in den Vogelschutzgebieten (VSG) Medebacher Bucht und Diemel-Hoppecketal
Naturschutzfachlich optimierte Mahd in den Vogelschutzgebieten (VSG)
Zwei mit Unterstützung der Stöckmann-Stiftung in den Jahren 2023 und 2024 durchgeführten Projekte ermöglichen für die in und Diemel-Hoppecketal wirtschaftenden Landwirte, künftig Schlepper-Mähbalken ausleihen zu können.
Die Mahdmethode mit Doppelmesser-Mähbalken hat im Vergleich mit der Kreiselmähertechnik sowohl für den Naturschutz als auch die Landwirtschaft eine Reihe von positiven Wirkungen, wie nachstehender Tabelle zu entnehmen ist:

v.c-b-v
Schadintensität Insekten
Schadintensität Amphibien
Traktor- Doppelmessermäher
9 %
21 %
Kreiselmäher (Trommel-/Scheibenmäher)
28 - 40 %
51 %
Wirkung auf Grasnarbe
Glatte Schnittflächen -> zügigerer Wiederaustrieb
Zerfaserte Schnittflächen -> verzögerter Wiederaustrieb, Eintrittspforte für Pilze
Kraftbedarf
-
Gewicht
Mähgeschwindigkeit
Mähbreiten
Wartungsaufwand
Rohascheanteil /Verschmutzung
3x geringer als Kreiselmäher
-
2-2,5x geringer als Kreiselmäher
12 km/h
1,80 – 12 Meter
Höher (durch Pflegemanagement reduzierbar)
Sehr gering
3x höher als Messerbalken (höherer Kapital- und Leistungsbedarf)
2-2,5x höher als Messerbalken
15 km/h
2,20 – 12 Meter
Geringer
Sehr hoch, problematisch v.a. bei Trockenheit
Grün: Aspekte für den Naturschutz
Gelb: Aspekte sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Naturschutz
Ocker: Aspekte für die Landwirtschaft
Mit Hilfe des Projektes konnten für die Vogelschutzgebiete schlagkräftige Mähbalken der Firma KEMA in den Jahren 2023 und 2024 angeschafft werden. Alle Balken haben Schnellwechseleinrichtungen, die ein Auswechseln der Messer im laufenden Betrieb erlauben, falls die Messerschärfe zurückgeht. Kerninhalt des Projektes ist der Erhalt der ständigen Einsatz- und damit Verfügbarkeit der Balken in der Mahdsaison: Sie wird durch einen metallverarbeitenden Betrieb aufrechterhalten. Er kümmert sich um die unbedingt notwendige Schnittfähigkeit der Messer und die Schmierung der Geräteträger. Darüber hinaus sorgt er durch die Einweisung der Landwirte dafür, dass die Geräte fachlich regelgerecht eingesetzt werden. Fehlerlose Pflege- und Einsatzroutinen stellen die Grundlage für die Schlagkraft und damit die landwirtschaftliche Akzeptanz für den Einsatz der Geräte dar. Auch für die Langlebigkeit der Geräte ist diese Zuständigkeit von großer Bedeutung. Es wurden Mähbalken mit unterschiedlichen Mähbreiten angeschafft, von 3,20m bis 8,80m können sich die örtlichen Landwirte die für sie am besten geeignete Kombination auswählen.
Die Ausleihe ist kostenpflichtig, mit den eingenommenen Beträgen werden die Leistungen des Landmaschinenhändlers und Ersatz- und Verschleißteile bezahlt. Die Belegung der Einheiten erfolgt mittels Internetkalender über den Landmaschinenhändler oder dem Gebietsbetreuer. Die aktuelle Verfügbarkeit lässt sich per Handy oder Computer stundenaktuell einsehen.
In der ersten Mahdsaison (2023) konnten bereits 55 ha, im Jahr 2024 135 ha Grünland naturschutzgerecht gemäht werden. 2025 waren es 175 ha. Das Projekt sorgt außerdem dafür, dass sich Landwirte durch das Paket "naturverträgliche Mahdtechnik" ihre Leistungen im Vertragsnaturschutz zusätzlich vergüten lassen können.


Carina Pfeffer
Im Wielpützfeld 7a
51503 Rösrath
info@pfeffer-land.de
www.pfeffer-land.de
02205 - 2095
In den Jahren 2023 und 2024 wurde durch den Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve e.V. (LIKK e.V.) ein Projekt initiiert und durchgeführt mit dem Ziel der Erfassung und Kartierung alter Kirschbäume und der Identifizierung seltener regionaltypischer Kirschsortenim Kreis Kleve. Die Sortenbestimmung erfolgte durch erfahrene Pomolog(inn)en. Im Vorfeld der Kartierung wurde auch die Bevölkerung aufgerufen Baumstandorte zu melden. Im Rahmen der Aufsuchung der Kirschbäume vor Ort wurden die Standorte per GPS erfasst und die Bäume und die Kirschen fotografiert.
Ein historischer Abriss mit Bezug zum Kreis Kleve macht deutlich, dass der Kirschenanbau in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Durch diese Entwicklung sind die alten Sorten akut vom Aussterben bedroht.
Die Ergebnisse der aktuellen Kartierung waren überraschend. Es wurden zahlreiche, z.T. uralte (> 100 Jahre) alte Kirschbäume nachgewiesen mit einer großen Zahl bisher z.T. unbekannter Lokalsorten, speziell in einem kleinen ehemaligen Kirschanbaugebiet um die Gemeinden Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf.
Es konnten in Summe 428 Kirschbäume mit insgesamt 75 (davon 35 Süßkirschen) verschiedenen Kirschsorten nachgewiesen werden, die meisten davon in sehr niedrigen Stückzahlen. Es gibt frühe, mittelreife und späte sowie gelbe, rote und rot-bunte Knorpel-, Speck-, Herz- und Lackkirschen mit z.T. klangvollen Namen wie „Niederrheinische Transparente“, „Kronprinz von Hannover“, „Flamentiner“, „Prinzessin“ oder „Honigs Bunte Herzkirsche“. Die Kartierung hat deutlich gemacht , dass alle alten Regialsorten hochgradig gefährdet sind, da keine Vermehrung mehr stattfindet.


Die Sorte „Lackkirsche“ hat sich als große Überraschung entpuppt, denn sie ist die „zahlenmäßig am stärksten vertretene Kirsche am Niederrhein und dabei auch noch eine bis dato in Deutschland nahezu unbekannte Sorte“.
Mit der Erfassung der Kirschen ist die Grundlage dafür gegeben, um durch die Gewinnung von Reisern für die Veredlung regionale Sorten vor dem Aussterben zu retten. Als besonders wertvolles Nebenergebnis hat sich gezeigt, dass einige früh reifende Kirschen nicht bzw. kaum von der Kirschfruchtfliege befallen werden, die zusammen mit der aus Asien eingeschleppten Kirschessigfliege ein großes Problem im Erwerbskirschenanbau darstellt. Die hellen, gelb-bunten Sorten werden von der Kirschessigfliege nicht befallen, und auch Vögel fressen diese weniger.
Das Projekt hat gezeigt, dass die untersuchten Kirschbäume in den Obstwiesen einen hohen kulturhistorischen Wert haben und ihre überraschend hohe genetische Vielfalt eine wertvolle Ressource für die Zukunft darstellt.

Carina Pfeffer
Im Wielpützfeld 7a
51503 Rösrath
info@pfeffer-land.de
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Ziel der Untersuchung war es, das Sortenspektrum und den Zustand der Bäume zu ermitteln. Die Pomologin Carina Pfeser führte das Projekt in Zusammenarbeit mit dem LiKK e.V. durch und in mehrfacher Hinsicht herausragende Ergebnisse:
Die Planung sah vor, 100 bis 150 Bäume, die 60 Jahre und älter sind, zu untersuchen. Die Umsetzung erfolgte an fast 300 Bäumen. Darüber hinaus gaben zahlreiche Baumbesitzer Rückmeldungen, die nicht mehr bearbeitet werden konnten. Die Gespräche mit den Besitzern vor Ort zeigten, welch große Bedeutung der Kirschanbau am Niederrhein einst hatte: In den sogenannten Pfälzerdörfern war der Verkauf der Kirschen im Sommer ein wichtiger Beitrag zum Familieneinkommen.
Das zweite überraschende Ergebnis: Die Vielfalt der aufgefundenen Sorten kann sich durchaus mit anderen Kirschenregionen Deutschlands messen. 40 Sorten konnten erfasst werden. Darüber hinaus wurden über 20 Proben genommen, die nicht eindeutig zuzuordnen waren.


Von den 40 Sorten erhielten 13 einen Arbeitsnamen, da sie aus der Literatur nicht bekannt waren (von diesen 13 wiederum ist jeweils eine Sorte auch mit einem Baum in Bayern bzw. Niedersachsen gefunden worden). 14 weitere Sorten gelten als selten in der deutschen Streuobstlandschaft und damit auch als selten in Deutschland.
Eine kleine Sensation gab es darüber hinaus: Mit der Sorte ,Ampfurter Knorpelkirsche‘ wurde eine historisch beschriebene Sorte wiederentdeckt, die bisher als verschollen galt.
Überraschend und erfreulich war auch,
• dass nicht eine der erwarteten Standardsorten, sondern die als Lackkirsche bezeichnete Lokalsorte am häufigsten aufgefunden wurde und
• dass viele der Baumveteranen in einem relativ vitalen Zustand sind.
Dennoch ist es von hoher Dringlichkeit, von den erwähnten Sorten möglichst bald Edelreiser zu schneiden, um durch Abveredlung junge Bäume heranzuziehen und so diese Sorten vor dem endgültigen Verlust zu bewahren.
Über Hundert Jahre alte Baumriesen





Unsere heimische Kulturlandschaft hat in den letzten Jahrzehnten schwerwiegende Veränderungen durchlebt. Effizientere Maschinen, größere Feldschläge und verstärkter Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln haben nicht nur zu höheren Ernteerträgen geführt, sondern gleichzeitig zahlreichen Arten der Agrarlandschaft ihre Lebensgrundlage genommen. Zu den großen Verlierern dieser landwirtschaftlichen Intensivierung zählt auch die Feldlerche (Alauda arvensis), deren Bestände sich europaweit in weniger als 40 Jahren halbiert haben.
Um den Ursachen dieses dramatischen Rückganges näher auf den Grund zu gehen, hat Manuel Püttmanns im Rahmen seiner Doktorarbeit 2017 das „Göttinger Feldlerchenprojekt“ ins Leben gerufen. Hierbei untersucht ein engagiertes Team aus Biologen und Studenten der Universität Göttingen die genauen Lebensraumansprüche der Feldlerche.

Insbesondere wird erstmals die Habitatnutzung von besenderten Feldlerchen über die gesamte Brutzeit verfolgt. Somit können nicht nur die Nest- und Nahrungshabitate an sich, sondern auch Veränderungen in der Nutzung und ihre Auswirkungen auf den individuellen Bruterfolg festgestellt werden. Außerdem werden ebenfalls Nester unbesenderter Lerchen gesucht und ihr Schicksal dokumentiert. Ein integriertes Monitoring der Insektenvielfalt und -biomasse in den verschiedenen Habitattypen der Agrarlandschaft gibt Aufschluss darüber, wie die Nahrungsverfügbarkeit die Habitatnutzung von Feldlerchen beeinflusst. Am Ende des Projektes sollen mit Hilfe der gesammelten Daten neue Konzepte für Schutzmaßnahmen entworfen werden, die Feldlerchen wieder ein Überleben in unserer intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft ermöglichen.

In der aktuell noch laufenden Feldsaison 2018 konnten durch insgesamt 17 besenderte Feldlerchen über mehrere Monate hinweg tiefe Einblicke in ihr sonst sehr heimliches Brutgeschäft gewonnen werden. Darüber hinaus wurden über 40 Lerchennester bis zum Ende der Brut begleitet. Es liegt also bereits eine gute Datengrundlage vor, die im kommenden Jahr noch weiter ausgebaut werden wird.
Das Team des Göttinger Lerchenprojektes bedankt sich herzlich für die großzügige Unterstützung durch die Stöckmann-Stiftung!
Manuel Püttmanns
Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie auch in unserem

Thomas Krumenacker ist Wissenschaftsjournalist, Autor und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale.
Auch nach Abschluss der Förderung durch die Stöckmann-Stiftung bleiben die von uns geförderten Projekte wichtig. Deshalb fragen wir in lockerer Reihenfolge bei den Projektmachern noch einmal nach, um zu erfahren, wie sich die von uns geförderten Maßnahmen weiterentwickelt haben. Den Anfang macht das Göttinger Feldlerchen-Projekt.
Um zu helfen, die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Feldlerchen in unserer Agrarlandschaft zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln, hat die Stöckmann-Stiftung das Göttinger Feldlerchen-Projekt gefördert. Wir sprachen mit Projektgründer Manuel Püttmanns über die Ergebnisse der von uns geförderten Untersuchungen.

Thomas Krumenacker spricht mit Manuel Püttmanns
Wie kommt es, dass Sie sich ausgerechnet mit der doch recht unscheinbaren Vogelart Feldlerche beschäftigen?
Manuel Püttmanns: Als Jugendlicher las ich einen Artikel über die Feldlerche, in dem es um ihren dramatischen Bestandsrückgang sowie Lerchenfenster als einfach umzusetzende Schutzmaßnahme ging. Ich war damals begeistert von der Idee, mit einfachen Mitteln einer stark bedrohten Art helfen zu können und habe mich daraufhin zunehmend mit der Thematik auseinandergesetzt. Dieses Interesse hat mich nie wieder los gelassen und so stand für mich nach meinem Biologie-Studium fest, dass ich in meinem Berufsleben etwas zum Schutz der Feldvögel und insbesondere zum Schutz der Feldlerche beitragen möchte. „Unscheinbar“ empfinde ich Feldlerchen allerdings nicht; ihr fantastischer Gesang hoch über unseren Köpfen gehört für mich mit zu den schönsten Erlebnissen, welche unsere Kulturlandschaft zu bieten hat.
Wie geht es den Feldlerchen in ihrem Untersuchungsgebiet? Hatten sie eine gute Brutsaison?
Püttmanns: Da die dreijährige Freilandarbeit bereits 2019 abgeschlossen wurde, kann ich leider nichts Konkretes zur zurückliegenden Brutsaison sagen. Ich würde allerdings vermuten, dass sich ein ähnliches Bild abgezeichnet hätte wie im Untersuchungszeitraum: Fast alle unsere Daten sprechen dafür, dass sich die Feldlerchen in den Feldern südlich von Göttingen und im Gegensatz zu vielen anderen Teilen Deutschlands noch ziemlich gut behaupten können. Beispielsweise ist der Bruterfolg über die gesamte Saison hinweg auf recht hohem Niveau stabil. Dafür spricht auch, dass wir mit 30 bis 40 Brutpaaren pro km² noch eine vergleichsweise hohe Dichte an Feldlerchen haben.
Sie haben die Art sehr intensiv untersucht, unter anderem durch Besenderung. Was haben Sie dabei herausgefunden?
Püttmanns: Die Feldlerchen, welche wir mittels Telemetrie über den Großteil der Brutsaison intensiv begleiten konnten, beendeten durchschnittlich ein Gelege erfolgreich. Das klingt zunächst wenig, ist es bei genauerem Hinsehen jedoch nicht: In vielen anderen Regionen haben Feldlerchen durch schnell hochwachsende Monokulturen, allen voran Wintergetreide und Mais, überhaupt nur die Chance, einen einzigen Brutversuch zu unternehmen. Danach wird die Vegetation für die am Boden angelegten Nester zu dicht. Wenn dabei dann noch etwas schief läuft und die Brut z. B. durch Fressfeinde verloren geht, gibt es nicht genügend Nachkommen für einen stabilen Bestand. Im Göttinger Untersuchungsgebiet jedoch stehen Möglichkeiten für die Nestanlage über die gesamte Brutsaison hinweg zur Verfügung. Viele der besenderten Feldlerchen, die ihre erste Brut noch im Wintergetreide durchführten, wechselten für die zweite Brut einfach auf ein benachbartes Feld mit einer niedrig wachsenden Sommerkultur, allen voran Zuckerrübe, oder in einen nahe gelegenen Blühstreifen.
Welches Ergebnis hat Sie persönlich besonders erstaunt?
Püttmanns: Am meisten hat es mich überrascht, wie gut sich die Göttinger Feldlerchen offenbar schlagen. Da überall von den dramatischen Bestandsrückgängen zu hören ist, hätte ich auch eindeutige Anzeichen für Probleme mit dem Brutgeschäft in Göttingen erwartet. Dem ist nach aktuellem Stand erfreulicherweise nicht so; da ein Untersuchungszeitraum von drei Jahren allerdings recht kurz ist und wir leider keine vergleichbaren Daten aus früheren Jahrzehnten haben, können wir nicht abschließend beurteilen, ob sich die Situation in Göttingen trotz der guten Werte im Vergleich zu anderen Regionen über die Jahre verschlechtert hat.
Außerdem hat mich das Verhalten einzelner Feldlerchen-Individuen erstaunt, welche wir durch die Besenderung verfolgen konnten: Während die meisten Feldlerchen fast immer in ihrem Revier anzutreffen waren, gab es ab und an mal Vögel, welche kurzzeitig einen „Ausflug“ auf Felder in z. T. 3 km Entfernung gemacht haben, um eine Stunde später dann wieder in ihrem üblichen Gebiet geortet zu werden. Mich würde wirklich interessieren, was es mit diesen kurzen Trips auf sich hatte!
Welche Erkenntnisse aus ihrer Arbeit sind besonders relevant mit Blick auf den Schutz der Art?
Püttmanns: Entscheidend für den Erfolg der Feldlerchen in Göttingen ist die Kleinstrukturierung des Gebietes mit einer vergleichsweise hohen Vielfalt an angebauten Feldfrüchten. Wie bereits viele andere Studien auch können wir also eine Lanze brechen für mehr Kulturvielfalt in der Agrarlandschaft. Darüber hinaus kommt den Göttinger Lerchen zu Gute, dass der Grünland-Anteil relativ gering ist, sodass wenig Nester beim heutzutage intensiven Mahd-Regime verloren gehen, und dass sich auch der Anbau von Mais und Raps (noch) in Grenzen hält. Unsere Daten zeigen für diese hoch- und dicht wachsenden Kulturen ganz klar ein Meidungsverhalten sowohl zum Brüten als auch für die Nahrungssuche. Im Hinblick auf die immer ausgedehnteren Monokulturen der Bioenergiepflanzen in vielen Teilen Deutschlands müssen also dringend Lösungen gefunden werden, damit Feldlerchen nicht irgendwann ganz von unsern Feldern verschwinden.
Außerdem zeigt sich der positive Einfluss von Blühstreifen als geeignete Nest- und Nahrungshabitate, sodass wir unbedingt wieder mehr extensive Strukturen in der Kulturlandschaft anstreben müssen. Ein Anteil von 7 Prozent, wie er dank des PARTRIDGE-Projektes im Gebiet erreicht wurde, scheint dabei ein guter Richtwert zu sein. Bei allen Maßnahmen zum Schutz der Feldlerche sollte berücksichtigt werden, wie klein die Aktionsräume der Art sind. Feldlerchen müssen auf wenigen Hektaren alles vorfinden, was sie zum Leben benötigen. Schutzmaßnahmen können also nur wirken, wenn sie zahlreich und flächendeckend vorhanden sind. Insgesamt stimmen mich unsere Ergebnisse optimistisch, dass es auch heute noch möglich ist, moderne Landwirtschaft mit hohen Lerchenbeständen zu vereinen – sofern wir dazu bereit sind, etwas am Landschaftsbild zu ändern.
Arbeiten Sie weiter zum Thema und welche weiteren Fragestellungen wären künftig wert, intensiver betrachtet zu werden?
Auch wenn die Datenerhebung abgeschlossen ist, beschäftige ich mich gerade intensiv mit der Datenauswertung- und anschließender Veröffentlichung. Das wird in jedem Fall noch bis zum Frühjahr 2021 andauern. Für die Zeit nach meiner Doktorarbeit möchte ich unbedingt weiterhin im Bereich des Feldvogelschutzes arbeiten, denn offene Fragen gibt es noch genug: Zum Beispiel gibt es in anderen Teilen des Landkreises Göttingen Landstriche, die deutlich homogener gestaltet sind als unser Untersuchungsgebiet und trotzdem noch hohe Lerchenbestände aufweisen. Daher wäre es äußert spannend, auch dort brutbiologische Daten zu erheben und mit unseren Ergebnissen zu vergleichen. Täuscht die hohe Lerchendichte in diesen aus Lerchensicht eher unwirtlichen Gegenden darüber hinweg, dass der Bruterfolg trotzdem sehr schlecht ausfällt und langfristig mit einer Abnahme zu rechnen ist, oder welche Strategie führt dort zum Erfolg? Eine weitere spannende Frage, deren Erforschung mich sehr interessieren würde, ergab sich ebenfalls durch die Besenderung: Bei einigen unserer besenderten Feldlerchen gab es zwischen zwei Brutversuchen oft sehr lange Pausen von z. T. mehreren Wochen, in denen kein Brutverhalten in irgendeiner Form erkennbar war. Wieso gibt es diese Pausen, statt direkt mit der nächsten Brut zu beginnen, bzw. was ist uns als Beobachter entgangen? Die Feldleche bleibst also nach wie vor ein spannender Vogel, über den es noch viel zu lernen gibt.

Das mit Unterstützung der Stöckmann-Stiftung angestoßene Projekt ermöglicht es Landwirten, die im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht wirtschaften, künftig Schlepper- Mähbalken auszuleihen. Mit Hilfe der Stiftung wurden schlagkräftige Mähbalken mit Mähbreiten von 3,20m bis 8.80m angeschafft. Damit können sich die örtlichen Landwirte die für sie am besten geeignete Kombination auswählen.
Kerninhalt (Ziel)des Projektes ist der Erhalt der ständigen Einsatz-und damit Verfügbarkeit der Balken in der Mahdsaison durch einen Landmaschinenhändler. Darüber hinaus sorgt er durch Einweisung der Landwirte für den regelgerechten Einsatz der Geräte.
Die Ausleihe ist kostenpflichtig. Mit den eingenommenen Beträgen werden die Leistungen des Landmaschinenhändlers, die Ersatz- und Verschleißteile bezahlt. Die Belegung der Einheiten erfolgt mittels Internetkalender. Die aktuelle Verfügbarkeit lässt sich per Handy oder Computer stundenaktuell einsehen.
n der ersten Mahdsaison (2023) konnten bereits über 55 Hektar Grünland naturschutzgerecht gemäht werden. Das Projekt sorgt außerdem dafür, dass sich Landwirte durch das Paket „naturverträgliche Mahdtechnik“ ihre Leistungen im Vertragsnaturschutz zusätzlich vergüten lassen können.
Die Mahdmethode mit Doppelmesser-Mähbalken hat im Vergleich zur Kreiselmähertechnik sowohl für den Naturschutz als auch für die Landwirtschaft eine Reihe von positiven Wirkungen, die in der Tabelle dargelegt werden.



Der Mauersegler ist eine außergewöhnliche Vogelart, denn er verbringt fast sein gesamtes Leben im Luftraum. Auch seine Nahrung wie fliegende Insekten und verdriftete Spinnen (Luftplankton) jagt und fängt er für sich und seine Jungen ausschließlich in der Luft. Im beantragten Projekt möchten wir mit Hilfe von GPS-Datenspeichern die Nahrungsflüge von erwachsenen Mauerseglern untersuchen. Im Zentrum der Beobachtungen stehen dabei die Mauersegler in der Brutkolonie bei Olpe und ihre Aktivitäten beim Sammeln von Futterkugeln für die Jungvögel.
Wir wissen derzeit noch nicht,
• wo und in welcher Höhe die Mauersegler jagen,
• welche Strecke sie fliegen, bis sie eine Futterkugel den Jungen ans Nest bringen,
• ob derselbe Altvogel immer die gleichen Fluggebiete nutzt oder nicht
• und ob es individuelle, geschlechtsspezifische und/oder altersspezifische
Unterschiede bei der Jagdeffizienz der Segler gibt.
Juli 2022 hatten wir 35 Altvögeln einen GPS-Datenspeicher aufgesetzt, der sowohl die Zugrouten und Überwinterungsgebiete in Afrika aufnahm als auch die Futterflüge im Sommer 2023 im Brutgebiet bei Olpe. Zusätzlich haben wir 10 JunUm diese Fragen beantworten zu können, wollen wir den Mauerseglern GPS-Datenspeicher wie einen Rucksack umbinden. Die GPS-Logger zeichnen die Nahrungsflüge (Ort und Höhe) bis auf 50 Meter genau auf. Am Ende der Brutsaison 2023 entfernen wir die Minirucksäcke von den Vögeln und können die Flugstrecke, die Flugdauer und die Flughöhe jedes Nahrungsfluges ermitteln.


Unser Ziel ist es, die pro Nahrungsflug zurückgelegte Strecke mit der Biomasse und dem Energiegehalt der Futterkugeln zu korrelieren. Hiermit betreten wir wissenschaftliches Neuland und können vielleicht eines der vielen Geheimnisse zur Lebenslaufstrategie des Mauerseglers aufdecken. Die Vögel sind zu Beginn der Brutperiode sehr empfindlich. Wir können ihnen die GPS-Logger zum Messen der Nahrungsflüge deshalb leider nicht im Mai aufsetzen. Dies geschieht erst am Ende der Brutperiode in der Hoffnung, dass die besenderten Vögel im folgenden Jahr wiederkommen. Mit diesem erweiterten Ansatz können wir zeigen, ob sich der Mauersegler als reiner Insektenfresser dem Klimawandel anpassen kann und somit eventuell sogar als „Bioindikator des Klimawandels“ dienen könnte.



In diesem Projekt untersuchen wir in der Brutkolonie bei Olpe mit Hilfe von GPS-Datenspeichern die Jagdeffizienz von erwachsenen Mauerseglern beim Sammeln von Futterkugeln für die Jungen.
Im Juli 2022 hatten wir 35 Altvögeln einen GPS-Datenspeicher aufgesetzt, der sowohl die Zugrouten und Überwinterungsgebiete in Afrika aufnahm als auch die Futterflüge im Sommer 2023 im Brutgebiet bei Olpe. Zusätzlich haben wir 10 Jungvögel besendert und hoffen, dass ein Teil von ihnen 2024 zurückkehren wird. Von den 35 besenderten Altvögeln sind 14 Altvögel in 2023 in die Kolonie zurückgekehrt. Die Logger wurden von den 14 Vögeln entfernt, die Daten heruntergeladen und gespeichert. Für die nächste Überwinterungsphase und die Futterflüge in 2024 wurden die Logger programmiert und 14 Vögeln im Juli 2023 aufgesetzt. Die Analysen der GPS-Daten sind leider noch nicht abgeschlossen.
Mit Hilfe der GPS-Logger können wir auch die Flugstrecke, Flugdauer und die Flughöhe jedes Nahrungsfluges ermitteln und die zurückgelegte Strecke pro Nahrungsflug mit der Biomasse und dem Energiegehalt der Futterkugeln korrelieren. Hiermit betreten wir wissenschaftliches Neuland und lüften vielleicht eines der vielen Geheimnisse zur Lebenslaufstrategie des Mauerseglers.


Wegen des schlechten Gewichtszustandes der Jungvögel im Juli und August 2023 haben wir nur im Juni 10 Futterkugeln gesammelt. Fünf Speiballen sind von Vögeln, die bis Ende Juli den GPS-Logger aus dem letzten Jahr trugen. Die Futterflüge dieser fünf Vögel werten wir zurzeit aus. Im April/Mai 2024 wird der Energiegehalt der Futterkugeln mit Hilfe der Kalorimetrie gemessen. Mit Ergebnissen können wir auch Aussagen zur Jagdeffizienz der Vögel treffen.
In Kooperation mit Prof. Krehenwinkel, Uni Trier, wollen wir die Insektenzusammensetzung der Futterkugeln mittels Metabarcoding bestimmen. Das Sammeln der Futterkugeln im Laufe der Saison und über mehrere Jahre kann auch Veränderungen der Insektenzusammensetzung im Hinblick auf den Klimawandel aufdecken.


Die Grauammer ist ein Repräsentant artenreicher Ackerlandschaften, verzeichnet in Westdeutschland aber erhebliche Rückgänge seit den 1990er Jahren. Wie bei vielen Feldvogelarten gilt die Verknappung der Nahrungsressourcen für die Jungenaufzucht als ein wichtiger möglicher Grund für sinkende Bestände. Bislang nur in Ansätzen untersucht bleibt aber, welche Arthropoden den entscheidenden Anteil der Nahrung ausmachen. Bisherige Studien an der Grauammer erfassten auf Distanz sichtbare Beutetiere fütternder Weibchen sowie visuell bestimmte Nahrungsrückstände in Halsringproben. Außerdem wurden Kotproben der Nestlinge untersucht. Kleine oder anhand der Rückstände schwer bestimmbare Nahrungsbestandteile können dabei allerdings nur unterrepräsentiert berücksichtigt werden. Mit dieser durch die Stöckmann-Stiftung finanzierten Pilotstudie wollten wir prüfen, ob eine Analyse genetischer Rückstände in Kotproben mittels DNA-Metabarcoding zuverlässigere Einsichten in die Nestlingsnahrung der Grauammer liefern kann.
Insgesamt wurden von 2021 bis 2023 Nestlings-Kotproben aus 73 Nestern gewonnen (Abb. links), wovon 43 eine hinreichende Qualität für zuverlässige Barcoding-Ergebnisse (durchgeführt durch AIM.science) erreichten und auf Ordnungs- bzw. Familienniveau analysiert wurden. Im Vergleich besonders auffällig war, dass Untersuchungen von Halsringproben oder Nahrungsrückständen im Kot offenbar insbesondere die Bedeutung kleiner Arthropoden – Dipteren und Hymenopteren – als Nahrungsbestandteile der Grauammer unterschätzten.


Ein Vergleich zwischen Landschaften unterschiedlicher Habitatausstattung war aufgrund der ungleich-mäßigen Verteilung von (verwertbarem) Probenmaterial bei geringer Probenzahl aus Grünland-Gebieten nur eingeschränkt möglich. Es deutete sich an, dass in Acker-dominierten Gebieten im Ver-gleich zu heterogeneren Landschaftsstrukturen nur eine eingeschränkte Auswahl an Nahrungsorganis-men verfügbar war Die in dieser Pilotstudie erhobenen Befunde unterstreichen das große Potenzial des Metabarcodings für Untersuchungen zur Nahrungsökologie. Zudem deuten sie an, dass in Acker-dominierten Landschaf-ten die Sicherung mehrjähriger Saumstrukturen wichtige Nahrungsressourcen für brütende Feldvögel bereitstellen kann. Sie können beispielsweise als Blühflächen oder mehrjährige extensive Grünländer angelegt werden.


Das Forschungsprojekt „Leben am Limit? - Fütterleistungen der Mauersegler in Zeiten des Klimawandels“ ist Teil der Längsschnittstudie zu den Lebenslaufstrategien beim Mauersegler Apus apus – wie Zugverhalten, ökophysiologische Reaktionen und Nahrungssuchstrategien den Fortpflanzungserfolg beeinflussen. Der Mauersegler führt ein „Leben am Limit“, denn er ist einerseits ein Langstreckenzieher und zieht jährlich zwischen Europa und Afrika hin und her, andererseits ist er außerhalb der Brutphase bis zu 10 Monate ununterbrochen im Luftraum.
Aufgrund
• ihres permanenten Lebens im Flug sowohl in Afrika als auch in Europa,
• ihrer extremen Abhängigkeit von Luftplankton,
• der zeitlich sehr begrenzten Brutzeit von gerade 3 Monaten und
• einer ungewöhnlich langen Nestlingszeit
sind Mauersegler ständig ökologischen Zwängen, Einschränkungen und Unvorhersagbarkeiten ausgesetzt und müssen entscheiden, wie sie die begrenzten Nahrungsressourcen nutzen und ihre Energieressourcen einsetzen, und trotz der Zwänge den eigenen lebenslangen Fortpflanzungserfolg zu maximieren. Dies macht diese Art zu einem idealen Kandidaten, um individuelle lebensgeschichtliche Entscheidungen zu untersuchen und besser zu verstehen.


Als einen Teilaspekt möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.
Als einen Teilaspekt möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.


Im Rahmen dieser Förderung möchten wir eine Langzeitstudie zu den Fütterleistungen der Mauersegler beginnen, um zu untersuchen, ob sich die Fütterleistungen und somit der Fortpflanzungserfolg der Mauersegler in der Kolonie bei Olpe über die Jahre hinweg verändert und wie dies mit dem Klimawandel zusammenhängt.
Hierzu haben wir 10 Mauerseglernistkästen mit einem Echtzeitmonitoringsystem ausgestattet, um das Verhalten der Vögel und insbesondere die Fütterungsereignisse zu dokumentieren und auszuwerten. Dieses Monitoringsystem umfasst eine Infrarotkamera für Verhaltensanalysen, eine Ringantenne zur Identifizierung der Altvögel mittels RFID, eine flache elektronische Waage zur Messung der Gewichtszunahme der Küken und eine Steuereinheit (Mini-PC), die die verschiedenen Daten miteinander verknüpft.

Alle Daten wurden in Echtzeit von der Kolonie in der Brücke zum PC im Labor der Uni Siegen gesendet. Zusätzlich konnten die Videos über ein App auf einem mobilen Endgerät jederzeit betrachtet werden.
Dieses Echtzeitmonitoringsystem ermöglicht erstmalig störungsfreie und neue Einblicke in die Brutbiologie der Mauersegler. Das System dokumentiert natürliches Verhalten und es ermöglicht eine kontinuierliche Datenaufnahme. Diese Digitale Technik gestattet eine Überwachung dieser Art zu ihrem Schutz auch unter „schwierigen“ Bedingungen. Seit 2021 ist dieses System jede Saison im Einsatz. In den Abbildungen sind der Aufbau des Monitoringsystem und ausgesuchte Datenauswertungen dargestellt.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat sich seit 1999 stark verändert. Die Ergebnisse der floristischen und faunistischen Untersuchungen zeigen zwar, dass viele Arten verschwunden sind und sich das Arteninventar verändert hat. Die einzelnen Gewässer haben jedoch alle einen individuellen Wert und somit auch eine unterschiedlich hohe ökologische Bedeutung. Die Kleingewässer in den Tertiärdünen auf Wangerooge stellen für die Flora und für alle vier untersuchten Tiergruppen einen wichtigen Lebensraum dar. Die Existenz und Qualität dieser Kleingewässer sind jedoch seit Jahren stark bedroht. Diese Situation wird auch zukünftig durch Sukzessionsprozesse wie Verlandung, Verbuschung und Beschattung sowie durch klimatisch bedingte Prozesse (Austrocknung) fortschreiten. (Niedringhaus und Zander 1998; Grella 2000; Janßen 2002). Viele Gewässer sind bereits zwischen 1999 und 2021 verschwunden. Die Ergebnisse zeigen, dass bei der aktuellen Entwicklung der Gewässer eine Großzahl der Gewässer ebenfalls zerstört wird. So geht auch in Zukunft weiterer wertvoller Lebensraum für die limnische Flora und Fauna verloren. Maßnahmen zur Eindämmung der Sukzession, Verlandung und Eutrophierung müssen umgesetzt werden. Nur so können die Kleingewässer und damit die Lebensbedingungen für die gewässertypische seltene bzw. gefährdete Flora und Fauna erhalten werden.
