In einem vierjährigen Forschungsprojekt werden durch das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve zwischen 2015 und 2018 die Brutplatztreue sowie die Zugwege der Trauerseeschwalben am Unteren Niederrhein untersucht. Hierzu wurden 2015 zehn Trauerseeschwalben beringt und mit sogenannten Geolokatoren ausgestattet. Die Beringung dient vor allem zur Ermittlung der Brutplatztreue dieser Art. Die Geolokatoren dagegen haben eine andere Funktion. Diese kleinen, 1 g leichten Geräte zeichnen die Tageslänge in Abhängigkeit von Datum und Uhrzeit auf. Dadurch ist es möglich, die Zugwege der Trauerseeschwalben sowie ihren Aufenthaltsort im Überwinterungsgebiet zu errechnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die beringten Individuen wieder gefangen werden. Dies ist nicht sehr unwahrscheinlich, da Trauerseeschwalben zumindest teilweise im nächsten Jahr an ihren Brutplatz zurückkehren. Dies konnte unter anderem durch das im Förderbereich II beschriebene Ringmonitoring nachgewiesen werden.

Im Jahr 2016 wurden dann tatsächlich sieben der zehn im Vorjahr beringten Trauerseeschwalben wieder in den Brutkolonien am Unteren Niederrhein entdeckt. Das entspricht eine Rückkehrrate von 70% und zeigt, dass die Trauerseeschwalbe eine hohe Brutplatztreue aufweist. Von den sieben Trauerseeschwalben konnten sechs gefangen und der Geolokator abgenommen und ausgewertet werden. Hierdurch gelang es, von zwei Trauerseeschwalben die vollständige Zugroute zu erstellen. Die anderen Datensätze waren leider nur unvollständig oder fehlerhaft.
2016 wurden zudem fünf der gefangenen Trauerseeschwalbe nochmals mit neuen Geolokatoren ausgestattet und auf die Reise geschickt. Von diesen konnten 2017 drei Trauerseeschwalben in den Brutkolonien gesichtet werden. Es gelang, zwei dieser Tiere zu fangen und ihnen den Geolokator abzunehmen. Da die Geolokatoren durch Korrosion beschädigt waren, konnten leider keine vollständigen Zugrouten ermittelt werden.


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(Idendifikation von beringten Trauerseeschwalben, Abfotografieren der Beine
und Ermittlung der Beringungsnummer)
Im Jahr 2014 konnte das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve an den Brutstandorten in Praest und Millingen insgesamt sieben beringte Trauerseeschwalben feststellen. Um die Ringe identifizieren zu können, wurden diese aus einem schwimmenden Tarnunterstand abfotografiert. Diese zeitaufwendige Methode hat den Vorteil, dass die Trauerseeschwalben dadurch kaum gestört werden. Die gleiche Methode kam auch 2015 mit Förderung der Stöckmann-Stiftung zum Einsatz und wurde in den beiden Folgejahren auf ehrenamtliche Basis fortgesetzt. Auf diese Weise konnten wir bisher insgesamt 16 Ringe ablesen und sechs Rückkehrer nachweisen, von denen zwei Trauerseeschwalben bereits seit vier Jahren am selben Standort brüten - teilweise sogar auf demselben Floß wie im Vorjahr. Dies zeigt, dass zumindest ein Teil der Population eine sehr hohe Brutplatztreue aufweist. Dieses Wissen ist bedeutsam – insbesondere bei der Verfolgung des Ziels, den Lebensraum der Trauerseeschwalbe so zu verbessern, dass auf das Auslegen von Nistflößen verzichtet werden kann.




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Da der Bruterfolg der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Artenschutzprojektes ist, steht dieser in einem besonderen Forkus der Förderung durch die Stöckmann-Stiftung. Der Bruterfolg der Trauerseeschwalbe wird allgemein vor allem durch die Witterung beeinflusst. Kalte, windige Wetterperioden in Kombination mit viel Niederschlag führen bei den Küken zu einem raschen Verklammen und zum Erfrieren. Zudem sind unter solchen Bedingungen die Möglichkeiten für die erwachsenen Trauerseeschwalben Nahrung für ihren Nachwuchs zu finden, deutlich schlechter, was ebenfalls zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate unter den Küken führt. Auch können starke Winde im Zusammenspiel mit einem erhöhten Wellengang zu Verlusten bei den Gelegen führen. Der am Bienener Altrhein rückläufige Bruterfolg ließ sich jedoch nicht allein auf die Witterung zurückführen, da auch während ruhiger Witterungsphasen zahlreiche Gelege verloren gingen. Dies führte zu der Vermutung, dass Prädation ein weiterer wichtiger Faktor sein könnte, der das Brutgeschehen negativ beeinflusst.
Um die Ursachen des schlechten Bruterfolges der Trauerseeschwalbe am Unteren Niederrhein zu ermitteln, wurden zwischen 2011 und 2017 zahlreiche Nistflöße mit Hilfe von Fotofallen überwacht. Ziel der Überwachung war es, mögliche Prädatoren nachzuweisen, die den Verlust von Eiern und/oder Küken verantwortlich sind.
Mit Hilfe der Fotofallen konnten im Lauf der Jahre die Waldohreule als Prädator der Küken nachgewiesen werden. Diese nachtaktive Eule erbeutete innerhalb von wenigen Stunden mehr als ein halbes Dutzend Küken. Auch die Blässralle konnte „ertappt“ werden, als sie sich über die Gelege hermachte. Innerhalb einer Nacht zerstörte sie sieben Gelege, wobei unklar ist, ob sie die Eier nur zerstört oder auch gefressen hat. Blässrallen brüten ebenfalls egelmäßig auf den Nistflößen der Trauerseeschwalbe und sind teilweise sehr territorial. Es ist dankbar, dass sie die Eier nur zerstört hat, um ihr Revier zu verteidigen.





Eine der erstaunlichsten Entdeckungen für den Verlust von Eiern kam aber aus einer ganz anderen Ecke – hierfür waren nämlich Fische verantwortlich. Genauer gesagt, laichende Karpfen. Karpfen legen ihre Eier an Wasser- und Schwimmblattpflanzen ab, die die Nistflöße umgeben. Es ist zudem möglich, dass sie die grünen Nistflöße ebenfalls für Schwimmblattpflanzen halten. Beim Laichvorgang erzeugen die Karpfen mit ihrer Schwanzflosse, einen derartig starken Wellenschlag, dass hierdurch in früheren Jahren mit Sicherheit zahlreiche Gelege von den Nistflößen gespült wurden. Als Reaktion auf die Erkenntnis, dass Wellenschlag (wind- oder karpfenbedingt) zu hohen Gelegeverlusten führen kann, wurden alle Nistflöße mit einem so genannten Eirollschutz ausgestattet. Seit Einführung dieser Maßnahme ist der Bruterfolg der Trauerseeschwalbe nicht mehr unter die bestandserhaltende Schwelle gesunken, meist lag er sogar darüber. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig ökologische Grundlagenforschung sein kann, um konkrete Artenschutzmaßnahmen zu optimieren. Erst ein breites Wissen über eine Art, kann zu einem besseren Verständnis von Zusammenhängen und schließlich zu geeigneten Schutzmaßnahmen führen!


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Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger – Abbildung 1) ist eine kleine, dunkle Seeschwalbe (Gattung Chlidonias: Sumpfseeschwalben), die an flachen und sumpfigen Seen, Teichen und Altwässern mit reichlich vorhandenem Pflanzenbewuchs brütet. Besonders bevorzugt werden dabei Gewässer mit dichten Beständen von Krebsschere (Stratiotes aloides). Diese bultig wachsende Schwimmpflanze dient als schwimmende Insel für die Nestanlage.
Trauerseeschwalben sind Zugvögel, die an der westafrikanischen Küste überwintern und sich Anfang März auf den Weg in ihre Brutgebiete machen. Diese reichen von Südspanien über Nordwest-, Mittel- und Osteuropa bis weit nach Russland.
In Nordrhein-Westfalen ist die Trauerseeschwalbe vom Aussterben bedroht und brütet aktuell nur am Niederrhein im Naturschutzgebiet „Bienener Altrhein, Millinger Meer und Hurler Meer“ und seit 2012 auch im Naturschutzgebiet „Altrhein Reeser Eyland“. Der gesamte Bestand brütet aber nicht mehr auf Wasserpflanzen, sondern ist abhängig von einem Artenschutzprojekt des Naturschutzzentrums im Kreis Kleve, bei dem auf geeigneten Gewässern (flache Altwässer des Rheins) künstliche Nisthilfen (Nistflöße) ausgebracht werden (siehe Abbildung 2)

Wichtigster Faktor für den Erfolg des Artenschutzprojektes ist der Bruterfolg. Dieser ging von 2003 bis 2010 kontinuierlich zurück und erreichte in diesen Jahren nicht mehr den bestandserhaltenden Wert von 0,85 Jungvögeln pro Brutpaar. Ursache für den schlechten Bruterfolg waren hohe Gelegeverluste sowie Verluste an Küken und Jungvögeln, die auf Prädation hindeuteten.
Um dieser Frage nachzugehen, wurde zwischen 2011 und 2017 die Überwachung von Nistflößen der Trauerseeschwalbe mit Hilfe von Fotofallen durch die Stöckmann-Stiftung gefördert (siehe Förderbereich I).
In den Jahren 2015 bis 2018 wurden zudem zusätzliche Forschungsarbeiten zur Brutplatztreue und zu den Zugwegen der Trauerseeschwalben am Unteren Niederrhein gefördert (Förderbereiche II und III), die Grundlagendaten liefern, welche es ermöglichen die Ökologie dieser lokalen und gefährdeten Population besser verstehen zu können. Langfristig können diese Daten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Ziel zu erreichen, die Trauerseeschwalbe ohne das Auslegen von künstlichen Nisthilfen am Niederrhein zu erhalten.


Mit dem Kauf geeigneter traktorgeführter Doppelmesserbalken soll auf hochwertigen Grünlandstandorten im Bereich des künftigen Vogelschutzgebietes Diemel- und Hoppecketal eine insektenfreundliche und klimaangepasste Mahd durchgeführt werden.
Das Projekt wird naturschutzfachliche (Insektenschonung, Gewichtseinsparung) und landwirtschaftliche Interessen (Treibstoffeinsparung, Reinheit des Futters, schnelleres Anwuchsverhalten nach der Mahd, Einsatz im steilen Gelände) zusammenführen. Eine Flankierung durch Anpassungen im Vertragsnaturschutz des Kreises wurde bereits vorgenommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reaktivierung praktischen Wissens im Führen der o.g. Technik und die langfristige Einrichtung logistischer (Maschinenring) und infrastruktureller (Ersatzteile) Grundvoraussetzungen zur langfristigen Etablierung der Mahdtechnik. Beide Aspekte führten im Mähbalkenprojekt innerhalb des in Ausweisung begriffenen Vogelschutzgebietes zu einer noch engeren Vernetzung zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Der Einsatz der Balkenmähertechnik wird dazu beitragen, dass das vorgestellte Projekt als praktikable Mahdalternative zu Rotationsmähwerken (Trommel- und Scheibenmäher) von den Landwirten erkannt wird.

Fördernehmer: Universität Osnabrück, AG Prof. Dr. Thomas Fartmann
Zielsetzung: Im Mittelpunkt des Projektes steht eine ökologische Analyse der Landnutzungshistorie, von Veränderungen der Lebensgemeinschaften und Treibern der Biodiversität in den national bedeutsamen Kalkmagerrasen des Diemeltals. Kalkmagerrasen zählen zu den Hotspots der Phytodiversität und Insektendiversität. Das Projekt baut auf dem bereits von der Stöckmann-Stiftung geförderten Projekt „Insektenabundanzen und Vogelgemeinschaften extensiv genutzter Graslandhabitate“ auf. Neben der Erfassung der Veränderungen der Flächenausdehnung von Kalkmagerrasen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute, werden die Veränderungen der Vegetation und von Schmetterlingsgemeinschaften, die Zusammensetzung der Ameisenzönosen sowie die Zusammensetzung der Wildbienengemeinschaften untersucht. Das übergeordnete Ziel ist die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden, nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen und damit verzahnten Lebensraumtypen.
Projektlaufzeit: April 2024 – März 2027

Im Rahmen des Wiesenvogelschutzes im Kreis Soest macht sich auch die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz - Biologische Station Soest (ABU) die moderne Technologie zunutze. Drei Jahre lange wurde eine Drohne zum Auffinden von Wiesenbrütergelegen eingesetzt. Ein Modellprojekt, von dem auch andere Natur- und Wiesenvogelschützer profitieren können.
Zum Schutz von Wiesenvögeln, wie Kiebitz, Großer Brachvogel, Knäkente, Löffelente und Wachtelkönig, ist es in landwirtschaftlich genutzten Gebieten häufig erforderlich, die genauen Standorte von Gelegen zu kennen. So können beispielsweise Flächen bei der landwirtschaftlichen Nutzung ausgespart werden.

Diese Nestsuche ist in der Praxis oft nicht einfach und mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Meist ist dies auch mit einer Störung des brütenden Vogels verbunden. Deshalb wird bereits seit einiger Zeit auf Drohnen zurückgegriffen, die ein Gebiet überfliegen und dabei Fotos für die weitere Auswertung aufnehmen können. Mit Unterstützung der Stöckmann Stiftung e. V. hat die ABU ein Projekt starten können zu der Frage, inwieweit sich Drohnen im Wiesenvogelvogelschutz einsetzen lassen. Es wurde eine Drohne mit Wärmebildkamera und Tageslichtkamera drei Jahre lang beim Wiesenvogelschutz getestet. Der Fokus lag hierbei auf Einsatzmöglichkeiten bei der Suche von Gelegen und Jungvögeln von verschiedenen Arten.

Beflogen wurden am frühen Morgen kurz nach Sonnenaufgang - bei noch niedrigen Luft- und Bodentemperaturen - vor allem Grünlandflächen in Naturschutzgebieten sowie Ackerflächen und einige Vertragsnaturschutzbrachen in der Hellwegbörde in einer Höhe von ca. 35 Metern. Auf der Wärmebildkamera bilden sich bei einem großen Temperaturunterschied warme Körper als helle Punkte ab. Wird ein solcher Wärmehotspot entdeckt, lässt sich das Bild auf eine Tageslichtkamera umschalten, mit der der Punkt überprüft und die Art ermittelt werden kann. Hierzu kann die Flughöhe etwas reduziert werden. Der genaue Standort wird mittels GPS ermittelt und gespeichert.

Neben Nestern konnten Küken gefunden werden. Bruterfolg und Aufenthaltsbereiche von Familien lassen sich so feststellen.
In den drei Jahren wurden insgesamt 552 ha beflogen und 56 Gelege von zehn Arten gefunden, und zwar von Kiebitz, Großer Brachvogel, Löffelente, Knäkente, Reiherente, Stockente, Feldlerche, Flussregenpfeifer und Blässhuhn. Bei Kiebitz und Großem Brachvogel konnten auch die Küken erfasst werden. Beim Wachtelkönig wurden mehrere Flächen mit rufenden Männchen beflogen, es erfolgte jedoch kein Nestfund. Offen bleiben muss die Frage, ob bei einem Nichtfund eines Geleges dieses mithilfe der Drohne nicht gefunden werden konnte oder es kein Gelege gab.
Insgesamt betrachtet muss festgehalten werden, dass der Einsatz von Drohnen eine sinnvolle Ergänzung und Unterstützung im Wiesenvogelschutz sind! Projektdauer 2020-2024
Viele Menschen tragen ihre Vogelbeobachtungen im Online-Portal ornitho.de ein und leisten damit einen Beitrag zu einem der größten Citizen-Science-Projekt im Bereich der Natur. Der dazugehörigen App NaturaList fehlen noch wichtige Funktionen, die mit Hilfe dieses Projekts ergänzt werden sollen.

ornitho.de ist die größte bürgerwissenschaftliche Online-Plattform für Vogelbeobachtungen in Deutschland. Zehntausende Menschen geben ihre Beobachtungen dort ein – gleich, ob es sich um Raritäten oder Allerweltsvogelarten handelt. Bisher gibt es mehr als 50 Millionen Einträge. Auf diese Weise entsteht ein Datenschatz, aus dem die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Dachverbands Deutscher Avifaunisten ein umfassendes Bild zum Zustand der Vögel in Deutschland ermitteln können.

Neben der gesichteten Vogelart werden bei der Eingabe über die Webseite auch sehr wichtige Begleitinformationen festgehalten, die eine Einordnung der Beobachtung ermöglichen und die für die weitere wissenschaftliche und naturschutzfachliche Auswertung von großer Bedeutung sind. Beispielsweise wird erfasst, ob ein Vogel rastet oder zieht, welche Form der landwirtschaftlichen Nutzung ein Lebensraum aufweist, in dem der Vogel nachgewiesen wurde oder in welche Richtung ein Zugvogel unterwegs ist. Erst aus diesem Puzzle aus Einzeldaten lässt sich ein komplettes Bild für die Auswertung ableiten. Die Möglichkeit, solche Informationen standardisiert einzugeben, besteht derzeit aber nur über die Webseite.

Die gerade im Freiland viel eingesetzte dazugehörige App NaturaList lässt dies bislang nicht zu. Ziel dieses Projekts ist es daher, in der App NaturaList eine Eingabemöglichkeit zur standardisierten Erfassung von Verhaltensweisen und Habitaten bei Vogelbeobachtungen zu ergänzen. Damit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass die Auswertungsmöglichkeiten für wissenschaftliche Fragestellungen und Nutzung der Daten für Fragen des praktischen Vogelschutzes weit über ornitho.de hinaus deutlich erweitert werden. Mit der Erweiterung wird somit das gesamte ornitho.de-Angebot noch relevanter und breiter – auch international – nutzbar.

Waschbären sind als Nesträuber an Vogelnistkästen ein großes Problem in einigen Regionen Deutschlands. Ein Projekt der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld will wirksame Schutzvorrichtungen entwickeln.

Waschbären gehören zu den erfolgreichsten tierische Neubürgern in Europa. Aus wenigen Tieren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Pelztierfarmen entkommen konnten, ist eine große Population von geschätzt mehr als 1,5 Millionen Tieren allein in Deutschland geworden. Für die hiesigen Ökosysteme sind die ursprünglich in Nordamerika heimischen Säugetiere ein großes Problem. Sie sind Alleskönner und in der Lage, weite Strecken zu wandern, extrem gut zu klettern, zu greifen und auch zu schwimmen. Auf diese Weise erreichen die Tiere sehr effektiv auch die Gelege vieler Vogelarten. Wegen der von ihnen ausgehenden Gefährdung des ökologischen Gleichgewichts in hiesigen Lebensräumen ist die Art als „invasiv“ eingestuft und soll möglichst zurückgedrängt werden.

Neben einer aktiven Reduzierung der Waschbärbestände durch Verfolgung sind Schutzmaßnahmen für Vogelbrutstätten ein weiterer Weg, den ökologischen Schaden durch die invasive Tierart zu begrenzen. Diesem Ziel dient das Projekt „Untersuchung zum Prädationsschutz der Vögel an Nistkästen gegen den Waschbären“ der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld. Ziel des Vorhabens ist es, praktische Schutzvorrichtungen gegen ein Ausplündern von Gelegen durch Waschbären zu entwickeln.

Dazu soll mit Hilfe von Wildkameras das Verhalten der Tiere an Nistkästen untersucht werden. Für diese Untersuchung werden Nistkästen mit Schutzvorrichtungen gegen Waschbären genutzt und es wird beobachtet, wie die Tiere versuchen, sich Zugang zu verschaffen. Aus den Erkenntnissen sollen verbesserte Schutzvorrichtungen entwickelt werden. Dazu könnten Drahtkonstruktionen, als „Abstandshalter“ dienende Bretter und andere Lösungen gehören. Ergänzend sollen Untersuchungen an in Gefangenschaft lebenden Waschbären weitere Erkenntnisse liefern. So sollen in Gehegen mit Waschbären mit Lockmitteln präparierte Kästen mit verschiedenen Schutzvorrichtungen getestet werden. Davon erhoffen sich die Projektverantwortlichen auch Aufschluss darüber, ob die Waschbären sich neue Techniken zur Überwindung des Schutzes aneignen können.

Die Ausbreitung des ursprünglich in Südamerika heimischen Nutrias bedroht die Röhrichtbestände am Niederrhein. Die Bekämpfung des invasiven Säugers und Neuanpflanzungen sollen hochwüchsige Röhrichte zurückbringen.

Hohe und dichte Röhrichtbestände entlang von Seen und Altarmen gehören zu den wertvollsten und typischsten Elementen der niederreinischen Landschaft. Sie sind auch ein wichtiger Bestandteil des europaweit geschützten Landschaftstyps „Eutrophe Gewässer“ und bieten vielen Vogelarten einen Brutplatz. Ohne sie könnten lebensraumtypische und teilweise stark bedrohte Arten wie Rohrdommel, Teich- und Schilfrohrsänger, Knäkente, Wasserralle, Blaukehlchen oder Tüpfelsumpfhuhn nicht überleben. Auch für die letzten Trauerseeschwalben NRWs können lückige Rohrkolbenbestände einen natürlichen Brutplatz bieten.

Selbst in den wertvollsten Naturschutzgebieten am Niederrhein, etwa dem Bienener Altrhein, dem Millinger und Hurler Meer und dem Empeler Meer sind Röhrichtbestände aber stark unter Druck geraten. So hat das Rohrkolben-Röhricht am Bienener Altrhein in den vergangenen Jahren einen Rückgang um 90 Prozent erlitten. Grund dafür ist die Ausbreitung des ursprünglich in Südamerika heimischen Nutria – auch Biberratte oder Coypu genannt.


Aus wenigen Tieren, die in den 1930er Jahren aus Pelzfarmen entkommen sind, hat sich eine fest etablierte Population entwickelt. Die Tiere fressen die Unterwasser- und Ufervegetation und verändern durch ihre Grabtätigkeit die Hydrologie von Gewässern. Das Bundesamt für Naturschutz stuft die Art als invasiv – also schädlich für die hiesigen Ökosysteme – ein. Nutrias befinden sich auf der sogenannten Managementliste und sollen soweit wie möglich durch Verfolgung aus den Lebensräumen wieder zurückgedrängt werden. Die systematische Bekämpfung der Nutrias ist daher auch eine zentrale Maßnahme des Projekts, mit dem hochwüchsige Röhrichtarten wieder an ihre traditionellen Standorte insbesondere am Bienener Altrhein zurückgebracht bzw. noch bestehende Bestände gefördert werden sollen.

Die zweite Säule zur Erreichung des Projektziels sind gezielte Initial-Anpflanzungen, deren Wachstum über eine Dynamisierung der Wasserstände weiter gefördert werden soll. Zusätzlich sollen am Millinger Meer neue Flachwasserzonen und Röhrichtstandorte geschaffen werden.

Im dichtbesiedelten NRW sind Vögel auch häufig Störungen durch menschlich verursachten Lärm und Licht ausgesetzt. Ornithologen erforschen nun die Auswirkungen auf eine bedrohte Vogelart – die Nachtschwalbe.

Wirksamer Vogelschutz kann nur gelingen, wenn es ausreichende Informationen darüber gibt, welche Einflüsse Vögel besonders beeinträchtigen. Das gilt in einer dicht besiedelten Region wie Nordrhein-Westfalen in besonderem Maße. Neben der zunehmenden Knappheit von Lebensräumen spielen auch in bestehenden Lebensräumen Störfaktoren wie Lärmbelastung und Licht bei Nacht eine wichtige Rolle. Das gilt für besonders stark spezialisierte Vogelarten wie die Nachtschwalbe (auch Ziegenmelker genannt) besonders. So haben Schweizer Wissenschaftler nachgewiesen, dass selbst aufwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums für die Nachtschwalbe nicht zu einer Erhöhung der Bestände geführt haben. Der Grund: Die in den vergangenen Jahrzehnten beständig angestiegene Lichtverschmutzung macht den Lebensraum für die hochspezialisierten Nachtvögel nicht mehr nutzbar.

Um mehr über die Störempfindlichkeit der Nachtschwalben herauszufinden, initiierte die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft mit ein Forschungsprojekt zur Störungstoleranz der in der Roten Liste des Landes NRW als „stark gefährdet“ geführten Art, die auch europaweit den höchsten Schutzstatus genießt.
Das Untersuchungsgebiet ist die Umgebung des Flughafens Weeze am Niederrhein. Dort brüten noch etwa zehn Paare Nachtschwalben in geringer Entfernung zu den Leiteinrichtungen für die Start- und Landebahn. Außerdem gibt es auf dem ehemaligen Militärflugplatz ein sogenanntes Eventgelände, auf dem während der Brutzeit von Juni bis August an Wochenenden abendliche und nächtliche Veranstaltungen statt.

Mitte Juli findet zudem eine Großveranstaltung mit 70.000 Besuchern pro Tag an einem verlängerten Wochenende statt, bei dem das Veranstaltungsgelände großflächig ausgeleuchtet ist. Hinzu kommen Pyrotechnik auf den Showbühnen und Höhenfeuerwerk.
In einer Voruntersuchung wurden drei männliche Nachtschwalben gefangen und mit Sendern ausgestattet. Über die Ortung der Tagesruheplätze der auf dem Boden brütenden Vögel wurden auch Nester gefunden. In deren Nähe wurden Nestkameras installiert, die Aufschluss über die nächtlichen Aktivitäten geben sollen. Gleichzeitig werden die Aktivitäten der besenderten Männchen mittels Peilstationen im Gelände überwacht. Licht- und Schallmessungen komplettieren die Datenaufnahme.

Wegen der coronabedingten Einschränkungen gab es im ersten Jahr der Untersuchung nur wenige Störreize, so dass dieses Jahr als Testlauf und Vergleichswert genutzt wurde. Nach dem Ende der Coronabeschränkungen wird es durch genehmigte Veranstaltungen im Umfeld des Brutgebiets wieder zu vermehrten Störreizen kommen, deren Auswirkungen auf die Vögel dann ermittelt werden sollen.
Die Forschung ist auch unmittelbar für den Naturschutz relevant, weil sie beispielsweise auch Aufsichtsbehörden Hinweise geben kann, wann es nötig ist, bestimmte Verbote oder Beschränkungen zum Schutz der Vögel zu erlassen und wann darauf verzichtet werden kann. Damit können die Ergebnisse auch einen Beitrag zu einem verträglichen Miteinander von Natur und Mensch beitragen.

Die Stiftung Natur und Landschaft Westmünsterland hat sich zur Aufgabe gemacht, (ehemals) heimische Pflanzenarten feuchter/nasser und nährstoffarmer Standorte, an Heide- und Moorgewässern im Westmünsterland wieder anzusiedeln. Viele dieser Pflanzenarten sind durch den Verlust an geeigneten Gewässern aus unserer Landschaft verschwunden.

Der Schutz der biologischen Vielfalt steht weit oben auf der politischen Agenda. Er ist Ziel auf allen politischen Ebenen – von den Vereinten Nationen, über die nationale bis hin zu kommunalen Ebene. Letztlich müssen Förderung und Erhalt der Artenvielfalt aber vor Ort stattfinden: Ob im Amazonas oder bei uns. Handlungsbedarf besteht überall gleichermaßen. Das von der Stiftung Natur und Landschaft Westmünsterland beitriebene Projekt „Wiederansiedlung von Pflanzenarten im Westmünsterland“ verfolgt das Ziel, als Beitrag zum Schutz und zur Wiederherstellung regionaler Biodiversität die pflanzliche Artenvielfalt des Westmünsterlandes zu fördern.

Konkret geht es um Arten des Feuchtgrünlandes, die für die Region besonders typisch sind und für deren Erhalt dort eine besondere Verantwortung besteht. Der Lebensraum, der für dieses Projekt ausgewählt wurde, steht ganz besonders stark unter Druck: Feuchtwiesen und Kleingewässer. Dort soll im Zuge des Vorhabens die ursprüngliche pflanzliche Vielfalt durch gezieltes Management und Ausbringung gezüchteter Pflanzen wenigstens zum Teil wieder zurückkehren.
Dazu sollen zunächst passende Gewässer und Wiesenstandorte innerhalb bereits bestehender Naturschutzflächen identifiziert und die formalen Voraussetzungen für die Ausbringung der Pflanzen in Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden und Flächeneigentümern geschaffen werden.

Im Laufe des ersten Projektjahres soll auch bereits mit der Auswahl und Ansiedlung der ersten an die jeweiligen Lebensräume genau angepassten Pflanzenarten begonnen werden. Neben der natürlichen Ausbreitung über die bereits ausgebrachten Pflanzen kommen ab dem zweiten Projektjahr auch zuvor in Kultur genommene und dort vermehrte Pflanzen hinzu. Die Fortschritte werden durch ein engmaschiges Monitoring dokumentiert. Zum Ende des dritten Projektjahres wird in einem ausführlichen Projektbericht Bilanz zum Stand des Vorhabens gezogen. Geplant ist dann auch, interessierte Bürgerinnen und Bürger in Exkursionen und die Öffentlichkeit über Medienarbeit an den Ergebnissen des Projekts teilhaben zu lassen und so für den Schutz einer lebendigen Kulturlandschaft zu werben.