Faunistische Untersuchungen von Säumen und Blühstreifen im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“

Faunistische Untersuchungen von
Säumen und Blühstreifen im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“

Eine Grundlagenstudie zum nachhaltigen Schutz
der heimischen Vogelwelt

Beispielhafte Darstellung des Versuchsdesigns mit Schonstreifen und Vergleichstransekt auf derselben Fläche (Foto li.). Tagfalter sind aufgrund des Nektarangebotes immer an blühende Pflanzen gebunden. Deshalb kommen sie im intensiv bewirtschafteten Grünland mit wenigen Wiesenkräutern kaum vor. Der positive Effekt der Schonstreifen konnte folglich im Extensivgrünland anhand der Tagfalter deutlicher nachgewiesen werden. Das großes Ochsenauge bevorzugt violette Blüten, wie hier die Wiesen-Flockenblume (Foto re.)

Die meisten Grünlandflächen im Kreis Kleve werden intensiv bewirtschaftet und dabei überwiegend zeitgleich sowie großflächig gemäht. Bearbeitungsschritte wie Schleppen, Walzen und Mähen zerstören den Lebensraum der Kleintierfauna und finden während der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten statt. Säume und Blühstreifen können als Rückzugsort und Nahrungshabitat dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten. Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. hat von 2018 bis 2020 im Nordkreis Kleve Säume im Grünland und Blühstreifen und Brachen in Ackerflächen auf das Vorkommen ausgewählter Tierarten untersucht. Ziel des Projektes war, einen genaueren Wissensstand über die ökologische Bedeutung von Schonstreifen, Säumen und Blühstreifen zu erlangen, um die Anlage und Pflege naturschutzfachlich weiter zu optimieren. In den Grünlandsäumen wurden Feldhasen, Tagfalter, Heuschrecken, Gehäuseschnecken und andere Insekten erfasst. Auf den Ackerflächen wurden Feldhasen, Rebhuhn, Heuschrecken, Tagfalter und andere Insekten untersucht.

Die Untersuchungen im Grünland konnten deutlich zeigen, dass bei der Mahd innerhalb der bewirtschafteten Fläche Schonstreifen – also Flächen, die nicht gemäht wurden - sowohl im Extensiv- als auch im Intensivgrünland von großer Bedeutung für viele Tiergruppen sind.

Sie dienen zum einen als Refugium nach der Mahd, von dem aus die Wiederbesiedlung der Flächen stattfindet. Zum anderen bleiben durch die Schonstreifen Nahrungshabitate erhalten und ermöglichen eine Vernetzung der Biotope in der Landschaft. Wenn sie lange genug stehen bleiben, dienen sie auch als Reproduktionsraum für viele Insekten. Dauerhafte Säume, die keiner Bewirtschaftung unterliegen, sind überlebenswichtige Strukturen für Arten, die nicht an eine Mahdnutzung angepasst sind, wie beispielsweise Schnecken. Sie sind ebenso unverzichtbar für andere Grünlandarten als Nahrungs-, Rückzugs-, Reproduktions- und Entwicklungsraum.

Von Blüh- und Brachestreifen in Ackerflächen profitieren alle Tierartengruppen. Von den einjährigen Blühstreifen profitieren vor allem die flugfähigen, blütenbesuchenden Insekten. Das ist in dem hohen Blütenreichtum begründet, der jedoch nur von kurzer Dauer ist.

Einjähriger Blühstreifen mit Blühaspekt von Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia) und Ringelblume (Calendula officinalis) am 18.7.2019 (Foto li.) und Mehrjähriger Blühstreifen mit Dominanz von Gelbem Steinklee (Melilotus officinalis), aufgenommen am 4.7.2019. (Foto re.)

Von Blüh- und Brachestreifen in Ackerflächen profitieren alle Tierartengruppen. Von den einjährigen Blühstreifen profitieren vor allem die flugfähigen, blütenbesuchenden Insekten. Das ist in dem hohen Blütenreichtum begründet, der jedoch nur von kurzer Dauer ist. Einjährige Streifen bieten darüber hinaus keine Reproduktionsmöglichkeiten für Insekten. Mehrjährige Blühstreifen und Brachen haben in der Regel einen weniger intensiven Blühaspekt, der aber von längerer Dauer ist. Mehrjährige Blühstreifen sind deshalb für blütenbesuchende Insekten am attraktivsten. Aber auch für weniger mobile Arten und zur Fortpflanzung sind mehrjährige Blühstreifen und Brachen von großer Bedeutung. Sie erfüllen ähnlich wie die permanenten und überjährigen Säume im Grünland zusätzliche Funktionen für die Überwinterung, Reproduktion und Entwicklung von verschiedenen Tiergruppen.

Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern

Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Die Wiederholung einer Untersuchung zur Insektenvielfalt in landwirtschaftlich genutzten Flächen im Münsterland zeigt den Insektenschwund über die vergangenen beiden Jahrzehnte auf.

Vergleichsuntersuchungen im selben Gebiet und unter identischen Bedingungen sind besonders wertvoll, um ökologische Veränderungen zu analysieren. Allerdings fehlen oft Daten aus der Vergangenheit. Liegen diese aber vor, bietet sich durch Wiederholungsuntersuchungen eine Chance, die Entwicklung der Artenvielfalt präzise zu beschreiben und damit eine Grundlage für Lösungsansätze zu liefern. Das ist auch das Ziel des Projekts „Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland“.

Aus einem Ackerbaugebiet im Kreis Steinfurt liegen von sieben Ackerflächen genaue Untersuchungsergebnisse zur Insektenfauna aus dem Jahr 1999 vor. Im Rahmen des Projekts wurden nun im Jahr 2019 die Untersuchung auf vieren dieser Flächen unter exakt gleichen Bedingungen 20 Jahre später wiederholt.

Die Ergebnisse der Untersuchung an Laubkäfern weisen einen deutlichen Verlust an Artenvielfalt, aber auch an Insektenmasse nach: In den Bodenfallen wurden vor 20 Jahren noch 69 Laufkäferarten mit 23.782 Individuen gefangen, während es im Jahr 2019 nur noch 63 Arten mit 9.061 Individuen waren.

Die Abnahme wurde auf allen vier Probeflächen festgestellt. Der Rückgang war auf konventionell bewirtschafteten Flächen deutlich stärker als auf einer ökologischen. Allerdings waren Individuen- und Artenzahl der Laufkäfer in allen Fällen in 2019 geringer als 1999.

Clivina fossor – Loricera pilicornis – Pterostichus longicollis

Durch den direkten Vergleich mit der Biodiversitätssituation von vor 20 Jahren auf den exakt gleichen Flächen können den Landwirten hochrelevante und für ihren Betrieb spezifische Daten zur Verfügung gestellt werden. Dies kann eine besondere Motivation darstellen, auf diesen Flächen (und darüber hinaus) insektenfreundliche Maßnahmen einzuleiten. Die Untersuchung soll auch einen Beitrag dazu leisten, die Konsequenzen und Mechanismen des langfristigen Rückgangs von Insekten und Wildpflanzen in der Agrarlandschaft zu bewerten, unter anderem mit Blick auf ihre Bedeutung als Nahrungsgrundlage für Vögel. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zum Biodiversitätsschutz, über die Untersuchungsregion hinaus.

Poster: Evidenz für Artensterben. (Zum Download Bild anklicken)

Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Langfristige Rückgänge in der Artenvielfalt und Populationsdichte wurden über die letzten Jahrzehnte für verschiedene Insektengruppen in etlichen Studien weltweit und in verschiedenen Ökosystemen dokumentiert. Für die Gruppe der Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) ist insbesondre auf Ackerflächen derzeit jedoch unklar, ob und falls ja, in welcher Größenordnung eine solche dramatische Abnahme ebenfalls zu verzeichnen ist. Als Komponente der agrarischen Biodiversität spielen Laufkäfer eine wichtige Rolle in Agrarökosystemen, u.a. in der Regulation von Schädlingen. Insofern ist der Schutz dieser Gruppe von besonderer Bedeutung. Im Jahr 1999 wurden im Sandmünsterland sieben Ackerflächen mit unterschiedlicher Bewirtschaftung auf die Artenzusammensetzung der Laufkäfergemeinschaften mittels Bodenfallen untersucht. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Erfassung im Jahr 2019 mit gleichen Methoden auf vier der vormals untersuchten Flächen wiederholt, um so Änderungen in der Artenzusammensetzung, Aktivitätsdichte und Artenzahl der Laufkäfer zu dokumentieren.

Um solche Änderungen in Beziehung zu jährlichen Schwankungen zu setzen, die natürlich, d.h. ohne einen unterliegenden Trend, auftreten, wurde ein weiterer Datensatz zur Analyse herangezogen, welcher Laufkäferfänge mittels Bodenfallen aus den Jahren 1983 und 1986 auf Ackerflächen in Düren umfasst. Die Ergebnisse der Fangdaten zeigen eine deutlich geringere Aktivitätsdichte vieler Carabidenarten in 2019 als in 1999 (9061 gegenüber 23782 Individuen). Unterschiede zwischen den beiden Jahren hinsichtlich der Artenzahl waren jedoch weniger deutlich (69 Arten in 1999 im Vergleich zu 63 Arten in 2019). Von 47 Arten, die auf mindestens drei Äckern auftraten, zeigten 19 einen signifikant negativen Trend zwischen den beiden Jahren. Im Vergleich dazu war in der Benchmarking-Studie aus den 1980ern nur für eine von 19 Carabidenarten ein signifikant negativer Unterschied zwischen den Untersuchungsjahren zu verzeichnen. Damit deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der für andere Insektengruppen dokumentierte Rückgang auch für Carabidenzönosen auf Ackerland auftritt. Maßnahmen zu deren Schutz werden daher zunehmend dringlich.

Müll vermeiden – Wanderausstellung

Müll vermeiden – Meere schützen Wanderausstellung

Das Projekt wurde gemeinsam von der Stöckmann-Stiftung und
der Niedersächsischen WattenmeerStiftung gefördert.

Müll im Meer und am Strand gefährdet See- und Küstenvögel (Foto: CFalk / pixelio.de)

Müll im Meer ist eines der vordringlichsten Probleme unserer Zeit. Der verschwenderische Umgang mit Rohstoffen produziert gewaltige Müllberge. Dieser Müll landet zum Teil auch in die Meere – jährlich mehrere Millionen Tonnen.
Etwa 70 Prozent des Mülls sinkt ab und lagert im oder auf dem Meeresboden, während 15 Prozent an den Stränden angespült wird und weitere 15 Prozent an der Wasseroberfläche bzw. der Wassersäule verbleiben.
An den Stränden der Südlichen Nordsee ergibt sich für den Zeitraum 2001 bis 2015 eine Müllbelastung von durchschnittlich 453 Teilen je 100 Meter Strandabschnitt. Plastik hat mit um die 75 Prozent den größten Anteil am Gesamtmüll. Müll im Meer und am Strand gefährdet See- und Küstenvögel sowie andere marine Arten in erheblichem Ausmaß. Das belegen u.a. in den Schutzgebieten des Mellumrates in Netzresten, Schnüren und anderem Müll verstrickte Brut- und Gastvögel.

Inzwischen hat das Thema Meeresverschmutzung durch Müll und seine Folgen eine große Öffentlichkeit erreicht und ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Aktivitäten.
Um den Fokus dieser Problematik in der Öffentlichkeit präsent zu halten, wurde vom Mellumrat e.V. mit finanzieller Unterstützung der Stöckmann-Stiftung und der Niedersächsischen WattenmeerStiftung eine Wanderausstellung „Müll vermeiden – Meere schützen“ erstellt. Mit Original Müllteilen von der unbewohnten Insel Mellum, Präparate von Seevögeln und Schweinswal sowie Poster wird das Ausmaß des Problems „begreifbar“.
Die Ausstellung ist so angelegt, dass sie sowohl Interesse am Thema „Meeresverschmutzung durch Müll und seine Folgen“ weckt, als auch betroffen macht, und zudem zu Eigenverantwortung und Handeln - „Müll vermeiden – Meere schützen“ anregt.
Mittels eines interaktiven Bildschirmes können die Informationen zum Thema anhand von Bildern, Videoclips und Texten vertieft werden.
Die Ausstellung ist als „Wanderausstellung“ konzipiert, d.h. alle Elemente sind so beschaffen, dass sie transportabel sind und sich an unterschiedliche räumliche Gegebenheiten anpassen lassen.

Landerwerb für Störche

Erwerb von zwei Flächen im Wertherbruch (Kreis Wesel) Nahrungsflächen für den Weißstorch

Eine wichtige Aufgabe unserer Stiftung ist die Sicherung bzw. die Herstellung von Nahrungsflächen für den Weißstorch und vielen anderen Tieren und Pflanzen. 

Deshalb bemühen wir uns sehr intensiv darum entsprechende Flächen zu bekommen um unsere Ziele langfristig zu sichern. Im Herbst 2016 war es schließlich soweit. Wir konnten eine 6.000 qm große Parzelle in der Isselniederung im Kreis Wesel erwerben. Zahlreiche Spenden, die Förderung der Bezirksregierung Düsseldorf und die größzügige Unterstützung der Stöckmann-Stiftung ermöglichten es uns diese Fläche zu erwerben. Im darauffolgenden Frühjahr wurde diese zuvor intensivst genutzte Parzelle entsprechend bearbeitet und mit regionalem Saatgut der Fa. Rieger-Hofmann eingesät.

Weißstorch

Schon im Spätsommer blühten zahlreiche Blumen die bereits viele Insekten, vor allem Schwebfliegen, Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen anlockten. In den nächsten Jahren werden wir diese Fläche zu einer am Niederrhein ehemals typischen Flachlandmähwiese entwickeln. Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Landwirtschaft ist uns deshalb sehr wichtig. 

Bereits im Herbst 2017 bestand die Möglichkeit, direkt angrenzend an der bereits erworbenen Fläche, diese um weitere 13.000 qm zu vergrößern. Und wieder unterstützten uns viele Spender, die Bezirksregierung Düsseldorf, die Stöckmann-Stiftung und in diesem Jahr auch die HIT-Stiftung beim Erwerb dieses Grundstücks. Auch diese Fläche wird ab Frühjahr 2019 in eine Flachlandmähwiese entwickelt. Damit steht in den nächsten Jahren eine knapp 20.000 qm große Wiese vielen Insekten und den Weißstörchen als Nahrungsfläche zur Verfügung.

Wiese im Spätsommer
Viele Insekten, vor allem Schwebfliegen, Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen werden angelockt
(Fotos © H. Glader)

Gerade jetzt, in einer Zeit in der das Insektensterben so dramatische Ausmaße annimmt, versuchen wir gegenzusteuern. Während viel vom Insektensterben geredet wird, handeln wir!

Helfen Sie uns durch eine Spende, damit wir weiterhin aktiv bleiben können!

Vielfalt im Agrarraum

Erhebung zur Auswirkung der landwirtschaftlichen Tätigkeit auf landeskulturelle Vielfalt im Agrarraum unter besonderer Berücksichtigung der
Biodiversität
BELANU Werdeshausen, Göbzinger Straße 15,
06388 Werdershausen

Die Geländearbeiten wurden in enger Abstimmung zwischen den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. und Herr Professor Dr. habil. Gerhard Breitschuh (Belanu) durchgeführt.
Wir haben vor Ort die Bewertung der Habitattypen und ihrer Strukturen vorgenommen, diskutiert und als Ergebnis vorgelegt.

(Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT)
Thymianweg 25, 07745  Jena)

Gut strukturierte Feldhecke, die aber aufgrund des nur sehr schmalen und artenarmen Saumstreifens nur mit der ÖQ-Note 2 bewertet werden konnte.  (Fotos © AAT-Archiv)

Im Verfahren zur Analyse und Bewertung der Umweltverträglichkeit landwirtschaftlicher Betriebe (KUL) erfolgt die Erfassung und Bewertung der ökologischen und landeskulturellen Situation in Agrarräumen über den quantitativen Nachweis der Flächenanteile von naturnahen Biotopen (Ökologisch, landeskulturelle Vorrangflächen, ÖLV). Unter Nutzung bundesweit vorliegender Gemeindelisten des Julius-Kühn-Instituts mit Soll und Ist-Werten zu Kleinstrukturelementen wird eingeschätzt, ob die Gemeinden und die landwirtschaftlichen Betriebe über eine hohe bis noch tolerable bzw. über eine zu geringe Ausstattung mit Kleinstrukturelementen verfügen. 

Für ausgewählte Projektregionen wurde ein methodischer Ansatz zur  Bewertung der Ökologischen Qualität von ÖLV entwickelt, um vertiefende Untersuchungen zur Agrobiodiversität durchzuführen. Die quantitative Felderhebung der ÖLV-Anteile beruht auf den für die Agrarförderung vorliegenden INVEKOS-Feldblockdaten. Die Feldblockkarten enthalten jedoch nur die ÖLV, die im Rahmen des INVEKOS den Status eines Feldblocks erhalten haben. In den drei Projektregionen handelt es sich dabei um 30 bis 67 % der tatsächlich ermittelten ÖLV. In den Projektregionen wurden alle ÖLV ohne Feldblocknummer zusätzlich erfasst. So wünschenswert die Erfassung und Bewertung sämtlicher landwirtschaftliche genutzten Flächen und der ÖLV wäre, der dafür erforderliche Aufwand übersteigt den Rahmen der mit KUL praktizierten Analyse und Bewertung der betrieblichen Umweltverträglichkeit. 

Positivbeispiel eines unbefestigten Feldwegs. diese Weg weist offene sandige Stellen auf und wird beidseitig von artenreichen Säumen und teilweise Gehölzen begleitet.

Die qualitative Beurteilung der Landschaftselemente mittels der Ökologischen Qualität (ÖQ) zeigt in den Projektregionen eine Normalverteilung der ÖQ-Noten für die ÖLV mit der Tendenz der Höherbewertung der Gesamtheit der ÖLV. 

Somit werden folgende Konsequenzen gezogen:

  1. die Bewertung im KUL erfolgt weiterhin auf der Basis der quantitativen Flächenanteile der ÖLV an der Agrarraumfläche und 
  2. die qualitative Beurteilung mittels ÖQ-Noten wird zur vertieften Bearbeitung insbesondere in Agrarräumen empfohlen, die keine ausreichend quantitative Ausstattung mit ÖLV aufweisen, bzw. besonderen Ansprüchen unterliegen. 
Mit Platten komplett versiegelter Feldweg, der seitlich nur schmale, artenarme und kurz gemähte Säume aufweist. Derartige Feldwege strukturieren zwar auch die Agrarlandschaft, wurden aber aufgrund ihrer Ausbildung mit der schlechtesten ÖQ-Note bewertet.

Streuobstwiese

Wiederherstellung einer Streuobstwiese

Der „Verein zur Erhaltung bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume e.V.“ (VEbTiL) in Tübingen ist ein kleiner, gemeinnütziger Naturschutz-Verein, welcher sich im Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg) für die Wiederherstellung, den Erhalt und die Förderung wertvoller Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten einsetzt (www.vebtil.de).

Streuobstwiese bei Erwerb 2016  (Foto © M. Engelhardt)

Viele der vom VEbTiL bewirtschafteten und gepflegten Flächen sind Obstbaumwiesen. Wo es sinnvoll ist, pflanzt der Verein hochstämmige Bäume alter, regionaltypischer Sorten nach und verwertet das Obst als sortenreine Säfte und Edelbrände.

Streuobstwiesen sind wertvolle Biotope und Lebensräume geschützter Arten. In Baden-Württemberg ist die Anzahl von Streuobstbäumen in den letzten 50 Jahren um etwa 60 % zurückgegangen. Mit dem Rückgang verschwinden alte, regionaltypische Obstsorten, welche häufig nur noch in Form weniger oder einzelner überalterter Baumrelikte anzutreffen und daher in ihrem Fortbestand akut bedroht sind.

… und zwei Jahre später  (Foto © N. Pietsch)

Im Jahr 2015/16 hat die Stöckmann-Stiftung den Erwerb einer 3720 qm großen Wiese bei Reusten ermöglicht. Die bislang intensiv genutzte Wiese in der Nähe des Naturschutzgebiets „Kochhartgraben und Ammertalhänge“ stand zum Verkauf; viele Obstbäume im umgebenden Gebiet waren in den letzten Jahrzehnten verschwunden bzw. die Wiesen in Äcker umgewandelt worden.

Die neu erworbene Wiese wird seit dem Erwerb wieder extensiv bewirtschaftet (als „Heuwiese“ mit ein- bis zweischüriger Mahd und/oder Beweidung, je nach Witterung – ohne Düngung). Zudem wurden 5 hochstämmige Birnbäume mit alten Sorten gepflanzt. Allerdings wird es noch mindestens 15 bis 20 Jahre dauern bis die Bäume nennenswerte Erträge liefern.

Durch den von der Stöckmann-Stiftung geförderten Grunderwerb kann die Anlage der Streuobstwiese und die künftige extensive Nutzung überhaupt erst dauerhaft gesichert werden, denn nur das Eigentum an der Fläche sichert die konsequente Nutzung im Sinne des Natur- und Artenschutzes ohne Wenn und Aber.

Wangerooge – Schaffung von Lebensraum für Wiesenvögel

Folgeprojekt zur Schaffung von
Lebensraum für Wiesenvögel auf dem Trichtergelände auf Wangerooge

Nicht nur eine zu intensive Nutzung entwertet Flächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen – auch ein kompletter Verzicht auf Eingriffe kann sich nachteilig auf die Natur auswirken. Dieses Problem stellte sich auch auf dem sogenannten Trichtergelände, einem Offenlandbereich unmittelbar angrenzend an die Dünentäler der Insel.

Mulcharbeiten am 11.01.2018 (Foto © M. Heckroth)

Um die Verbuschung dort zu stoppen und die inseltypischen Offenlandbereiche zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern, wurde auf Basis eines vom Mellumrat erstellten Pflegekonzepts bereits in einem ebenfalls von der Stöckmann-Stiftung geförderten Vorgängerprojekt zwischen November 2014 und März 2017 eine etwa drei Hektar große mit Büschen und Bäumen dicht bewachsene Fläche gerodet, die sich unmittelbar angrenzend zu einem Wiesenvogelbrutgebiet befindet. Ziel des Projekts „Erweiterung und Optimierung des Bruthabitats von Wiesenvögeln im Ostinnengroden der Insel Wangerooge - Biotopmanagement im Trichtergelände“ war es, inseltypische Brutlebensräume für Wiesenvögel wiederherzustellen und zu verbessern.

Projektfläche am 15.11.2018 und nach der Mahd am 06.08.2019 (Fotos © M. Heckroth)

Im Nachfolgeprojekt „Überarbeitung des Maßnahmegebietes Trichtergelände auf Wangerooge“ ging es darum, diesen neu geschaffenen Lebensraum durch weitere Maßnahmen zu sichern und zu optimieren. Konkrete Maßnahmen umfassten das mehrmalige Mulchen des Geländes zu unterschiedlichen Jahreszeiten, das spätsommerliche Mähen, die Entfernung von Wurzeln und Baumstubben und den Rückschnitt von Gebüschen und Holzresten.

Zustand der Flächen am 26.02.2020 (Foto © M. Heckroth)

Durch diese Arbeiten ist das Maßnahmegebiet nun vollständig von Gebüschen und höherem Bewuchs befreit. Auf etwa der Hälfte der Fläche hat sich bereits eine stand- orttypische Grasvegetation eingestellt. Es ist eine Tendenz zu einer arten- und strukturreichen Feuchtwiese erkennbar. Besonders im Winterhalbjahr wird das Gelände von zahlreichen Vogelarten als Nahrungs- und Rastplatz genutzt. Brutansiedlungen, insbesondere von Wiesenvögeln, wurden noch nicht festgestellt, sind aber zu erwarten.

In den zahlreichen Tümpeln konnte die erfolgreiche Reproduktion von Kreuzkröten nachgewiesen werden. Auch der Grasfrosch wurde im Gelände nachgewiesen. In Zukunft soll die Fläche durch Beweidung freigehalten werden.

Kreuzkröte (Foto © Bernard Dupont)

Schmetterlinge

Schmetterlinge am Winderatter See

Einleitung 

Das landschaftlich vielfältige Gebiet um den Winderatter See südöstlich von Flensburg liegt im Naturraum des Ostholsteinischen Hügellandes. Das Untersuchungsgebiet wird von der Kielstau durchflossen, die mit ihrem Wassereinzugsgebiet weite Bereiche prägt. Vor 27 Jahren konnten der See und viele der ihn umgebenden Flächen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein erworben werden. Seither wird mit Hilfe einer extensiven Rinderbeweidung die Entwicklung einer Halboffenen Weidelandschaft gefördert. Kleinflächig werden weitere Pflegemaßnahmen durchgeführt, um besonders naturschutzfachlich wertvolle Bereiche zu entwickeln. Ein kleiner Teilbereich im Osten des Gebietes wird zudem ausschließlich von einer Wanderschafherde aufgesucht.


Die Betreuung des Gebietes wird vom Förderverein für Natur und Umwelt „Winderatter See – Kielstau“ seit vielen Jahren übernommen. Der Verein fördert die wissenschaftliche Beobachtung der Gebietsentwicklung inklusive faunistischer und floristischer Bestandsaufnahmen, um Rückschlüsse auf die Effektivität der durchgeführten Pflegemaßnahmen, der Gebietsentwicklung und die ökologischen Ansprüche besonders schützenswerter Arten zu bekommen. Der vorliegende Bericht soll hierzu einen weiteren Beitrag hinsichtlich der bislang unerforschten Großschmetterlingsfauna des Gebietes leisten.

Nordufer vom Winderatter See 

Ergebnisse und Bewertung

Bei der 2016 erfolgten Kartierung konnten 296 Großschmetterlingsarten nachgewiesen werden. Darunter befinden sich eine stark gefährdete Art sowie vier gefährdete Arten der Roten Liste Schleswig-Holsteins. Außerdem stehen 9 der festgestellten Arten auf der Vorwarnliste.
Bundesweit ist die in Schleswig-Holstein als ungefährdet geltende Teichröhricht-Schilfeule (Globia algae) als stark gefährdet eingestuft. Der Zahntrost-Kapselspanner (Perizoma bifaciata) wird zudem als gefährdet geführt. Zwei weitere Arten stehen auf der Vorwarnliste Deutschlands (vgl. Tabelle).

Nur wenige der nachgewiesenen Großschmetterlingsarten sind in Schleswig-Holstein in ihrem Bestand bedroht. Zu den wertvollsten Lebensräumen zählt trotz der geringen Größe vor allem die orchideenreiche Niedermoorwiese, die noch eine Reihe spezialisierter Arten, wie die Sumpfgras-Spannereule (Macrochilo cribrumalis), aufweist. In allen weiteren Lebensräumen sind nur einzelne seltene Arten zu finden, was sich vermutlich aus der Nutzungshistorie des Untersuchungsgebietes erklärt. Die inzwischen entwickelte Weidelandschaft mit den angrenzenden Wäldern ist aus vormaliger intensiver land- und forstwirtschaftlicher Nutzung hervorgegangen, deren Spuren noch vielerorts im Gebiet zu erkennen sind. Einhergehend mit dieser Phase der intensiveren Nutzung der Flächen sind vermutlich die spezialisierten und anspruchsvollen Schmetterlingsarten verdrängt worden.

Gründling (Foto © Dr. M. Neumann)
Blauer Eichenzipfenfalter (Neozephyrus quercus)
Teichröhricht-Schilfeule (Globia algae) und Röhricht-Goldeule (Plusia putnami)

Auch eine Wiederbesiedlung nun erneut geeigneter Strukturen ist aus der umgebenden stark anthropogen überformten Landschaft für viele Arten sicherlich schwierig bis unmöglich, da geeignete Quellpopulationen nicht mehr in der Umgebung vorhanden sind.
Andere Lebensräume bzw. Pflanzenbestände sind zu klein, um ausreichend große Populationen spezialisierter Schmetterlingsarten zu beherbergen. So finden sich innerhalb der Niedermoorwiese nur noch wenige Quadratmeter aus niedrigwüchsigen Beständen von Gelbseggen und Kleinem Baldrian.
Eine schleswig-holsteinische Besonderheit ist die abweichende Einstufung der Teichröhricht-Schilfeule (Globia algae) in den Roten Listen. Dieser Nachtfalter gilt bundesweit als stark gefährdet und wird in den meisten Bundesländern nur noch sehr selten gefunden. Nur in Schleswig-Holstein ist die Art noch verbreitet und lokal sogar häufig anzutreffen. Da sich die Raupen bevorzugt in Schmalblättrigem Rohrkolben entwickeln, profitiert die Art von der Anlage von flachen und gut besonnten Amphibiengewässern, wie am Winderatter See.

Die insgesamt nachgewiesene Artenvielfalt an Großschmetterlingen ist am Winderatter See trotzdem bemerkenswert hoch. Sie spiegelt die landschaftliche Vielfalt des Untersuchungsgebietes wieder, da sich hier von Wäldern über die Röhrichte bis zum Grünland unterschiedliche Lebensräume in enger kleinräumiger Verzahnung entwickeln und so zudem eine große Strukturvielfalt aufweisen. Von den 902 aus Schleswig-Holstein bekannten Großschmetterlingen konnte mit 296 am Winderatter See nachgewiesenen Arten ein Drittel der heimischen Fauna im Untersuchungsgebiet festgestellt werden. 

Die Aufschlüsselung der nachgewiesenen Schmetterlingsarten anhand ihrer Lebensraumansprüche verdeutlicht eine starke Dominanz der an Gehölze und Gehölzstrukturen gebundenen Arten. In der Kategorie „Wald“ wurden hier sowohl die im Wald als auch die an solitär stehenden Bäumen, vor allem an den Eichen, lebenden Arten zusammengefasst. Von diesen wurden die an Gebüschen und Hecken sowie an Waldsäumen lebenden Arten aufgrund der abweichenden ökologischen Anpassungen als eigene Gruppe abgegrenzt. Hier sind aktuell nur 4% der Arten vertreten, doch besteht in der weiteren Ausbildung und strukturellen Ausprägung der Übergangssäume vom Wald ins Offenland noch ein hohes Entwicklungspotential.
Die Röhrichte und das Niedermoor beherbergen nicht ganz 10% der festgestellten Arten, doch sind diese zumeist Lebensraumspezialisten, die nicht auf andere Biotope ausweichen können. Der Erhalt der Röhrichte bzw. die Entwicklung der artenreichen Niedermoorwiese sollte deshalb besonders im Fokus stehen.
Im Grünland findet sich knapp ein Drittel der nachgewiesenen Schmetterlingsarten. Mit Ausnahme des Zahntrost-Kapselspanners (Perizoma bifaciata) fehlen hier trotz der naturschutzfachlich positiv zu bewertenden Rinderbeweidung weitere gefährdete Schmetterlingsarten. Die spezifischen Vegetationsgesellschaften werden auf den natürlicherweise nährstoffreichen Böden bislang noch von wenigen Pflanzenarten dominiert. (vgl. Grafik)

Management aus schmetterlingskundlicher Sicht

Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen muss die Entwicklung der Schmetterlingsfauna differenziert betrachtet werden. Da die bereits vielfältigen Lebensräume am Winderatter See aus einer Phase der intensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung hervorgegangen sind, ist der Anteil von besonders seltenen und gefährdeten Schmetterlingsarten sehr gering.


Die inzwischen eingeleitete Entwicklung der Halboffenen Weidelandschaft inklusive der angelegten Amphibienteiche sowie der im Eigentum der Stiftung Naturschutz befindlichen Waldgebiete hat bereits zu einem bemerkenswerten Artenreichtum insbesondere der Nachtfalterfauna geführt.

Der Entwicklung der besonders artenreichen Übergangszonen (Ökotone) zwischen Offenland und Wald steht die momentan durch den Gesetzgeber geforderte klare Trennung von Beweidungsflächen und Wald gegenüber, da die Zauntrassen ansprechend geführt und offengehalten werden müssen

Grüne Eicheneule (Griposia aprilina), Brauner Bär (Arctia caja) und Rotbuchen-Gelbeule (Tiliacea aurago)
(Fotos © D. Kolligs)

Hier könnte zumindest in Bereichen angrenzender Stiftungswälder eine Versetzung der Zauntrasse um 10 bis 15 Meter in den Wald hinein angedacht werden, um eine natürliche Entwicklung solcher Übergangsbereiche zu fördern. Ohne Beweidung würden solche beispielsweise ins Offenland gelegte Zonen ansonsten schnell wieder aufwachsen und verschwinden.

Dr. Detlef Kolligs (Projektleitung)

Zur Übersicht Winderatter See - Kielstau

Zum Projekt Winderatter See - Kielstau - Vögel

Zum Projekt Winderatter See - Kielstau - Fische

Fische

Fischbestandserfassung in der oberen Kielstau und deren Nebenbächen sowie im Uferbereich des Winderatter Sees sowie Bewertung der Ergebnisse
gemäß EU-WRRL bzw. FFH-RL

Auftraggeber:
Winderatter See – Kielstau e.V.
Förderverein für Natur und Umwelt,
vertreten durch Herrn Prof. W. Janßen,
Osterdorf 2, 24975 Ausacker

Auftragnehmer:
Büro Michael Neumann
Schillstraße 1
24118 Kiel

Veranlassung


Im Rahmen des Operativen WRRL-Fischmonitorings 2015 wurde im Auftrag des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holsteins unter anderen drei Messstellen in der Kielstau sowie eine Messstelle im Winderatter See befischt. Hintergrund war, neben der Bewertung des ökologischen Zustandes der Kielstau gemäß WRRL, die Suche nach der in der FFH-Richtlinie gelisteten Anhang-II Art Steinbeißer im Winderatter See, dessen letzter Nachweis aus dem Jahr 2003 datiert.Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen wurden vom Verein „Winderatter See-Kielstau e.V.“, vertreten durch Herrn Prof. W. JANßEN, weitere Untersuchungen bzw. Auswertungen beauftragt. Diese umfassten zwei Nebengewässer der Kielstau (Moorau, Dammender Graben) sowie die Bewertung der Fischzönose des Winderatter Sees mit dem WRRL-Bewertungstool SITE.

Nordufer vom Winderatter See 
Kielstau westlich Ausacker
Gründling (Foto © Dr. M. Neumann)

Untersuchungsraum


Der Untersuchungsraum umfasste die Kielstau oberhalb der Querung der Kreisstraße 50 sowie die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben oberhalb der Ortschaft Ausacker sowie den Winderatter See (vergleiche nachfolgende Abbildung).

Kielstau und Nebengewässer
Die Kielstau und auch die Nebengewässer Moorau und Dammender Graben sind begradigte und mit einem Regelprofil versehende Gewässerläufe. Gemäß WRRL werden sie als HMWB (heavily modified water bodies) eingestuft. Sie gehören dem Gewässertyp 16 (kiesgeprägter Bach) sowie der Fischzone Epirhithral bzw. Hyporhithral (Kielstau bei Ausacker) an.

Gewässersystem der oberen Kielstau mit den Nebengewässern Moorau, Dammender Graben und Winderatter See sowie Lage der Befischungstrecken in den Fließgewässern (gelbe Punkte) bzw. im See (rote Linie).

Winderatter See
Der Winderatter See gehört mit einer Gesamtgröße von 23,4 ha zu den kleineren Seen in Schleswig-Holstein. Er liegt im Kreis Schleswig-Flensburg. Der See wurde als Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“ an die EU gemeldet und dem LRT 3150 „Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamion oder Hydrocharition“ zugeordnet. Mit einer mittleren Tiefe von 1,23 m und einer max. Tiefe von 2,20 m ist der See flach und bildet keine stabile Schichtung aus. Die FFH-Bewertung des Lebensraumtyps ergab in allen Punkten ein „C“ (mittel-schlechter Erhaltungszustand), da u.a. Unterwasserpflanzen komplett fehlen (aus GFN et al. 2012).
Das LANU (2001) vergibt für den ebenfalls See, aufgrund seines trophischen Zustandes (hypertroph) ein „schlecht“. Im Referenzzustand wäre der See gemäß LANU „polytroph“.

Methodik

Erfassung der Fischfauna
Die Erfassung der Fischfauna erfolgte mittels Elektrofischerei. In der Kielstau und deren Nebengewässern wurde watend mit einem tragbaren Elektrofischfangerät des Typs EFGI 650 gegen die Strömung gefischt. Befischt wurden insgesamt drei Teilstrecken im Oberlauf der Kielstau, zwei unterhalb des Winderatter Sees und eine im Quellgebiet oberhalb des Sees. Zusätzlich erfolgte eine Befischung in zwei Nebengewässern und zwar in der Moorau sowie im Dammender Graben.
Die Befischung des Winderatter Sees erfolgte vom Boot aus. Eingesetzt wurde ein 8 KW Gleichstromgenerator der Firma EFKO (FEG 8000), mit zwei Fanganoden.


Bewertung Fischfauna
fiBS-Bewertung Fließgewässer  Die Bewertung der Fischdaten aus der Kielstau und ihren Nebengewässern erfolgte mit dem WRRL-Bewertungstool fiBS (fischbasiertes Bewertungssystem) gemäß den Anleitungen in Dußling 2009 und mit dem aktuellen Tool in der Version 8.1.1 vom 17.10.2014 (Dußling 2014).
Die für eine Bewertung gemäß fiBS erforderlichen Fischreferenzen stellte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein zur Verfügung (Brunke 2014)

Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees   Als Bewertungstool sollte das von Brämick & Ritterbusch (2010) veröffentlichte sogenannte SITE-Verfahren (Modul 1) zum Einsatz kommen. Dieses Verfahren ist jedoch mit der Veröffentlichung einer Aktualisierung aus dem Jahr 2015 (Ritterbusch & Brämick 2015) nur noch für Großseen und alpine Seen anwendbar. Kleinere Seen und Seen des norddeutschen Tieflandes müssen jetzt mit dem sogenannten TYPE-Verfahren bewertet werden. Dieses Verfahren setzt jedoch eine aufwendige Datenerhebung voraus. So müssen aktuelle Fischdaten mit einem standardisierten Multimesh-Netz-Monitoring erfasst werden und auch die Datenauswertungen gestalten sich entsprechend umfangreich und aufwendig.
Solche Daten liegen für den Winderatter See definitiv nicht vor und wurden auch aktuell nicht erhoben. Prinzipiell ist demzufolge eine Bewertung der Fischfauna des Winderatter Sees mit einem aktuellen Bewertungstool nicht möglich. Da zum Untersuchungszeitpunkt diese gravierende Einschränkung des Bewertungstools SITE noch nicht bekannt war, wurde eine Bewertung mit dem „alten“ Site-Tool durchgeführt, um zumindest einen Überblick bezüglich historischem und aktuellem Artenspektrum und deren Abundanzen zu schaffen.


FFH-Bewertung  Sowohl der untersuchte Kielstau-Abschnitt, als auch der Winderatter See sind Bestandteil des FFH-Gebietes DE 1322-391 „Treene, Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“.
Für das Gebiet sind mehrere Fisch- und Rundmaularten des Anhangs-II der FFH-Richtlinie gemeldet, u.a. auch der Steinbeißer. Ein Nachweis des Steinbeißers im Gebiet der oberen Kielstau lag bislang nur als Einzelfund [2003] aus dem Winderatter See vor (Hartmann & Spratte 2006).
Im Rahmen des vorliegenden Berichtes erfolgt eine kurze Bewertung des Erhaltungszustandes der lokalen Population im Untersuchungsraum, gemäß Schnitter & Schütz 2006 bzw. BfN 2015. Allerdings ist das Bewertungsschema vor allem auf Fließgewässer zugeschnitten, so dass bei der Bewertung einer „Seepopulation“ nicht alle Kriterien (z.B. Gewässerunterhaltung) bewertet werden können.

Ergebnisse


Kielstau und Nebengewässer
Die Befischungen in der Kielstau und deren Nebengewässern erbrachten ein Artenspektrum von insgesamt acht Fischarten (vergleiche Tabelle 1).

Messwerte (Wasser) und Fangergebnisse der Elektrofischerei aus der Kielstau und deren Nebengewässer (Tabelle 1)

Winderatter See
Primäres Ziel der Befischung im Winderatter See war der Nachweis der FFH-Anhang-II Art Steinbeißer sowie von Kleinfischarten bzw. Jungfischen der Cypriniden (Reproduktionsnachweise).
Die Befischung im ufernahen Bereich ergab den Fang von insgesamt neun Arten, darunter war auch der Steinbeißer, mit drei Exemplaren (Totallänge: 7, 8 und 11 cm). Den Fang dominierten die Arten Flussbarsch, Gründling, Aal und Kaulbarsch (zusammen 91,8% Fanganteil) (Tabelle 2). Auffällig war das Fehlen von Cypriniden, namentlich Brassen, Rotfeder und Plötze, von denen zumindest Jungfische mittels Elektrofischerei im Uferbereich hätten fangbar sein müssen.

Ergebnis der Elektrofischerei vom 29.09.2015 im Winderatter, befischte Strecke etwa 1160 m (Tabelle 2)

Bewertung


Kielstau
Die Kielstau, als auch deren Nebenbäche sind hinsichtlich der Fischfauna gemäß WRRL in einem ökologischen schlechten Zustand, da die Fischzönose individuen- und auch artenarm ist und vor allem typspezifische Arten eines kiesgeprägten Fließgewässers (wie z.B. die Bachforelle) im Bestand fehlen. Die Ursachen für den schlechten Zustand der Fischzönose sind hinlänglich bekannt, d.h. sie sind in erster Linie in der Degradation der Gewässermorphologie und vermutlich auch in der zumindest zeitweise schlechten Wasserqualität (Oberlauf) zu suchen.


Winderatter See
Die Bewertung der Fischfauna des Winderatter See gemäß WRRL gestaltete sich schwieriger. Hintergrund ist die im Jahr 2015 aktualisierte Fassung des WRRL-Bewertungstools für Seen. Die aktuelle Fassung sieht eine intensive Probennahme mit Stellnetzen vor. Eine solche Probennahme war im Rahmen der Untersuchung nicht vorgesehen. Die Bewertung erfolgte deshalb mit einer alten Variante des Bewertungssystems. Die Auswertung der Daten erbrachte neben einer aktualisierten Liste der vorkommenden Arten (historisch und aktuell, vergleiche nachfolgende Tabelle) auch die fachgutachterliche Bewertung „unbefriedigender ökologischer Zustand“.

Der aktuell nachgewiesene und recherchierte Artenbestand ist typisch für ein hypertrophen See. Aus fischbiologischer Sicht existieren derzeit vor allem Defizite hinsichtlich der Reproduktionsmöglichkeit für phytophile Fischarten (Hecht, Schleie) (Vergleich Tabelle 3).

Die Bewertung der Steinbeißerpopulation des Sees gemäß FFH-RL ergab den Erhaltungszustand mittel-schlecht (C), da die Population offensichtlich sehr individuenarm ist und der Nachweis von juvenilen Individuen nicht gelang.

Winderatteer Tabelle Fische 3Seespezifische Referenz (Typ: POLY) und aktuelle Bewertungsabundanzen (2015) für den Winderatter See. Häufigkeitsstufen: 3 = Leitart, 2 = typspezifische Art, 1 = Begleitart (Tabelle 3)

Maßnahmen


Kielstau
Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes bzgl. der Fischfauna werden im Managementplan für die Kielstau (MELUR 2013) dargelegt. Diese betreffen vor allem die Minderung der Schadstoffeinträge, die Optimierung von Habitatstrukturen, die schonende Ausführung von Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und die Anlage von Uferrandstreifen entlang des Gewässers.
Befischungsergebnisse aus Gewässersträngen unterhalb des Kielstau-Systems belegen, dass prinzipiell ein gutes Wiederbesiedlungspotential mit typspezifischen Fischarten vorhanden ist.
Durch die Umsetzung von Maßnahmen, die die bekannten Defizite abmildern oder beheben, könnte sich somit auch in der Kielstau mittel- bis langfristig wieder ein gewässertypischer Fischbestand etablieren.


Winderatter See
Neben drastischen Nährstoffreduzierungen (Umland und seeintern) werden auch Umstellungen hinsichtlich des derzeitigen Fischbesatzes angeregt. Dies betrifft vor allem die Reduzierung des Aalbesatzes sowie die Einstellung des Besatzes mit gebietsfremden Arten (Graskarpfen).

Als Ziel wird die Erreichung des polytrophen Zustandes bzw. die Ausprägung eines Hecht-Schlei-Sees als umsetzbar angesehen.

Literaturverzeichnis 
BfN (2015): FFH-Bewertungsschemata der Rundmäuler und Fische (inkl. Wanderfische), Stand 06/2015. Unveröffentl. Manuskript, 70S. BRÄMICK, U., RITTERBUSCH, D. (2010): Bewertungssystem für Seen anhand der Fische nach den Maßgaben der Wasserrahmenrichtlinie. Bericht des Instituts für Binnenfischerei, Potsdam-Sarcow, 31 pp.  
BRUNKE, M. (2014): Fisch-Referenzzönosen für schleswig-holsteinische Fließgewässertypen (-regionen), Landesamt für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. 
DUßLING, U. (2009): Handbuch zu fiBS. Schriftenreihe des Verbandes Deutscher Fischereiverwaltungsbeamter und Fischereiwissenschaftler e.V., Heft 15 
DUßLING, U. (2014): fiBS 8.1.1 Softwareanwendung zum Bewertungsverfahren aus dem Verbundprojekt zur Entwicklung eines Bewertungsschemas zur ökologischen Klassifizierung von Fließgewässern anhand der Fischfauna gemäß
EU-WRRL. Download von der Website WWW.LVVG.BWL.DE/FFS  
GFN, GETTNER & HEINZEL (2012): Monitoring der Qualitätskomponente Makrophyten für WRRL und FFH-RL in schleswig-holsteinischen Seen. Bericht im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein.  
HARTMANN, U. & S. SPRATTE (2006): Süßwasserfische, zehnfüßige Krebse und Großmuscheln in Schleswig-Holstein. Seen-Fischarten-Kataster Schleswig-Holstein. Hrsg.: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein, 173 S. 
LANU (2001): Seenkurzbericht 1998 -http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/wafis/seen/Berichte_Gutachten/Seenberichte_LANU/LANU_B50_Seenkurzprogramm_1998.pdf 
LLUR (2014): Ökologische Zustandsbewertung der größeren Seen in Schleswig-Holstein nach EG-WRRL Wasserrahmenrichtlinie.  
http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/S/seen/Downloads/ZustandSeenSH.pdf 
MELUR (2013): Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE 1322-391 „Treene Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au“. Teilgebiet Winderatter See und Kielstau. Stand Mai 2013 
RITTERBUSCH, D. (2010): Template for the assessment of the ecological status of lakes using their fish fauna - preliminary approach under validation. Version Nr. 1.20. Institute of Inland Fisheries, Potsdam (Germany) 
RITTERBUSCH, D.& BRÄMICK, U. (2015): Verfahrensvorschlag zur Bewertung des ökologischen Zustandes von Seen anhand der Fische. Schriften des Instituts für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow, Band 41 
SCHNITTER, P. EICHEN, C., ELLWANGER, G, NEUKIRCHEN, M & E. SCHRÖDER (Bearb.) (2006): Empfehlungen für die Erfassung und Bewertung von Arten als Basis für das Monitoring nach Artikel 11 und 17 der FFH-Richtlinie in Deutschland. Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (Halle), Sonderheft 2.

Dr. Michael Neumann (Projektleitung)

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Vögel

Brutvogelerfassung am Winderatter See 2014 (Kreis Schleswig-Flensburg)

Durch Vermittlung des Gebietsreferenten Prof. Willfried Janssen
finanzierte die Stöckmann-Stiftung eine vollständige Brutvogelerfassung
im Stiftungsland Winderatter See.

Solche Brutvogelerfassungen erfolgen methodisch als Revierkartierung: Jedes Vogelvorkommen wird in der Brutzeit auf einer Tageskarte festgehalten. Nach 9 Begehungen zwischen dem 20.03. und 16.07.2014 des gesamten Gebietes wurden aus den Tageskarten Revierkarten für jede Art erstellt. Ein Revier wird angenommen, wenn konkrete Bruthin- oder Nachweise vorliegen oder Vögel mehrfach an derselben Stelle festgestellt worden sind.

Die Erfassung 2014 erbrachte Brutzeitvorkommen von 68 Vogelarten mit knapp 650 Revierpaaren, vor allem Singvögel der halboffenen Landschaft, der Röhrichte, sowie der Laubwälder. Herausragend und überregional bedeutsam sind die Bestände des Neuntöters (14 Reviere) des Sprossers (18 Reviere) und des Baumpiepers (24 Reviere). Lokale Besonderheiten stellen 5 Reviere Blaukehlchen dar sowie die Vorkommen von Rohrsängern und Schwirlen und Rohrammern. Besonders wertvoll sind die Verlandungszonen mit Röhrichten und Bruchweiden sowie die ausgedehnten sonnigen halboffenen Weideflächen. Die dort eingestreuten Kleingewässer sind nicht nur für Amphibien, sondern auch für Wasservögel wie Zwergtaucher, Reiherente und Blässhuhn wertvolle Fortpflanzungsstätten.

Baumpieper  (Fotos © B. Koop)
Dorngrasmücke und Goldammer
Holzweiher und halboffene Weidelandschaft

Die Entwicklung der halboffenen Weidelandschaft mit Gebüschkomplexen bewirkt eine erhebliche Steigerung der Vogelsiedlungsdichte und zeigt deutlich, ab welchem Bebuschungsgrad sich die verschiedenen Waldvogelarten einfinden: Erstmals wurden die Waldvogelarten Singdrossel (6 Reviere) und Buchfink (9 Reviere) in diesem Lebensraumtyp dokumentiert.
Gegenüber der ersten Erfassung im Kerngebiet 2004 hat der Brutvogelbestand auf derselben Fläche von 151 auf 234 Reviere zugenommen.

Aus dem Ergebnis dieser Erfassung wurde eine neue Infotafel erstellt.

Download der Infotafel: Brutvögel am Winderatter See

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Winderatter See – Kielstau

Winderatter See - Kielstau

3 Projekte:

Der Winderatter See (dänisch Venderød Sø) ist ein See im Kreis Schleswig-Flensburg im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein im nördlichen Angeln östlich der Ortschaft Ausacker.

Drei von der Stöckmann-Stiftung geförderte Projekte im FFH-Gebiet Winderatter See-Kielstau  (Kreis Schleswig-Flensburg) auf dem Weg zur Ausweisung als Naturschutzgebiet

Das von dem regionalen Förderverein für Natur und Umwelt betreute Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Winderatter See-Kielstau soll zukünftig als Naturschutzgebiet ausgewíesen werden. In diesem Zusammenhang sind die folgenden, von der Stöckmann-Stiftung zur Förderung von Umwelt und Naturschutz finanzierten Projekte eine hervorragende Grundlage.

1. Brutvogelbestände am Winderatter See 2013 
(Fördervolumen: 7.778,32 Euro)
Dieses Projekt wurde von Bernd Koop, Büro für Feldornithologie, Plön, nach klassischer Art der Revierkartierung in der Brutzeit von Ende März bis Mitte Juli durchgeführt. Das Artenspektrum von 68 Vogelarten mit zusammen knapp 650 Brutpaaren zeigt die naturräumliche Vielfalt der sogenannten Halboffenen Weidelandschaft, der Gewässer, Röhrichte und Laubwälder. 

2. Fischbestandserfassung in der Kielstau und im Uferbereich des Winderatter Sees 2015
(Fördervolumen: 4.989,00 Euro)
Die Bewertung der von Michael Neumann, Kiel, im Rahmen des Operativen Monitoring zur Wasser-Rahmen-Richtlinie durchgeführten Bestandserfassungen der Fische zeigt sowohl für das untersuchte Fließgewässer wie für Uferbereiche des Sees relativ große Defizite auf. Es wurden gut begründete Vorschläge zur Verbesserung der Durchgängigkeit des Gesamtsystems und der Renaturierung bestimmter Habitatstrukturen dargelegt

3. Evaluierung der Schmetterlingsfauna am Winderatter See 2016
(Fördervolumen: 9.413,79 Euro)
Die mit 296 Großschmetterlingsarten nachgewiesene Anzahl an Tag- und Nachtfaltern (immerhin ein Drittel der heimischen Fauna) spiegelt die landschaftliche Vielfalt des Untersuchungsgebietes wieder, das sich hier von Wäldern über Röhrichte bis zum Grünland in kleinräumiger Verzahnung mit großer Strukturvielfalt entwickelt. Die Erhebungen wurde von Dr. Detlef Kolligs, Lepidopterologische Gutachten, Sellin, durchgeführt.