der östlichsten der Ostfriesischen Inseln an den bereits damals repräsentativ ausgewählten Gewässern geoökologische Vergleichsdaten erheben. Zudem soll eine Bestandsaufnahme der aktuellen Flora und der hochspezialisierten Fauna aus Libellen, Wasserkäfern, Wasserwanzen und Mollusken unternommen werden. Die Ergebnisse sollen einerseits einen Beitrag zur weiteren Kenntnis über ökologische Prozesse wie dem Sukzessionsgeschehen liefern und zum anderen helfen, die naturschutzfachliche Relevanz dieser als „Sonderbiotope“ innerhalb des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer geltenden Lebensräume bewerten zu können.

Wasserkäfer (Hydrous piceus) und Libelle

In einem zweiten Teil des Projekts gilt die Aufmerksamkeit der Ausbreitung von nicht-einheimischen Pflanzen in den Dünen Wangerooges. Die polykormische Kartoffel-Rose (Rosa rugosa) hat sich seit ihrer Einführung nach Europa aus Nordostasien im 18. Jahrhundert überall auf den Ostfriesischen Inseln inzwischen fest etabliert. Auf Wangerooge sind besonders viele Dünenabschnitte davon betroffen. Eine weitere ursprünglich nicht-heimische Pflanzenart, das Kaktusmoos (Campylopus introflexus) sowie die Art Senecio inaequidens sollen ebenfalls in die Untersuchung einbezogen werden. Konkret geht es darum, den Einfluss dieser Neophyten auf die standortheimische Arthropoden-Fauna zu analysieren. Dazu sind Bestandsaufnahmen der verschiedenen Tier-Gilden in Dünenabschnitten mit und ohne Vorkommen der gebietsfremden Arten vorgesehen. Die Untersuchung umfasst eine breite Palette an Artengruppen – von Laufkäfern und Spinnen über Fluginsekten wie Schmetterlinge, Schwebfliegen und Bienen bis hin zu Wanzen, Zikaden, und Blattkäfern.

Typische nichteinheimische Pflanzen: links die polykormische
Kartoffel-Rose und rechts das Kaktusmoos  (Foto © Maike Iserman)

Die Ergebnisse der Analyse könnten wichtige Erkenntnisse zur naturschutzfachlichen Bewertung der gebietsfremden Pflanzenarten liefern und damit weit über das Untersuchungsgebiet hinaus von Bedeutung sein.

Der Ostinnengroden auf Wangerooge aus der Vogelperspektive (Foto © Norbert Hecker)

Hier zum Abschlussbericht

Entwicklung von Lockmitteln für Wölfe

Entwicklung von Lockmitteln für Wölfe als Teil eines Forschungsprojekts Projektbeschreibung

Der Wolf ist zurück in Deutschland. 150 Jahre nach der Ausrottung des verfemten Beutegreifers leben heute wieder rund 130 Wolfsrudel
– als solche werden die Familienverbände bezeichnet – in Deutschland.

In zwölf der 16 Bundesländer gibt es Wolfsvorkommen. Schon bald könnten es noch sehr viel mehr sein. Das Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin modellierte, dass Deutschland gemessen an den Lebensraum-Ansprüchen der Tiere ein Potenzial für insgesamt 700 bis 1400 Wolfsreviere hat.

Um das Zusammenleben von Mensch und Wolf in einem so dicht besiedelten Gebiet wie Deutschland verträglich zu gestalten und damit auch die Akzeptanz für den Wolf zu erhalten, sind umfangreiche Kenntnisse der Lebensweise der heimlichen Jäger in der Kulturlandschaft erforderlich. Eines der besten Mittel dazu ist die Ausstattung von einzelnen Wölfen mit GPS-Sendern. Diese Methode wird seit langem bei vielen Wildtierarten angewendet und bietet metergenaue aktuelle Informationen über den Aufenthaltsort eines Tieres. Die Daten lassen Rückschlüsse auf die Lebensweise und das Verhalten der Tiere zu. m die Wölfe zu besendern, müssen die schlauen Tiere aber zunächst gefangen werden. Diesem Ziel dient das Projekt „Entwicklung von Lockmitteln für Wölfe“ des Instituts für Wildbiologie Göttingen, Dresden (IWGD).

Ein Wolfsrüde markiert sein Territorium
(Foto©Daniel Mott from Stockholm, Sweden, CC BY-SA 2.0 https://creative-commons.org/licenses/by-sa/2.0,
via Wikimedia Commons)
Im Rahmen des Projektes wurde bisher die Lockwirkung von verschiedenen Duftstoffen auf Wölfe getestet, insbesondere Drüsensekret und Urin verschiedener Säugetiere.

Zwar werden Wölfe bereits seit langem in Fallen gefangen. Eine Weiterentwicklung der Strategien zum Anlocken von Wölfen würde die Erfolgschancen beim Fang aber erheblich steigern und somit die Ausgangslage für die Erforschung und das Management von Wölfen in Deutschland deutlich verbessern.

Geplant ist, verschiedene Köder und olfaktorische Lockstoffe im Gehege und vor allem in der freien Wildbahn auf ihre Wirkung zu testen. Ziel des Vorhabens ist es, innerhalb eines Jahres einen praxistauglichen Ansatz zu finden und – wenn möglich – umfangreich im Freiland zu erproben. Seitens des IWGD sollen die Ergebnisse in die laufenden oder geplanten Forschungsprojekte zum Wolf integriert werden, unter anderem in den Fang und die Besenderung von Wölfen. Für die Freilandexperimente sollen der Truppenübungsplatz Grafenwöhr und die angrenzenden Waldbereiche genutzt werden. Durch ein laufendes Forschungsvorhaben ist dort schon eine umfangreiche Infrastruktur vorhanden, die für den Test von Lockmitteln genutzt werden kann. Im Rahmen der Freilandexperimente als besonders attraktiv identifizierte Lockstoffe können so großräumig getestet werden. Auch Störfaktoren oder ungewollte Manipulationen der Feldexperimente etwa durch Spaziergänger oder Hunde können auf dem Truppenübungsplatz aufgrund eines generellen Betretungsverbots ausgeschlossen werden.

Die Videos zeigen Aufnahmen aus den Territorien von Wolfsrudeln in Polen. Dort wurden an zahlreichen – regelmäßig von Wölfen frequentierten – Plätzen Proben ausgebracht. Das Verhalten der Tiere wurde mit Hilfe von Kamerafallen über 12 Wochen beobachtet.

Eine Weiterentwicklung der Strategien zum Anlocken von Wölfen würde die Erfolgschancen beim Fang erheblich steigern und somit die Ausgangslage für die Erforschung und das Management von Wölfen in Deutschland deutlich verbessern. Auf diese Weise liefert das geplante Vorhaben eine Basis für erfolgreiche, aussagekräftige Telemetriestudien zum Wolf, die eine wichtige Grundlage für einen faktenbasierten Umgang mit dieser faszinierenden Tierart in Deutschland sind.

Hier zum Abschlussbericht

Weiterentwicklung tierschutzgerechter Fangmethoden für Wölfe

Weiterentwicklung tierschutzgerechter Fangmethoden für Wölfe Abschlussbericht

Hinsichtlich der Urindüfte konnte weder ein besonders attraktiver noch ein repellenter Duftstoff ausgemacht werden. Auch die Interaktionsraten weisen mit Raten zwischen 13 bis 22 Prozent bei den Wölfen und 17 bis 26 Prozent bei den Rotfüchsen nicht auf eine besondere Lockwirkung der untersuchten Urine hin.

Auch wenn Wölfe und Füchse Interesse an den Duftstoffen haben, scheint dieses nicht auszureichen, um die Tiere zu einem bestimmten Punkt zu locken. Die Anziehungskraft ist offensichtlich nicht stärker als die Anziehungskraft anderer alltäglicher Umweltreize.

Auch bei den Drüsensekreten konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie eine besondere Wirkung haben. Der arteigene Drüsenduft und der Duft des Beutetieres erzeugten lediglich ein gewisses Interesse.

Ein Wolfsrüde markiert sein Territorium
(Foto©Daniel Mott from Stockholm, Sweden, CC BY-SA 2.0 https://creative-commons.org/licenses/by-sa/2.0,
via Wikimedia Commons)
Wildlebender Rotfuchs
Foto©Lutz Leitmann, CC BY-SA 4.0 https://creative-commons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Bei den Rotfüchsen gab es dagegen weitergehende Ergebnisse: Das Drüsensekret eines Wolfes rief in den gemessenen Bereichen am deutlichsten ein gesteigertes Interesse hervor. In einigen Fällen traf dies darüber hinaus auch auf Luchs- und Rotwilddrüsensekret zu. Die Möglichkeit, an bereits gerissenes, verendetes Rotwild zu gelangen, ohne dafür kämpfen zu müssen, sind wahrscheinlich die Ursache für das Interesse.

Auch die Interaktionsraten mit dem Versuchsaufbau waren mit 40 bis 43 Prozent im Vergleich zu den Urinen recht hoch. Von einer eindeutigen Lockwirkung kann dabei jedoch noch nicht ausgegangen werden. Möglicherweise spielt der intensive, ausgeprägte Geruch eine Rolle. Repellente Verhaltensweisen wurde bei beiden Versuchsgruppen und Tierarten aber kaum bis gar nicht gezeigt. Von einer abschreckenden Wirkung der verwandten Duftstoffe ist demnach nicht auszugehen. Keiner der untersuchten Duftstoffe scheint demnach als artspezifisches Lockmittel oder als repellente Substanz geeignet.

Hier zur Projektbeschreibung

Grosstrappenschutz

Flächenerwerb für den Großtrappenschutz in Sachsen-Anhalt Projektbeschreibung

Mit dem Kauf von fast 20 Hektar Acker- und Wiesenflächen im Kerngebiet der letzten Großtrappen Deutschlands erhalten die Bemühungen um das Überleben einer unserer am stärksten bedrohten Vogelarten einen wichtigen Schub.

Die Großtrappe ist eine der spektakulärsten Vogelgarten in Deutschland. Mit bis zu 17 Kilogramm Gewicht der Hähne sind sie die schwersten flugfähigen Vögel der Erde. Die Balz der Trappen im Frühjahr gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen hierzulande. Die Großtrappe ist zugleich aber auch eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Vogelarten Deutschlands. Ihren hohen Lebensraumansprüchen werden nur noch wenige Gebiete gerecht. Wie viele andere im Agrarland lebende Vogelarten leiden Großtrappen vor allem unter der intensiv betriebenen Landwirtschaft mit häufigen Bearbeitungsschritten und einem hohen Einsatz von Düngemitteln und Agrarchemikalien.

Großtrappen brauchen Insektenvielfalt
Das verträgt sich nicht mit dem großen Insektenbedarf der Vögel. Ein einziges Trappenküken benötigt nach einer Woche Lebenszeit bereits 1000 Großinsekten pro Tag. Fallen die Insekten kleiner aus, können es leicht 5000 oder 6000 werden, die eine einzige Jungtrappe jeden Tag braucht. So viele Insekten finden sich nicht in intensivst genutzten modernen Agrarflächen. Die effektivste Schutzmaßnahme besteht deshalb im Erwerb von Wiesen- und Ackerflächen im Verbreitungsgebiet der Trappen, um darauf eine möglichst naturschutzgerechte landwirtschaftliche Nutzung sicherzustellen. Davon profitieren auch andere unter Druck geratene Arten wie Kiebitz, Braunkehlchen, Feldlerche, Brachvogel, Wiesenweihe und Sumpfohreule.

Junge Großtrappe (Foto © Thomas Krumenacker)
Großtrappen benötigen 1kg Insekten in den ersten beiden Lebenswochen (Fotos © privat)

Der Flächenerwerb ist seit vielen Jahren auch eines der Hauptanliegen des Fördervereins Großtrappenschutz e. V.. Die Eigentumsflächen des Vereins unterliegen weiterhin einer landwirtschaftlichen Nutzung, die aber über Auflagen in den Pachtverträgen so angepasst wird, dass die Bedingungen für möglichst viele am Boden brütende Vogelarten optimiert werden. Durch die Verpachtung der Flächen werden die ortsansässigen Landwirtschaftsbetriebe gestärkt und zugleich für den Artenschutz sensibilisiert.

Einige Maßnahmen, etwa die Schaffung von ausreichend großen Zeitfenstern für das Brüten und die Aufzucht der Jungvögel bis zum Flüggewerden, lassen sich sofort umsetzen.

Andere Maßnahmen – zum Beispiel die Vorgabe einer angepassten extensiven Nutzung ohne Einsatz synthetischer Düngemittel und Agrochemikalien, die zu einer Zunahme der Pflanzenartenvielfalt und damit der Vielfalt von Großinsekten führt – zeigen erst nach einigen Jahren Wirkung.

Männliche Großtrappe
(Foto©www.volganet.ru)

Flächenerwerb im Herzen der letzten Trappenvorkommen
Mit diesem Konzept ist es bereits in einem der drei bundesweit noch verbliebenen Einstandsgebieten der Großtrappe, dem Havelländischen Luch, eine sich selbst tragende Population der Großtrappe zu erhalten. In den beiden anderen Einstandsgebieten sind derzeit noch Bestandsstützungen durch Auswilderung handaufgezogener Jungtrappen erforderlich.

Ein Hauptgrund dafür ist der Mangel an Landwirtschaftsflächen, die bereits entsprechend den Ansprüchen der Großtrappe entwickelt werden konnten. Mit dem Erwerb einer großen Fläche im Europäischen Vogelschutzgebiet Fiener Bruch konnte nun aber ein großer Schritt in Richtung auf einen trappengerechten Umbau der landwirtschaftlichen Nutzung getan werden. Der Förderverein Großtrappenschutz konnte dort fast 20 Hektar Grün- und Ackerland kaufen. Der besondere Wert dieser Flächen liegt in ihrer Lage in unmittelbarer Nähe zum Balzplatz der Großtrappen und innerhalb eines Komplexes von Flächen, die von Großtrappen ganzjährig und regelmäßig genutzt werden. Im Besitz des Fördervereins Großtrappenschutz befinden sich in der Nähe bereits 4,1 Hektar Grünland.

Im Fiener Bruch werden seit 2011 verstärkt Bemühungen zum Erhalt der Art unternommen. Maßnahmen zur Wiederherstellung des Lebensraumes, zur Vermeidung von Störungen, zum Aufbau eines Prädationsmanagements und zur Stabilisierung des wildlebenden Bestandes der Großtrappe durch Auswilderung von Hand aufgezogener Jungvögel haben dazu geführt, dass sich der Bestand von zu Projektbeginn 17 auf aktuell (Stand März 2021) 117 Vögel erholt hat. Damit ist das Gebiet nach dem Havelländischen Luch mit 142 Großtrappen das zweitgrößte deutsche Trappenvorkommen.

Der Flächenkauf leistet einen maßgeblichen Anteil daran, mittelfristig einen sich selbst tragenden Bestandes der Großtrappe ohne zusätzliche Auswilderung zu etablieren.

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