

Eine wichtige Aufgabe unserer Stiftung ist die Sicherung bzw. die Herstellung von Nahrungsflächen für den Weißstorch und vielen anderen Tieren und Pflanzen.
Deshalb bemühen wir uns sehr intensiv darum entsprechende Flächen zu bekommen um unsere Ziele langfristig zu sichern. Im Herbst 2016 war es schließlich soweit. Wir konnten eine 6.000 qm große Parzelle in der Isselniederung im Kreis Wesel erwerben. Zahlreiche Spenden, die Förderung der Bezirksregierung Düsseldorf und die größzügige Unterstützung der Stöckmann-Stiftung ermöglichten es uns diese Fläche zu erwerben. Im darauffolgenden Frühjahr wurde diese zuvor intensivst genutzte Parzelle entsprechend bearbeitet und mit regionalem Saatgut der Fa. Rieger-Hofmann eingesät.

Schon im Spätsommer blühten zahlreiche Blumen die bereits viele Insekten, vor allem Schwebfliegen, Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen anlockten. In den nächsten Jahren werden wir diese Fläche zu einer am Niederrhein ehemals typischen Flachlandmähwiese entwickeln. Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Landwirtschaft ist uns deshalb sehr wichtig.
Bereits im Herbst 2017 bestand die Möglichkeit, direkt angrenzend an der bereits erworbenen Fläche, diese um weitere 13.000 qm zu vergrößern. Und wieder unterstützten uns viele Spender, die Bezirksregierung Düsseldorf, die Stöckmann-Stiftung und in diesem Jahr auch die HIT-Stiftung beim Erwerb dieses Grundstücks. Auch diese Fläche wird ab Frühjahr 2019 in eine Flachlandmähwiese entwickelt. Damit steht in den nächsten Jahren eine knapp 20.000 qm große Wiese vielen Insekten und den Weißstörchen als Nahrungsfläche zur Verfügung.


Gerade jetzt, in einer Zeit in der das Insektensterben so dramatische Ausmaße annimmt, versuchen wir gegenzusteuern. Während viel vom Insektensterben geredet wird, handeln wir!
Helfen Sie uns durch eine Spende, damit wir weiterhin aktiv bleiben können!


Die Geländearbeiten wurden in enger Abstimmung zwischen den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. und Herr Professor Dr. habil. Gerhard Breitschuh (Belanu) durchgeführt.
Wir haben vor Ort die Bewertung der Habitattypen und ihrer Strukturen vorgenommen, diskutiert und als Ergebnis vorgelegt.
(Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT)
Thymianweg 25, 07745 Jena)

Im Verfahren zur Analyse und Bewertung der Umweltverträglichkeit landwirtschaftlicher Betriebe (KUL) erfolgt die Erfassung und Bewertung der ökologischen und landeskulturellen Situation in Agrarräumen über den quantitativen Nachweis der Flächenanteile von naturnahen Biotopen (Ökologisch, landeskulturelle Vorrangflächen, ÖLV). Unter Nutzung bundesweit vorliegender Gemeindelisten des Julius-Kühn-Instituts mit Soll und Ist-Werten zu Kleinstrukturelementen wird eingeschätzt, ob die Gemeinden und die landwirtschaftlichen Betriebe über eine hohe bis noch tolerable bzw. über eine zu geringe Ausstattung mit Kleinstrukturelementen verfügen.
Für ausgewählte Projektregionen wurde ein methodischer Ansatz zur Bewertung der Ökologischen Qualität von ÖLV entwickelt, um vertiefende Untersuchungen zur Agrobiodiversität durchzuführen. Die quantitative Felderhebung der ÖLV-Anteile beruht auf den für die Agrarförderung vorliegenden INVEKOS-Feldblockdaten. Die Feldblockkarten enthalten jedoch nur die ÖLV, die im Rahmen des INVEKOS den Status eines Feldblocks erhalten haben. In den drei Projektregionen handelt es sich dabei um 30 bis 67 % der tatsächlich ermittelten ÖLV. In den Projektregionen wurden alle ÖLV ohne Feldblocknummer zusätzlich erfasst. So wünschenswert die Erfassung und Bewertung sämtlicher landwirtschaftliche genutzten Flächen und der ÖLV wäre, der dafür erforderliche Aufwand übersteigt den Rahmen der mit KUL praktizierten Analyse und Bewertung der betrieblichen Umweltverträglichkeit.

Die qualitative Beurteilung der Landschaftselemente mittels der Ökologischen Qualität (ÖQ) zeigt in den Projektregionen eine Normalverteilung der ÖQ-Noten für die ÖLV mit der Tendenz der Höherbewertung der Gesamtheit der ÖLV.
Somit werden folgende Konsequenzen gezogen:


Der „Verein zur Erhaltung bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume e.V.“ (VEbTiL) in Tübingen ist ein kleiner, gemeinnütziger Naturschutz-Verein, welcher sich im Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg) für die Wiederherstellung, den Erhalt und die Förderung wertvoller Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten einsetzt (www.vebtil.de).

Viele der vom VEbTiL bewirtschafteten und gepflegten Flächen sind Obstbaumwiesen. Wo es sinnvoll ist, pflanzt der Verein hochstämmige Bäume alter, regionaltypischer Sorten nach und verwertet das Obst als sortenreine Säfte und Edelbrände.
Streuobstwiesen sind wertvolle Biotope und Lebensräume geschützter Arten. In Baden-Württemberg ist die Anzahl von Streuobstbäumen in den letzten 50 Jahren um etwa 60 % zurückgegangen. Mit dem Rückgang verschwinden alte, regionaltypische Obstsorten, welche häufig nur noch in Form weniger oder einzelner überalterter Baumrelikte anzutreffen und daher in ihrem Fortbestand akut bedroht sind.

Im Jahr 2015/16 hat die Stöckmann-Stiftung den Erwerb einer 3720 qm großen Wiese bei Reusten ermöglicht. Die bislang intensiv genutzte Wiese in der Nähe des Naturschutzgebiets „Kochhartgraben und Ammertalhänge“ stand zum Verkauf; viele Obstbäume im umgebenden Gebiet waren in den letzten Jahrzehnten verschwunden bzw. die Wiesen in Äcker umgewandelt worden.
Die neu erworbene Wiese wird seit dem Erwerb wieder extensiv bewirtschaftet (als „Heuwiese“ mit ein- bis zweischüriger Mahd und/oder Beweidung, je nach Witterung – ohne Düngung). Zudem wurden 5 hochstämmige Birnbäume mit alten Sorten gepflanzt. Allerdings wird es noch mindestens 15 bis 20 Jahre dauern bis die Bäume nennenswerte Erträge liefern.
Durch den von der Stöckmann-Stiftung geförderten Grunderwerb kann die Anlage der Streuobstwiese und die künftige extensive Nutzung überhaupt erst dauerhaft gesichert werden, denn nur das Eigentum an der Fläche sichert die konsequente Nutzung im Sinne des Natur- und Artenschutzes ohne Wenn und Aber.

Nicht nur eine zu intensive Nutzung entwertet Flächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen – auch ein kompletter Verzicht auf Eingriffe kann sich nachteilig auf die Natur auswirken. Dieses Problem stellte sich auch auf dem sogenannten Trichtergelände, einem Offenlandbereich unmittelbar angrenzend an die Dünentäler der Insel.

Um die Verbuschung dort zu stoppen und die inseltypischen Offenlandbereiche zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern, wurde auf Basis eines vom Mellumrat erstellten Pflegekonzepts bereits in einem ebenfalls von der Stöckmann-Stiftung geförderten Vorgängerprojekt zwischen November 2014 und März 2017 eine etwa drei Hektar große mit Büschen und Bäumen dicht bewachsene Fläche gerodet, die sich unmittelbar angrenzend zu einem Wiesenvogelbrutgebiet befindet. Ziel des Projekts „Erweiterung und Optimierung des Bruthabitats von Wiesenvögeln im Ostinnengroden der Insel Wangerooge - Biotopmanagement im Trichtergelände“ war es, inseltypische Brutlebensräume für Wiesenvögel wiederherzustellen und zu verbessern.

Im Nachfolgeprojekt „Überarbeitung des Maßnahmegebietes Trichtergelände auf Wangerooge“ ging es darum, diesen neu geschaffenen Lebensraum durch weitere Maßnahmen zu sichern und zu optimieren. Konkrete Maßnahmen umfassten das mehrmalige Mulchen des Geländes zu unterschiedlichen Jahreszeiten, das spätsommerliche Mähen, die Entfernung von Wurzeln und Baumstubben und den Rückschnitt von Gebüschen und Holzresten.

Durch diese Arbeiten ist das Maßnahmegebiet nun vollständig von Gebüschen und höherem Bewuchs befreit. Auf etwa der Hälfte der Fläche hat sich bereits eine stand- orttypische Grasvegetation eingestellt. Es ist eine Tendenz zu einer arten- und strukturreichen Feuchtwiese erkennbar. Besonders im Winterhalbjahr wird das Gelände von zahlreichen Vogelarten als Nahrungs- und Rastplatz genutzt. Brutansiedlungen, insbesondere von Wiesenvögeln, wurden noch nicht festgestellt, sind aber zu erwarten.
In den zahlreichen Tümpeln konnte die erfolgreiche Reproduktion von Kreuzkröten nachgewiesen werden. Auch der Grasfrosch wurde im Gelände nachgewiesen. In Zukunft soll die Fläche durch Beweidung freigehalten werden.

Einleitung
Das landschaftlich vielfältige Gebiet um den Winderatter See südöstlich von Flensburg liegt im Naturraum des Ostholsteinischen Hügellandes. Das Untersuchungsgebiet wird von der Kielstau durchflossen, die mit ihrem Wassereinzugsgebiet weite Bereiche prägt. Vor 27 Jahren konnten der See und viele der ihn umgebenden Flächen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein erworben werden. Seither wird mit Hilfe einer extensiven Rinderbeweidung die Entwicklung einer Halboffenen Weidelandschaft gefördert. Kleinflächig werden weitere Pflegemaßnahmen durchgeführt, um besonders naturschutzfachlich wertvolle Bereiche zu entwickeln. Ein kleiner Teilbereich im Osten des Gebietes wird zudem ausschließlich von einer Wanderschafherde aufgesucht.
Die Betreuung des Gebietes wird vom Förderverein für Natur und Umwelt „Winderatter See – Kielstau“ seit vielen Jahren übernommen. Der Verein fördert die wissenschaftliche Beobachtung der Gebietsentwicklung inklusive faunistischer und floristischer Bestandsaufnahmen, um Rückschlüsse auf die Effektivität der durchgeführten Pflegemaßnahmen, der Gebietsentwicklung und die ökologischen Ansprüche besonders schützenswerter Arten zu bekommen. Der vorliegende Bericht soll hierzu einen weiteren Beitrag hinsichtlich der bislang unerforschten Großschmetterlingsfauna des Gebietes leisten.

Ergebnisse und Bewertung
Bei der 2016 erfolgten Kartierung konnten 296 Großschmetterlingsarten nachgewiesen werden. Darunter befinden sich eine stark gefährdete Art sowie vier gefährdete Arten der Roten Liste Schleswig-Holsteins. Außerdem stehen 9 der festgestellten Arten auf der Vorwarnliste.
Bundesweit ist die in Schleswig-Holstein als ungefährdet geltende Teichröhricht-Schilfeule (Globia algae) als stark gefährdet eingestuft. Der Zahntrost-Kapselspanner (Perizoma bifaciata) wird zudem als gefährdet geführt. Zwei weitere Arten stehen auf der Vorwarnliste Deutschlands (vgl. Tabelle).
Nur wenige der nachgewiesenen Großschmetterlingsarten sind in Schleswig-Holstein in ihrem Bestand bedroht. Zu den wertvollsten Lebensräumen zählt trotz der geringen Größe vor allem die orchideenreiche Niedermoorwiese, die noch eine Reihe spezialisierter Arten, wie die Sumpfgras-Spannereule (Macrochilo cribrumalis), aufweist. In allen weiteren Lebensräumen sind nur einzelne seltene Arten zu finden, was sich vermutlich aus der Nutzungshistorie des Untersuchungsgebietes erklärt. Die inzwischen entwickelte Weidelandschaft mit den angrenzenden Wäldern ist aus vormaliger intensiver land- und forstwirtschaftlicher Nutzung hervorgegangen, deren Spuren noch vielerorts im Gebiet zu erkennen sind. Einhergehend mit dieser Phase der intensiveren Nutzung der Flächen sind vermutlich die spezialisierten und anspruchsvollen Schmetterlingsarten verdrängt worden.



Auch eine Wiederbesiedlung nun erneut geeigneter Strukturen ist aus der umgebenden stark anthropogen überformten Landschaft für viele Arten sicherlich schwierig bis unmöglich, da geeignete Quellpopulationen nicht mehr in der Umgebung vorhanden sind.
Andere Lebensräume bzw. Pflanzenbestände sind zu klein, um ausreichend große Populationen spezialisierter Schmetterlingsarten zu beherbergen. So finden sich innerhalb der Niedermoorwiese nur noch wenige Quadratmeter aus niedrigwüchsigen Beständen von Gelbseggen und Kleinem Baldrian.
Eine schleswig-holsteinische Besonderheit ist die abweichende Einstufung der Teichröhricht-Schilfeule (Globia algae) in den Roten Listen. Dieser Nachtfalter gilt bundesweit als stark gefährdet und wird in den meisten Bundesländern nur noch sehr selten gefunden. Nur in Schleswig-Holstein ist die Art noch verbreitet und lokal sogar häufig anzutreffen. Da sich die Raupen bevorzugt in Schmalblättrigem Rohrkolben entwickeln, profitiert die Art von der Anlage von flachen und gut besonnten Amphibiengewässern, wie am Winderatter See.
Die insgesamt nachgewiesene Artenvielfalt an Großschmetterlingen ist am Winderatter See trotzdem bemerkenswert hoch. Sie spiegelt die landschaftliche Vielfalt des Untersuchungsgebietes wieder, da sich hier von Wäldern über die Röhrichte bis zum Grünland unterschiedliche Lebensräume in enger kleinräumiger Verzahnung entwickeln und so zudem eine große Strukturvielfalt aufweisen. Von den 902 aus Schleswig-Holstein bekannten Großschmetterlingen konnte mit 296 am Winderatter See nachgewiesenen Arten ein Drittel der heimischen Fauna im Untersuchungsgebiet festgestellt werden.
Die Aufschlüsselung der nachgewiesenen Schmetterlingsarten anhand ihrer Lebensraumansprüche verdeutlicht eine starke Dominanz der an Gehölze und Gehölzstrukturen gebundenen Arten. In der Kategorie „Wald“ wurden hier sowohl die im Wald als auch die an solitär stehenden Bäumen, vor allem an den Eichen, lebenden Arten zusammengefasst. Von diesen wurden die an Gebüschen und Hecken sowie an Waldsäumen lebenden Arten aufgrund der abweichenden ökologischen Anpassungen als eigene Gruppe abgegrenzt. Hier sind aktuell nur 4% der Arten vertreten, doch besteht in der weiteren Ausbildung und strukturellen Ausprägung der Übergangssäume vom Wald ins Offenland noch ein hohes Entwicklungspotential.
Die Röhrichte und das Niedermoor beherbergen nicht ganz 10% der festgestellten Arten, doch sind diese zumeist Lebensraumspezialisten, die nicht auf andere Biotope ausweichen können. Der Erhalt der Röhrichte bzw. die Entwicklung der artenreichen Niedermoorwiese sollte deshalb besonders im Fokus stehen.
Im Grünland findet sich knapp ein Drittel der nachgewiesenen Schmetterlingsarten. Mit Ausnahme des Zahntrost-Kapselspanners (Perizoma bifaciata) fehlen hier trotz der naturschutzfachlich positiv zu bewertenden Rinderbeweidung weitere gefährdete Schmetterlingsarten. Die spezifischen Vegetationsgesellschaften werden auf den natürlicherweise nährstoffreichen Böden bislang noch von wenigen Pflanzenarten dominiert. (vgl. Grafik)

Management aus schmetterlingskundlicher Sicht
Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen muss die Entwicklung der Schmetterlingsfauna differenziert betrachtet werden. Da die bereits vielfältigen Lebensräume am Winderatter See aus einer Phase der intensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung hervorgegangen sind, ist der Anteil von besonders seltenen und gefährdeten Schmetterlingsarten sehr gering.
Die inzwischen eingeleitete Entwicklung der Halboffenen Weidelandschaft inklusive der angelegten Amphibienteiche sowie der im Eigentum der Stiftung Naturschutz befindlichen Waldgebiete hat bereits zu einem bemerkenswerten Artenreichtum insbesondere der Nachtfalterfauna geführt.
Der Entwicklung der besonders artenreichen Übergangszonen (Ökotone) zwischen Offenland und Wald steht die momentan durch den Gesetzgeber geforderte klare Trennung von Beweidungsflächen und Wald gegenüber, da die Zauntrassen ansprechend geführt und offengehalten werden müssen

Hier könnte zumindest in Bereichen angrenzender Stiftungswälder eine Versetzung der Zauntrasse um 10 bis 15 Meter in den Wald hinein angedacht werden, um eine natürliche Entwicklung solcher Übergangsbereiche zu fördern. Ohne Beweidung würden solche beispielsweise ins Offenland gelegte Zonen ansonsten schnell wieder aufwachsen und verschwinden.
Dr. Detlef Kolligs (Projektleitung)
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Auftraggeber:
Winderatter See – Kielstau e.V.
Förderverein für Natur und Umwelt,
vertreten durch Herrn Prof. W. Janßen,
Osterdorf 2, 24975 Ausacker
Auftragnehmer:
Büro Michael Neumann
Schillstraße 1
24118 Kiel
Veranlassung
Im Rahmen des Operativen WRRL-Fischmonitorings 2015 wurde im Auftrag des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holsteins unter anderen drei Messstellen in der Kielstau sowie eine Messstelle im Winderatter See befischt. Hintergrund war, neben der Bewertung des ökologischen Zustandes der Kielstau gemäß WRRL, die Suche nach der in der FFH-Richtlinie gelisteten Anhang-II Art Steinbeißer im Winderatter See, dessen letzter Nachweis aus dem Jahr 2003 datiert.Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen wurden vom Verein „Winderatter See-Kielstau e.V.“, vertreten durch Herrn Prof. W. JANßEN, weitere Untersuchungen bzw. Auswertungen beauftragt. Diese umfassten zwei Nebengewässer der Kielstau (Moorau, Dammender Graben) sowie die Bewertung der Fischzönose des Winderatter Sees mit dem WRRL-Bewertungstool SITE.



Untersuchungsraum
Der Untersuchungsraum umfasste die Kielstau oberhalb der Querung der Kreisstraße 50 sowie die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben oberhalb der Ortschaft Ausacker sowie den Winderatter See (vergleiche nachfolgende Abbildung).
Kielstau und Nebengewässer
Die Kielstau und auch die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben sind begradigte und mit einem Regelprofil versehende Gewässerläufe. Gemäß WRRL werden sie als HMWB (heavily modified water bodies) eingestuft. Sie gehören dem Gewässertyp 16 (kiesgeprägter Bach) sowie der Fischzone Epirhithral bzw. Hyporhithral (Kielstau bei Ausacker) an.

Winderatter See
Der Winderatter See gehört mit einer Gesamtgröße von 23,4 ha zu den kleineren Seen in Schleswig-Holstein. Er liegt im Kreis Schleswig-Flensburg. Der See wurde als Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“ an die EU gemeldet und dem LRT 3150 „Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamion oder Hydrocharition“ zugeordnet. Mit einer mittleren Tiefe von 1,23 m und einer max. Tiefe von 2,20 m ist der See flach und bildet keine stabile Schichtung aus. Die FFH-Bewertung des Lebensraumtyps ergab in allen Punkten ein „C“ (mittel-schlechter Erhaltungszustand), da u.a. Unterwasserpflanzen komplett fehlen (aus GFN et al. 2012).
Das LANU (2001) vergibt für den ebenfalls See, aufgrund seines trophischen Zustandes (hypertroph) ein „schlecht“. Im Referenzzustand wäre der See gemäß LANU „polytroph“.
Methodik
Erfassung der Fischfauna
Die Erfassung der Fischfauna erfolgte mittels Elektrofischerei. In der Kielstau und deren Nebengewässern wurde watend mit einem tragbaren Elektrofischfangerät des Typs EFGI 650 gegen die Strömung gefischt. Befischt wurden insgesamt drei Teilstrecken im Oberlauf der Kielstau, zwei unterhalb des Winderatter Sees und eine im Quellgebiet oberhalb des Sees. Zusätzlich erfolgte eine Befischung in zwei Nebengewässern und zwar in der Moorau sowie im Dammender Graben.
Die Befischung des Winderatter Sees erfolgte vom Boot aus. Eingesetzt wurde ein 8 KW Gleichstromgenerator der Firma EFKO (FEG 8000), mit zwei Fanganoden.
Bewertung Fischfauna
fiBS-Bewertung Fließgewässer Die Bewertung der Fischdaten aus der Kielstau und ihren Nebengewässern erfolgte mit dem WRRL-Bewertungstool fiBS (fischbasiertes Bewertungssystem) gemäß den Anleitungen in Dußling 2009 und mit dem aktuellen Tool in der Version 8.1.1 vom 17.10.2014 (Dußling 2014).
Die für eine Bewertung gemäß fiBS erforderlichen Fischreferenzen stellte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein zur Verfügung (Brunke 2014)
Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees Als Bewertungstool sollte das von Brämick & Ritterbusch (2010) veröffentlichte sogenannte SITE-Verfahren (Modul 1) zum Einsatz kommen. Dieses Verfahren ist jedoch mit der Veröffentlichung einer Aktualisierung aus dem Jahr 2015 (Ritterbusch & Brämick 2015) nur noch für Großseen und alpine Seen anwendbar. Kleinere Seen und Seen des norddeutschen Tieflandes müssen jetzt mit dem sogenannten TYPE-Verfahren bewertet werden. Dieses Verfahren setzt jedoch eine aufwendige Datenerhebung voraus. So müssen aktuelle Fischdaten mit einem standardisierten Multimesh-Netz-Monitoring erfasst werden und auch die Datenauswertungen gestalten sich entsprechend umfangreich und aufwendig.
Solche Daten liegen für den Winderatter See definitiv nicht vor und wurden auch aktuell nicht erhoben. Prinzipiell ist demzufolge eine Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees mit einem aktuellen Bewertungstool nicht möglich. Da zum Untersuchungszeitpunkt diese gravierende Einschränkung des Bewertungstools SITE noch nicht bekannt war, wurde eine Bewertung mit dem „alten“ Site-Tool durchgeführt, um zumindest einen Überblick bezüglich historischem und aktuellem Artenspektrum und deren Abundanzen zu schaffen.
FFH-Bewertung Sowohl der untersuchte Kielstau-Abschnitt, als auch der Winderatter See sind Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“.
Für das Gebiet sind mehrere Fisch- und Rundmaularten des Anhangs-II der FFH-Richtlinie gemeldet, u.a. auch der Steinbeißer. Ein Nachweis des Steinbeißers im Gebiet der oberen Kielstau lag bislang nur als Einzelfund [2003] aus dem Winderatter See vor (Hartmann & Spratte 2006).
Im Rahmen des vorliegenden Berichtes erfolgt eine kurze Bewertung des Erhaltungszustandes der lokalen Population im Untersuchungsraum, gemäß Schnitter & Schütz 2006 bzw. BfN 2015. Allerdings ist das Bewertungsschema vor allem auf Fließgewässer zugeschnitten, so dass bei der Bewertung einer „Seepopulation“ nicht alle Kriterien (z.B. Gewässerunterhaltung) bewertet werden können.
Ergebnisse
Kielstau und Nebengewässer
Die Befischungen in der Kielstau und deren Nebengewässern erbrachten ein Artenspektrum von insgesamt acht Fischarten (vergleiche Tabelle 1).

Winderatter See
Primäres Ziel der Befischung im Winderatter See war der Nachweis der FFH-Anhang-II Art Steinbeißer sowie von Kleinfischarten bzw. Jungfischen der Cypriniden (Reproduktionsnachweise).
Die Befischung im ufernahen Bereich ergab den Fang von insgesamt neun Arten, darunter war auch der Steinbeißer, mit drei Exemplaren (Totallänge: 7, 8 und 11 cm). Den Fang dominierten die Arten Flussbarsch, Gründling, Aal und Kaulbarsch (zusammen 91,8% Fanganteil) (Tabelle 2). Auffällig war das Fehlen von Cypriniden, namentlich Brassen, Rotfeder und Plötze, von denen zumindest Jungfische mittels Elektrofischerei im Uferbereich hätten fangbar sein müssen.

Bewertung
Kielstau
Die Kielstau, als auch deren Nebenbäche sind hinsichtlich der Fischfauna gemäß WRRL in einem ökologischen schlechten Zustand, da die Fischzönose individuen- und auch artenarm ist und vor allem typspezifische Arten eines kiesgeprägten Fließgewässers (wie z.B. die Bachforelle) im Bestand fehlen. Die Ursachen für den schlechten Zustand der Fischzönose sind hinlänglich bekannt, d.h. sie sind in erster Linie in der Degradation der Gewässermorphologie und vermutlich auch in der zumindest zeitweise schlechten Wasserqualität (Oberlauf) zu suchen.
Winderatter See
Die Bewertung der Fischfauna des Winderatter See gemäß WRRL gestaltete sich schwieriger. Hintergrund ist die im Jahr 2015 aktualisierte Fassung des WRRL-Bewertungstools für Seen. Die aktuelle Fassung sieht eine intensive Probennahme mit Stellnetzen vor. Eine solche Probennahme war im Rahmen der Untersuchung nicht vorgesehen. Die Bewertung erfolgte deshalb mit einer alten Variante des Bewertungssystems. Die Auswertung der Daten erbrachte neben einer aktualisierten Liste der vorkommenden Arten (historisch und aktuell, vergleiche nachfolgende Tabelle) auch die fachgutachterliche Bewertung „unbefriedigender ökologischer Zustand“.
Der aktuell nachgewiesene und recherchierte Artenbestand ist typisch für ein hypertrophen See. Aus fischbiologischer Sicht existieren derzeit vor allem Defizite hinsichtlich der Reproduktionsmöglichkeit für phytophile Fischarten (Hecht, Schleie) (Vergleich Tabelle 3).
Die Bewertung der Steinbeißerpopulation des Sees gemäß FFH-RL ergab den Erhaltungszustand mittel-schlecht (C), da die Population offensichtlich sehr individuenarm ist und der Nachweis von juvenilen Individuen nicht gelang.

Maßnahmen
Kielstau
Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes bzgl. der Fischfauna werden im Managementplan für die Kielstau (MELUR 2013) dargelegt. Diese betreffen vor allem die Minderung der Schadstoffeinträge, die Optimierung von Habitatstrukturen, die schonende Ausführung von Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und die Anlage von Uferrandstreifen entlang des Gewässers.
Befischungsergebnisse aus Gewässersträngen unterhalb des Kielstau-Systems belegen, dass prinzipiell ein gutes Wiederbesiedlungspotential mit typspezifischen Fischarten vorhanden ist.
Durch die Umsetzung von Maßnahmen, die die bekannten Defizite abmildern oder beheben, könnte sich somit auch in der Kielstau mittel- bis langfristig wieder ein gewässertypischer Fischbestand etablieren.
Winderatter See
Neben drastischen Nährstoffreduzierungen (Umland und seeintern) werden auch Umstellungen hinsichtlich des derzeitigen Fischbesatzes angeregt. Dies betrifft vor allem die Reduzierung des Aalbesatzes sowie die Einstellung des Besatzes mit gebietsfremden Arten (Graskarpfen).
Als Ziel wird die Erreichung des polytrophen Zustandes bzw. die Ausprägung eines Hecht-Schlei-Sees als umsetzbar angesehen.
Literaturverzeichnis
BfN (2015): FFH-Bewertungsschemata der Rundmäuler und Fische (inkl. Wanderfische), Stand 06/2015. Unveröffentl. Manuskript, 70S. BRÄMICK, U., RITTERBUSCH, D. (2010): Bewertungssystem für Seen anhand der Fische nach den Maßgaben der Wasserrahmenrichtlinie. Bericht des Instituts für Binnenfischerei, Potsdam-Sarcow, 31 pp.
BRUNKE, M. (2014): Fisch-Referenzzönosen für schleswig-holsteinische Fließgewässertypen (-regionen), Landesamt für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein.
DUßLING, U. (2009): Handbuch zu fiBS. Schriftenreihe des Verbandes Deutscher Fischereiverwaltungsbeamter und Fischereiwissenschaftler e.V., Heft 15
DUßLING, U. (2014): fiBS 8.1.1 Softwareanwendung zum Bewertungsverfahren aus dem Verbundprojekt zur Entwicklung eines Bewertungsschemas zur ökologischen Klassifizierung von Fließgewässern anhand der Fischfauna gemäß
EU-WRRL. Download von der Website WWW.LVVG.BWL.DE/FFS
GFN, GETTNER & HEINZEL (2012): Monitoring der Qualitätskomponente Makrophyten für WRRL und FFH-RL in schleswig-holsteinischen Seen. Bericht im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein.
HARTMANN, U. & S. SPRATTE (2006): Süßwasserfische, zehnfüßige Krebse und Großmuscheln in Schleswig-Holstein. Seen-Fischarten-Kataster Schleswig-Holstein. Hrsg.: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein, 173 S.
LANU (2001): Seenkurzbericht 1998 -http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/wafis/seen/Berichte_Gutachten/Seenberichte_LANU/LANU_B50_Seenkurzprogramm_1998.pdf
LLUR (2014): Ökologische Zustandsbewertung der größeren Seen in Schleswig-Holstein nach EG-WRRL Wasserrahmenrichtlinie.
http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/S/seen/Downloads/ZustandSeenSH.pdf
MELUR (2013): Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE 1322-391 „Treene Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“. Teilgebiet Winderatter See und Kielstau. Stand Mai 2013
RITTERBUSCH, D. (2010): Template for the assessment of the ecological status of lakes using their fish fauna - preliminary approach under validation. Version Nr. 1.20. Institute of Inland Fisheries, Potsdam (Germany)
RITTERBUSCH, D.& BRÄMICK, U. (2015): Verfahrensvorschlag zur Bewertung des ökologischen Zustandes von Seen anhand der Fische. Schriften des Instituts für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow, Band 41
SCHNITTER, P. EICHEN, C., ELLWANGER, G, NEUKIRCHEN, M & E. SCHRÖDER (Bearb.) (2006): Empfehlungen für die Erfassung und Bewertung von Arten als Basis für das Monitoring nach Artikel 11 und 17 der FFH-Richtlinie in Deutschland. Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (Halle), Sonderheft 2.
Dr. Michael Neumann (Projektleitung)
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Durch Vermittlung des Gebietsreferenten Prof. Willfried Janssen
finanzierte die Stöckmann-Stiftung eine vollständige Brutvogelerfassung
im Stiftungsland Winderatter See.
Solche Brutvogelerfassungen erfolgen methodisch als Revierkartierung: Jedes Vogelvorkommen wird in der Brutzeit auf einer Tageskarte festgehalten. Nach 9 Begehungen zwischen dem 20.03. und 16.07.2014 des gesamten Gebietes wurden aus den Tageskarten Revierkarten für jede Art erstellt. Ein Revier wird angenommen, wenn konkrete Bruthin- oder Nachweise vorliegen oder Vögel mehrfach an derselben Stelle festgestellt worden sind.
Die Erfassung 2014 erbrachte Brutzeitvorkommen von 68 Vogelarten mit knapp 650 Revierpaaren, vor allem Singvögel der halboffenen Landschaft, der Röhrichte, sowie der Laubwälder. Herausragend und überregional bedeutsam sind die Bestände des Neuntöters (14 Reviere) des Sprossers (18 Reviere) und des Baumpiepers (24 Reviere). Lokale Besonderheiten stellen 5 Reviere Blaukehlchen dar sowie die Vorkommen von Rohrsängern und Schwirlen und Rohrammern. Besonders wertvoll sind die Verlandungszonen mit Röhrichten und Bruchweiden sowie die ausgedehnten sonnigen halboffenen Weideflächen. Die dort eingestreuten Kleingewässer sind nicht nur für Amphibien, sondern auch für Wasservögel wie Zwergtaucher, Reiherente und Blässhuhn wertvolle Fortpflanzungsstätten.



Die Entwicklung der halboffenen Weidelandschaft mit Gebüschkomplexen bewirkt eine erhebliche Steigerung der Vogelsiedlungsdichte und zeigt deutlich, ab welchem Bebuschungsgrad sich die verschiedenen Waldvogelarten einfinden: Erstmals wurden die Waldvogelarten Singdrossel (6 Reviere) und Buchfink (9 Reviere) in diesem Lebensraumtyp dokumentiert.
Gegenüber der ersten Erfassung im Kerngebiet 2004 hat der Brutvogelbestand auf derselben Fläche von 151 auf 234 Reviere zugenommen.
Aus dem Ergebnis dieser Erfassung wurde eine neue Infotafel erstellt.

Download der Infotafel: Brutvögel am Winderatter See
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3 Projekte:

Drei von der Stöckmann-Stiftung geförderte Projekte im FFH-Gebiet Winderatter See-Kielstau (Kreis Schleswig-Flensburg) auf dem Weg zur Ausweisung als Naturschutzgebiet
Das von dem regionalen Förderverein für Natur und Umwelt betreute Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Winderatter See-Kielstau soll zukünftig als Naturschutzgebiet ausgewíesen werden. In diesem Zusammenhang sind die folgenden, von der Stöckmann-Stiftung zur Förderung von Umwelt und Naturschutz finanzierten Projekte eine hervorragende Grundlage.
1. Brutvogelbestände am Winderatter See 2013
(Fördervolumen: 7.778,32 Euro)
Dieses Projekt wurde von Bernd Koop, Büro für Feldornithologie, Plön, nach klassischer Art der Revierkartierung in der Brutzeit von Ende März bis Mitte Juli durchgeführt. Das Artenspektrum von 68 Vogelarten mit zusammen knapp 650 Brutpaaren zeigt die naturräumliche Vielfalt der sogenannten Halboffenen Weidelandschaft, der Gewässer, Röhrichte und Laubwälder.
2. Fischbestandserfassung in der Kielstau und im Uferbereich des Winderatter Sees 2015
(Fördervolumen: 4.989,00 Euro)
Die Bewertung der von Michael Neumann, Kiel, im Rahmen des Operativen Monitoring zur Wasser-Rahmen-Richtlinie durchgeführten Bestandserfassungen der Fische zeigt sowohl für das untersuchte Fließgewässer wie für Uferbereiche des Sees relativ große Defizite auf. Es wurden gut begründete Vorschläge zur Verbesserung der Durchgängigkeit des Gesamtsystems und der Renaturierung bestimmter Habitatstrukturen dargelegt
3. Evaluierung der Schmetterlingsfauna am Winderatter See 2016
(Fördervolumen: 9.413,79 Euro)
Die mit 296 Großschmetterlingsarten nachgewiesene Anzahl an Tag- und Nachtfaltern (immerhin ein Drittel der heimischen Fauna) spiegelt die landschaftliche Vielfalt des Untersuchungsgebietes wieder, das sich hier von Wäldern über Röhrichte bis zum Grünland in kleinräumiger Verzahnung mit großer Strukturvielfalt entwickelt. Die Erhebungen wurde von Dr. Detlef Kolligs, Lepidopterologische Gutachten, Sellin, durchgeführt.
In einem vierjährigen Forschungsprojekt werden durch das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve zwischen 2015 und 2018 die Brutplatztreue sowie die Zugwege der Trauerseeschwalben am Unteren Niederrhein untersucht. Hierzu wurden 2015 zehn Trauerseeschwalben beringt und mit sogenannten Geolokatoren ausgestattet. Die Beringung dient vor allem zur Ermittlung der Brutplatztreue dieser Art. Die Geolokatoren dagegen haben eine andere Funktion. Diese kleinen, 1 g leichten Geräte zeichnen die Tageslänge in Abhängigkeit von Datum und Uhrzeit auf. Dadurch ist es möglich, die Zugwege der Trauerseeschwalben sowie ihren Aufenthaltsort im Überwinterungsgebiet zu errechnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die beringten Individuen wieder gefangen werden. Dies ist nicht sehr unwahrscheinlich, da Trauerseeschwalben zumindest teilweise im nächsten Jahr an ihren Brutplatz zurückkehren. Dies konnte unter anderem durch das im Förderbereich II beschriebene Ringmonitoring nachgewiesen werden.

Im Jahr 2016 wurden dann tatsächlich sieben der zehn im Vorjahr beringten Trauerseeschwalben wieder in den Brutkolonien am Unteren Niederrhein entdeckt. Das entspricht eine Rückkehrrate von 70% und zeigt, dass die Trauerseeschwalbe eine hohe Brutplatztreue aufweist. Von den sieben Trauerseeschwalben konnten sechs gefangen und der Geolokator abgenommen und ausgewertet werden. Hierdurch gelang es, von zwei Trauerseeschwalben die vollständige Zugroute zu erstellen. Die anderen Datensätze waren leider nur unvollständig oder fehlerhaft.
2016 wurden zudem fünf der gefangenen Trauerseeschwalbe nochmals mit neuen Geolokatoren ausgestattet und auf die Reise geschickt. Von diesen konnten 2017 drei Trauerseeschwalben in den Brutkolonien gesichtet werden. Es gelang, zwei dieser Tiere zu fangen und ihnen den Geolokator abzunehmen. Da die Geolokatoren durch Korrosion beschädigt waren, konnten leider keine vollständigen Zugrouten ermittelt werden.


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(Idendifikation von beringten Trauerseeschwalben, Abfotografieren der Beine
und Ermittlung der Beringungsnummer)
Im Jahr 2014 konnte das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve an den Brutstandorten in Praest und Millingen insgesamt sieben beringte Trauerseeschwalben feststellen. Um die Ringe identifizieren zu können, wurden diese aus einem schwimmenden Tarnunterstand abfotografiert. Diese zeitaufwendige Methode hat den Vorteil, dass die Trauerseeschwalben dadurch kaum gestört werden. Die gleiche Methode kam auch 2015 mit Förderung der Stöckmann-Stiftung zum Einsatz und wurde in den beiden Folgejahren auf ehrenamtliche Basis fortgesetzt. Auf diese Weise konnten wir bisher insgesamt 16 Ringe ablesen und sechs Rückkehrer nachweisen, von denen zwei Trauerseeschwalben bereits seit vier Jahren am selben Standort brüten - teilweise sogar auf demselben Floß wie im Vorjahr. Dies zeigt, dass zumindest ein Teil der Population eine sehr hohe Brutplatztreue aufweist. Dieses Wissen ist bedeutsam – insbesondere bei der Verfolgung des Ziels, den Lebensraum der Trauerseeschwalbe so zu verbessern, dass auf das Auslegen von Nistflößen verzichtet werden kann.




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Da der Bruterfolg der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Artenschutzprojektes ist, steht dieser in einem besonderen Forkus der Förderung durch die Stöckmann-Stiftung. Der Bruterfolg der Trauerseeschwalbe wird allgemein vor allem durch die Witterung beeinflusst. Kalte, windige Wetterperioden in Kombination mit viel Niederschlag führen bei den Küken zu einem raschen Verklammen und zum Erfrieren. Zudem sind unter solchen Bedingungen die Möglichkeiten für die erwachsenen Trauerseeschwalben Nahrung für ihren Nachwuchs zu finden, deutlich schlechter, was ebenfalls zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate unter den Küken führt. Auch können starke Winde im Zusammenspiel mit einem erhöhten Wellengang zu Verlusten bei den Gelegen führen. Der am Bienener Altrhein rückläufige Bruterfolg ließ sich jedoch nicht allein auf die Witterung zurückführen, da auch während ruhiger Witterungsphasen zahlreiche Gelege verloren gingen. Dies führte zu der Vermutung, dass Prädation ein weiterer wichtiger Faktor sein könnte, der das Brutgeschehen negativ beeinflusst.
Um die Ursachen des schlechten Bruterfolges der Trauerseeschwalbe am Unteren Niederrhein zu ermitteln, wurden zwischen 2011 und 2017 zahlreiche Nistflöße mit Hilfe von Fotofallen überwacht. Ziel der Überwachung war es, mögliche Prädatoren nachzuweisen, die den Verlust von Eiern und/oder Küken verantwortlich sind.
Mit Hilfe der Fotofallen konnten im Lauf der Jahre die Waldohreule als Prädator der Küken nachgewiesen werden. Diese nachtaktive Eule erbeutete innerhalb von wenigen Stunden mehr als ein halbes Dutzend Küken. Auch die Blässralle konnte „ertappt“ werden, als sie sich über die Gelege hermachte. Innerhalb einer Nacht zerstörte sie sieben Gelege, wobei unklar ist, ob sie die Eier nur zerstört oder auch gefressen hat. Blässrallen brüten ebenfalls egelmäßig auf den Nistflößen der Trauerseeschwalbe und sind teilweise sehr territorial. Es ist dankbar, dass sie die Eier nur zerstört hat, um ihr Revier zu verteidigen.





Eine der erstaunlichsten Entdeckungen für den Verlust von Eiern kam aber aus einer ganz anderen Ecke – hierfür waren nämlich Fische verantwortlich. Genauer gesagt, laichende Karpfen. Karpfen legen ihre Eier an Wasser- und Schwimmblattpflanzen ab, die die Nistflöße umgeben. Es ist zudem möglich, dass sie die grünen Nistflöße ebenfalls für Schwimmblattpflanzen halten. Beim Laichvorgang erzeugen die Karpfen mit ihrer Schwanzflosse, einen derartig starken Wellenschlag, dass hierdurch in früheren Jahren mit Sicherheit zahlreiche Gelege von den Nistflößen gespült wurden. Als Reaktion auf die Erkenntnis, dass Wellenschlag (wind- oder karpfenbedingt) zu hohen Gelegeverlusten führen kann, wurden alle Nistflöße mit einem so genannten Eirollschutz ausgestattet. Seit Einführung dieser Maßnahme ist der Bruterfolg der Trauerseeschwalbe nicht mehr unter die bestandserhaltende Schwelle gesunken, meist lag er sogar darüber. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig ökologische Grundlagenforschung sein kann, um konkrete Artenschutzmaßnahmen zu optimieren. Erst ein breites Wissen über eine Art, kann zu einem besseren Verständnis von Zusammenhängen und schließlich zu geeigneten Schutzmaßnahmen führen!


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Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger – Abbildung 1) ist eine kleine, dunkle Seeschwalbe (Gattung Chlidonias: Sumpfseeschwalben), die an flachen und sumpfigen Seen, Teichen und Altwässern mit reichlich vorhandenem Pflanzenbewuchs brütet. Besonders bevorzugt werden dabei Gewässer mit dichten Beständen von Krebsschere (Stratiotes aloides). Diese bultig wachsende Schwimmpflanze dient als schwimmende Insel für die Nestanlage.
Trauerseeschwalben sind Zugvögel, die an der westafrikanischen Küste überwintern und sich Anfang März auf den Weg in ihre Brutgebiete machen. Diese reichen von Südspanien über Nordwest-, Mittel- und Osteuropa bis weit nach Russland.
In Nordrhein-Westfalen ist die Trauerseeschwalbe vom Aussterben bedroht und brütet aktuell nur am Niederrhein im Naturschutzgebiet „Bienener Altrhein, Millinger Meer und Hurler Meer“ und seit 2012 auch im Naturschutzgebiet „Altrhein Reeser Eyland“. Der gesamte Bestand brütet aber nicht mehr auf Wasserpflanzen, sondern ist abhängig von einem Artenschutzprojekt des Naturschutzzentrums im Kreis Kleve, bei dem auf geeigneten Gewässern (flache Altwässer des Rheins) künstliche Nisthilfen (Nistflöße) ausgebracht werden (siehe Abbildung 2)

Wichtigster Faktor für den Erfolg des Artenschutzprojektes ist der Bruterfolg. Dieser ging von 2003 bis 2010 kontinuierlich zurück und erreichte in diesen Jahren nicht mehr den bestandserhaltenden Wert von 0,85 Jungvögeln pro Brutpaar. Ursache für den schlechten Bruterfolg waren hohe Gelegeverluste sowie Verluste an Küken und Jungvögeln, die auf Prädation hindeuteten.
Um dieser Frage nachzugehen, wurde zwischen 2011 und 2017 die Überwachung von Nistflößen der Trauerseeschwalbe mit Hilfe von Fotofallen durch die Stöckmann-Stiftung gefördert (siehe Förderbereich I).
In den Jahren 2015 bis 2018 wurden zudem zusätzliche Forschungsarbeiten zur Brutplatztreue und zu den Zugwegen der Trauerseeschwalben am Unteren Niederrhein gefördert (Förderbereiche II und III), die Grundlagendaten liefern, welche es ermöglichen die Ökologie dieser lokalen und gefährdeten Population besser verstehen zu können. Langfristig können diese Daten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Ziel zu erreichen, die Trauerseeschwalbe ohne das Auslegen von künstlichen Nisthilfen am Niederrhein zu erhalten.