Zülpicher Börde – Biodiversitätsfördernde Maßnahmen

Monitoring biodiversitätsfördernder Maßnahmen in der Agrarlandschaft der Zülpicher Börde Abschlussbericht

Um die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Steigerung der Artenvielfalt einschätzen zu können, sind möglichst lückenlose Datenreihen aus dem begleitenden Monitoring nötig. Diesem Ziel dient das Projekt einer Bestandsaufnahme der Vogelarten und die Ermittlung der Insektenbiomasse in einer großflächigen Agrarlandschaft.

Um zu überprüfen, ob Projekte zur Förderung der Artenvielfalt erfolgreich verlaufen, ist ein begleitendes Monitoring nötig. Die Biologische Station Düren hat deshalb ein Projekt gestartet, bei dem es darum geht, Fortschritte für die Vogel- und Insektenvielfalt in einem 34.000 Hektar großen Ackerbaugebiet in der Zülpicher Börde zu bewerten. Dort beriet die Landwirtschaftskammer im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Modellprojekts über vier Jahre hinweg Landwirte, wie sie die Artenvielfalt steigern können. Weil auch nach der Beratung der Anteil an Flächen mit biodiversitätssteigernden Maßnahmen mit etwa drei Prozent weiterhin sehr gering blieb, soll die Beratung im Rahmen eines weiteren Projekts über den bisherigen Zeitraum – das erste Projekt endete 2020 – fortgesetzt werden.

Auch Grauammern fühlen sich in Blühflächen wohl (Foto © Biologische Station Düren)
links: Insektenerfassung mit dem „Insektenstaubsauger“ D-Vac-Sampler (Foto © A.Schieweling) rechts: Spinne auf Gerste (Foto © Biologische Station Düren)
Rebhühner und Grauammern gehören zu den Agrarvogelarten, die unter der Intensivlandwirtschaft leiden.
links: Rebhuhn (Foto © Marek Szczepanek) | rechts: Grauammer (Foto © Matthieu Gauvain)

Das Monitoring der für den Lebensraum Agrarlandschaft typischen Brutvogelarten auf zehn jeweils 100 Hektar großen Flächen ergab ein gemischtes Bild. Beim Rebhuhn, einer der bundesweit am stärksten bedrohten und am schnellsten zurückgehenden Agrarvogelart, musste auch im Untersuchungsgebiet eine deutliche Abnahme konstatiert werden. Gegenüber 2017 mit 28 rufenden Männchen in den acht seitdem durchgängig untersuchten Quadraten hat sich die Zahl in 2020 mehr als halbiert (13 rufende Männchen). Dagegen nahm die Zahl der Grauammer-Reviere im Vergleich zu 2018 deutlich zu. 54 gefundene Reviere entsprechen einer Zunahmen von etwa 60 Prozent.

Gewisse positive Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der biodiversitätsfördernden Maßnahmen lassen die Ergebnisse der Vogelkartierung zu. Die Zahl der territorialen Bluthänflinge, Dorngrasmücken, Goldammern, Rebhühner, Schwarzkehlchen und Wachten lag auf den Quadraten mit einem relativ hohem Anteil an Maßnahmenflächen (> 5,8 %) höher als in denen mit einem niedrigem Anteil (< 2,6 %) an Maßnahmenfläche.

Die Ergebnisse der Insektenuntersuchungen in Malaisefallen ergaben, dass die Insektenbiomasse 2019 im Schnitt geringer war als im Jahr davor. Am höchsten war sie noch auf einer ökologischen Ausgleichsfläche für ein Windenergieprojekt. Felder auf denen aus Naturschutzgründen auf die Ernte verzichtet wurde.

inks: Monitoring der vorkommenden Vogelarten (Foto © A.Schieweling) | rechts: Dorngrasmücke (Foto © privat)
Die Insektenbiomasse wurde mit Hilfe von Malaisefallen ermittelt (Foto © DKrieger)

Hier zum Stand 2019

Monitoring biodiversitätsfördernder Maßnahmen in der Agrarlandschaft der Zülpicher Börde

Monitoring biodiversitätsfördernder Maßnahmen in der Agrarlandschaft der Zülpicher Börde Abschlussbericht

Dank finanzieller Unterstützung der Stöckmann-Stiftung zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz konnte die Biologische Station Düren auch im Jahr 2021 die Brutvogelkartierung in 10 jeweils 100 ha großen Quadraten sowie die Verfügbarkeit von Nahrungsorganismen mittels D-Vac Sampling fortführen.

Abb. : Der D-Vac Sampler im Einsatz auf einer neuen mehrjährigen Blühfläche, 13.07.2020
(Foto Biologische Station Düren)

In 2021 ist der Anteil der Maßnahmenflächen in den zehn Untersuchungsquadraten weiterhin angestiegen. Im Vergleich zu 2017 hat sich in 2021 der Anteil Maßnahmenflächen von 2,3 Prozent auf insgesamt 5,4 Prozent der Ackerfläche mehr als verdoppelt.

Die Ergebnisse der Brutvogelkartierung bestätigen den positiven Effekt der Maßnahmenflächen auf die Siedlungsdichte der verschiedenen Vogelarten. Der Rebhuhn-Bestand zeigt für die acht in allen fünf Jahren untersuchten Stichprobenflächen ab dem Jahr 2021 einen leicht steigenden Trend. Auch der Bestand der Grauammer zeigt weiterhin einen steigenden Trend. 

Die Bestandsschwankungen müssen mit Vorsicht betrachtet werden, da fünf Jahre eine zu kurze Zeitreihe bilden, um Aussagen über Populationstrends zu treffen. Natürliche Bestandsschwankungen können in einer solch kurzen Zeitreihe noch eine vom tatsächlichen langfristigen Trend abweichende Bestandsentwicklung vortäuschen. 

In 2021 lagen die Insektenbiomassen der Proben, die beim D-Vac Sampling gesammelt wurden, zwischen 5,1 mg auf konventionellen Maisäckern und 132,1 mg auf alten mehrjährigen Blühflächen (Abb. 5). Die zwei Typen mehrjährige Blühflächen und konventionelle Rapsflächen zeigten die höchsten Biomassen. Die konventionellen Maisflächen zeigten mit Abstand die geringsten Biomassen.

Die Insektenbiomasse ist also auf Flächen mit hohem Blütenangebot – Maßnahmenflächen sowie blühende Kulturen – am höchsten und damit auf Flächen, die von vielen Vogelarten bevorzugt genutzt werden. Ein Zusammenhang zwischen Nahrungsangebot und den Individuendichte bei der Avifauna ist deshalb anzunehmen. 

Hier zum Stand 2019

Hochmoorschmetterlinge im Satrupholmer Moor in Schleswig-Holstein

Hochmoorschmetterlinge im Satrupholmer Moor in Schleswig-Holstein Projektbeschreibung

Die Kartierung eines Moorgebietes in Schleswig-Holstein dokumentiert den Artenverlust an Schmetterlingen in den vergangenen Jahrzehnten, belegt zugleich aber den anhaltenden Wert des Satrupholmer Moores für typische Moor-Schmetterlingsarten, die teilweise vom Aussterben bedroht sind.

Um die Entwicklung der Artenvielfalt bewerten zu können und letztlich ihren Schutz sicherzustellen, sind langjährige Daten über das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten in einem Gebiet von großer Bedeutung. Oft können keine Vergleiche über einen längeren Zeitraum angestellt werden, weil es an entsprechenden Daten mangelt. Damit kann auch der Verlust von Arten nicht festgestellt werden. Die alte Weisheit: „Nur, was man kennt, wird man auch schützen“, kann in „Nur, was man auch kennt, kann man überhaupt schützen“ umformuliert werden.

Satrupholmer Moor – Scheidenwollgras das den Verlauf des Torfwalles kenntlich macht

Die Bilder A - D zeigen die Entwicklung vom Zitterpappelwald zum sich allmählich schließenden Moortümpel. In dem Loch, das durch die Torfentnahme entstanden war, wurde das Holz vergraben, damit kein CO2 durch Vermodern an der Luft entstehen konnte. Der Ausgangszustand am östlichen Abzugsgraben (Bild E) veränderte sich nach dem vierten Sommer zu einer Wasserfläche mit Binsengürtel und randlichem Gagelgebüsch (Bild G). Der eingestaute Graben – oberhalb vom Abzugsgraben (Bild G) – war schon nach vier Jahren von schwimmenden Torfmoosen weitgehend bedeckt (Bild F). Das Bild H zeigt ein Kranichnest am Rande der Wasserfläche des Abzugsgrabens.

Das Flachwasser am Rand haben Kraniche als Brutplatz gewählt.

Das Satrupholmer Moor in Schleswig Holstein bietet in dieser Hinsicht ideale Voraussetzungen für eine Ermittlung der Biodiversitätsentwicklung. Es ist das einzige Hochmoor Schleswig-Holsteins, dessen charakteristische Schmetterlingsfauna bereits vor 80 Jahren umfassend und systematisch untersucht und dokumentiert wurde. Um die Entwicklung der Schmetterlingsfauna über die wechselhafte Geschichte des Moores seitdem zu dokumentieren, wurde eine umfassende Bestandsaufnahme von Tag- und Nachtfaltern unternommen. Im Zuge der aktuellen Kartierung wurden 181 Großschmetterlingsarten nachgewiesen. Darunter konnten eine vom Aussterben bedrohte Art, sechs stark gefährdete Arten, acht gefährdete Arten der Roten Liste Schleswig-Holsteins sowie sechs Arten der Vorwarnliste registriert werden. Auch bundesweit sind einige dieser Arten ebenfalls in der Roten Liste eingestuft. So gelten eine Art als vom Aussterben bedroht, vier Arten als stark gefährdet und fünf Arten als gefährdet. Weitere vier Arten werden auf der bundesdeutschen Vorwarnliste geführt. Das Vorkommen weiterer Arten der Roten Listen ist sehr wahrscheinlich, um aber einen vollständigen Überblick zu erhalten, ist eine längere Untersuchungszeit als ein Jahr nötig. Erschwerend kommt hinzu, dass das Untersuchungsjahr 2018 durch extreme Wärme und Trockenheit gekennzeichnet war. Das hat zu zu starken Defiziten im Wasserhaushalt der ohnehin vorgeschädigte Moore geführt, wodurch auch die Entwicklungshabitate und –zyklen der typischen Moorschmetterlinge stark beeinflusst wurden.

Großer Kohlweißling

In der Bilanz konnte durch die Kartierung festgestellt werden, dass die Schmetterlingsfauna des Satrupholmer Moores im Vergleich zur Kartierung von 1939/40 verarmt ist. Dies betrifft in hohem Maße viele Arten der angrenzenden Niedermoorflächen aber auch hochmoortypische Arten. Einige, wie der Hochmoor-Perlmuttfalter, sind erst in den letzten Jahren erloschen. Andere, wie die Hochmoor-Rindeneule, sind vielleicht noch vorhanden, konnten aber im Rahmen dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden.
Trotz Artenverarmung bleibt das Satrupholmer Moor ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Schmetterlinge.

Trotz der festgestellten Artenverarmung weist das Satrupholmer Moor aufgrund des weiterhin vorkommenden Artenspektrums eine hohe auch überregionale Bedeutung für landesweit stark bedrohte charakteristische Hochmoorschmetterlingsarten auf. Hochmoore zählen zu den am stärksten veränderten Lebensräumen Schleswig-Holsteins und anderer Bundesländer, weshalb jedes einzelne Vorkommen typischer Arten wichtig für den Erhalt der landeseigenen Biodiversität ist. Denn durch die starke Isolierung und Fragmentierung der verbliebenen Moor-Lebensräume ist eine Wiederbesiedlung aus anderen Mooren wenig wahrscheinlich.

Braunfleckiger Perlmuttfalter
Hochmoor-Perlmuttfalter
Die Raupen fressen nur die Blätter der Moosbeere. Sind die Schmetterlinge erwachsen, trinken diese den Blütennektar verschiedener Pflanzen im Moor und auf angrenzenden Wiesen.
Wiedererweckte Pflanzevielfalt im renaturierten Moor:
Pfifferlingssaftling, Moorlilie, Blutauge, Schmalblättriges Wollgras und Glockenheide
 
(Fotos © Manfred Koch)

Hier zum Abschlussbericht (2019)

Evaluierung der moorspezifischen Schmetterlingsfauna des Satrupholmer Moors

Evaluierung der
moorspezifischen Schmetterlingsfauna des Satrupholmer Moors Abschlussbericht

Das Satrupholmer Moor ist das einzige Hochmoor Schleswig-Holsteins, dessen charakteristische Schmetterlingsfauna bereits vor 80 Jahren umfassend und systematisch durch LICHTWERK (1939) untersucht und dokumentiert wurde.

Die Schmetterlingsfauna des Satrupholmer Moores ist im Vergleich zu 1939/40 verarmt. Dies betrifft in hohem Maße viele Arten der angrenzenden Niedermoorflächen, aber auch hochmoortypische Arten. Einige Arten, wie der Hochmoor-Perlmuttfalter, sind erst in den letzten Jahren verschwunden. Andere, wie die Hochmoor-Rindeneule, sind vielleicht noch vorhanden, konnten aber im Rahmen dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden.

Die Untersuchungsergebnisse müssen im historischen Vergleich mit zwei Einschränkungen betrachtet werden:

•  LICHTWERK veröffentlicht seine Forschungsergebnisse grundsätzlich auf der Grundlage
    langjähriger Untersuchungen. Der vorliegende Bericht basiert jedoch nur auf einer
    einjährigen Untersuchung.

•  Die Kartierungsergebnisse müssen vor dem Hintergrund des ungewöhnlich trocken-warmen
    Witterungsverlauf von 2018 gesehen werden: Die ausbleibenden Niederschläge haben landesweit,
    aber insbesondere in degenerierten Hochmooren zu starken Defiziten im Wasserhaushalt geführt.
    Die Entwicklungshabitate und –zyklen der typischen Moorschmetterlinge wurden auch davon
    stark beeinflusst.

Erst der geschulte Blick enttarnt machen kleinen Bewohner des Hochmoores

Kleine, individuenschwache Populationen können dadurch völlig erloschen oder auf so wenige Tiere reduziert worden sein, dass ein Nachweis nicht erbracht werden konnte. Eine abschließende Bewertung kann deshalb nicht getroffen werden. Gleichwohl weist das Satrupholmer Moor aufgrund des weiterhin vorkommenden Artenspektrums eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung für die landesweit stark bedrohten charakteristischen Hochmoorschmetterlingsarten auf.

Hochmoore zählen zu den am stärksten veränderten Lebensräumen Schleswig-Holsteins, jedem Vorkommen typischer Arten muss deshalb eine wichtige Bedeutung für den Erhalt der landeseigenen Biodiversität zugewiesen werden. Denn die verbliebenen Hochmoore liegen in der heute anthropogen überprägten Landschaft weiträumig isoliert voneinander. Eine Wiederbesiedlung von tyrphobionten Arten aus anderen Mooren erscheint deshalb wenig wahrscheinlich.

Foto links: Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi) zählt zu den typischen Moorarten; LICHTWERK erwähnt ihn noch als überaus häufig, im
Rahmen dieser Untersuchung konnten nur noch wenige Falter beobachtet werden. Foto rechts: Männchen des Kleinen Nachtpfauenauges
(Saturnia pavonia); 2019 konnte lediglich eine Raupe dieser Art beobachtet werden

Hier zur Projektbeschreibung (abgeschlossen 2019)

Forschung zu Insekten- und Vogelbeständen in Grasland-Lebensräumen

Forschung zu Insekten- und Vogelbeständen in Grasland-Lebensräumen Projektbeschreibung

Wissenschaftler der Universität Osnabrück untersuchen das Zusammenspiel von Insekten- und Vogelbeständen in extensiv genutzten Wiesen. Das zweijährige Projekt soll helfen, Maßnahmen zur Förderung der Insekten als Grundlage auch für eine vielfältigere Vogelwelt zu erarbeiten.

Studien von Insektenforschern aus Krefeld haben dafür gesorgt, dass das Thema Insektensterben auch politisch stärker beachtet wird. Im Frühjahr 2021 brachte beispielsweise die Bundesregierung ein Insektenschutzgesetz auf den Weg. Weil Insekten weltweit die artenreichste Gruppe aller Lebewesen bilden, sind sie ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt und erfüllen zahlreiche ökologische Aufgaben. Neben den Bestäuberleistungen sind sie auch eine entscheidende Nahrungsgrundlage für fast alle Vogelarten. Der Rückgang der Insekten hat deshalb weitreichende ökologische Folgen.

Studien von Insektenforschern aus Krefeld haben dafür gesorgt, dass das Thema Insektensterben auch politisch stärker beachtet wird. Im Frühjahr 2021 brachte beispielsweise die Bundesregierung ein Insektenschutzgesetz auf den Weg. Weil Insekten weltweit die artenreichste Gruppe aller Lebewesen bilden, sind sie ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt und erfüllen zahlreiche ökologische Aufgaben. Neben den Bestäuberleistungen sind sie auch eine entscheidende Nahrungsgrundlage für fast alle Vogelarten. Der Rückgang der Insekten hat deshalb weitreichende ökologische Folgen.

Magergrünland „Salbei-Glatthaferwiese“ (Foto © Thomas Fartmann)
Kalkmagerrasen mit Wacholder (Juniperus communis) und Helm-Knabenkraut (Ochis militaris) (Foto © Thomas Fartmann)

Das Forscherteam aus der Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie will während der zweijährigen Projektlaufzeit eine statistisch belastbare Datenbasis schaffen, die es anschließend ermöglicht, Zusammenhänge zwischen Insektenfauna und Vogelwelt herzustellen und entscheidende Umweltparameter für den Artenreichtum der untersuchten Lebensräume zu ermitteln. Dabei werden auf mehr als 50 Untersuchungsflächen im Projektgebiet – dem Diemeltal im westfälisch-hessischen Grenzgebiet – Heuschrecken  und Brutvögel erfasst. Heuschrecken wurden als Modellart ausgewählt, weil sie eine wichtige Nahrungsgrundlage für insektenfressende Vogelarten im Grasland darstellen und zugleich sehr sensibel auf Veränderungen der Landnutzung reagieren.

Ziel des Projekts ist es, Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden, nachhaltigen Management von Grasland-Lebensräumen zu entwickeln. Das Forschungsvorhaben besitzt Modellcharakter für viele Regionen Mitteleuropas. Durch die Publikation der Ergebnisse sollen praxisorientierte Wissenschaftler und Landschaftsplaner von der regionalen bis zur internationalen Ebene erreicht werden, die die Erkenntnisse des Projekts nutzen.

Hier zum Abschlussbericht

Insektenabundanzen und Vogelgemeinschaften extensiv genutzter Graslandhabitate

Insektenabundanzen und
Vogelgemeinschaften extensiv genutzter Graslandhabitat Abschlussbericht

Eine Grundlagenstudie zum nachhaltigen Schutz
der heimischen Vogelwelt

In diesem Projekt dienten Heuschrecken als Indikatoren für das Nahrungsangebot von Vögeln in Kalkmagerrasen und im mesophilen Magergrasland des Diemeltals (Nordrhein-Westfalen/Hessen). Zudem wurden die Zusammenhänge zwischen den Umweltbedingungen und der Zusammensetzung der Vogel- bzw. Heuschreckengemeinschaften in diesen Habitaten analysiert. Aufbauend auf diesen Studien wurden Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen und mesophilem Magergrasland in Mitteleuropa abgeleitet. Für die Brutvogelgemeinschaften zeigte sich, dass erstens die Habitat-/Landschaftsheterogenität und zweitens ein warmes Klima während der Brutzeit die Artenvielfalt und Abundanzen der Brutvögel in extensiv genutzten Graslandhabitaten im Diemeltal fördern. Kalkmagerrasen waren die Hotspots der Artenvielfalt und Dichten. Dies galt in besonderer Weise für die heterogenen, wacholderreichen Kalkmagerrasen. Sie stellen Schlüsselhabitate für arten- und individuenreiche Brutvogelgemeinschaften dar.

Sie sind durch kleinräumige Habitatmosaike gekennzeichnet, die geeignete Nistplätze und Nahrungshabitate in räumlicher Nachbarschaft aufweisen. Im Gegensatz dazu fiel das mesophile Magergrasland eher durch eine homogene Grasnarbe auf. Zudem waren Sträucher und Bäume als Brutplätze für Strauchbrüter normalerweise lediglich am Rand der Parzellen vorhanden.

 Phytodiversität Gentiano-Koelerietum und Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus Weibchen) Fotos © Thomas Fartmann)
 Phytodiversität Gentiano-Koelerietum und Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus Weibchen) Fotos © Thomas Fartmann)

Die Sommertrockenheit war der wichtigste limitierende Faktor für hohe Heuschreckenabundanzen in Kalkmagerrasen und dem mesophilen Magergrasland. Der Einfluss überlagerte sogar die Unterschiede in der Habitatqualität zwischen Kalkmagerrasen und mesophilem Magergrasland. Wetterextreme – wie sommerliche Dürreperioden – sollen im Zuge des Klimawandels häufiger werden. Entsprechend besteht ein dringender Bedarf an Naturschutzstrategien, die die Resistenz und Resilienz von Extensivgrasland und ihrer Insektengemeinschaften gegenüber Sommerdürre erhöhen. Basierend auf den vorgestellten Befunden beinhalten die Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Kalkmagerrasen und mesophilem Magergrasland in Mitteleuropa folgende Aspekte:

In unseren Untersuchungen erwiesen sich insbesondere die heterogenen, wacholderreichen Kalkmagerrasen als Schlüsselhabitate für arten- und individuenreiche Brutvogelgemeinschaften. Darüber hinaus ist Habitatheterogenität ein wirksamer Puffer gegenüber Wetterextremen, wie beispielsweise Sommerdürren, die im Zuge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Folglich empfehlen wir die Erhöhung der kleinräumigen Heterogenität in Kalkmagerrasen und im Magergrasland

1. die Erhöhung der Habitatheterogenität
2. die Vorstellung geeigneter Nutzungssysteme für das Grasland und
3. die Renaturierung von artenreichem Grasland

Hier zur Projektbeschreibung

Faunistische Untersuchungen von Säumen und Blühstreifen im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“

Faunistische Untersuchungen von
Säumen und Blühstreifen im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“

Eine Grundlagenstudie zum nachhaltigen Schutz
der heimischen Vogelwelt

Beispielhafte Darstellung des Versuchsdesigns mit Schonstreifen und Vergleichstransekt auf derselben Fläche (Foto li.). Tagfalter sind aufgrund des Nektarangebotes immer an blühende Pflanzen gebunden. Deshalb kommen sie im intensiv bewirtschafteten Grünland mit wenigen Wiesenkräutern kaum vor. Der positive Effekt der Schonstreifen konnte folglich im Extensivgrünland anhand der Tagfalter deutlicher nachgewiesen werden. Das großes Ochsenauge bevorzugt violette Blüten, wie hier die Wiesen-Flockenblume (Foto re.)

Die meisten Grünlandflächen im Kreis Kleve werden intensiv bewirtschaftet und dabei überwiegend zeitgleich sowie großflächig gemäht. Bearbeitungsschritte wie Schleppen, Walzen und Mähen zerstören den Lebensraum der Kleintierfauna und finden während der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten statt. Säume und Blühstreifen können als Rückzugsort und Nahrungshabitat dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten. Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. hat von 2018 bis 2020 im Nordkreis Kleve Säume im Grünland und Blühstreifen und Brachen in Ackerflächen auf das Vorkommen ausgewählter Tierarten untersucht. Ziel des Projektes war, einen genaueren Wissensstand über die ökologische Bedeutung von Schonstreifen, Säumen und Blühstreifen zu erlangen, um die Anlage und Pflege naturschutzfachlich weiter zu optimieren. In den Grünlandsäumen wurden Feldhasen, Tagfalter, Heuschrecken, Gehäuseschnecken und andere Insekten erfasst. Auf den Ackerflächen wurden Feldhasen, Rebhuhn, Heuschrecken, Tagfalter und andere Insekten untersucht.

Die Untersuchungen im Grünland konnten deutlich zeigen, dass bei der Mahd innerhalb der bewirtschafteten Fläche Schonstreifen – also Flächen, die nicht gemäht wurden - sowohl im Extensiv- als auch im Intensivgrünland von großer Bedeutung für viele Tiergruppen sind.

Sie dienen zum einen als Refugium nach der Mahd, von dem aus die Wiederbesiedlung der Flächen stattfindet. Zum anderen bleiben durch die Schonstreifen Nahrungshabitate erhalten und ermöglichen eine Vernetzung der Biotope in der Landschaft. Wenn sie lange genug stehen bleiben, dienen sie auch als Reproduktionsraum für viele Insekten. Dauerhafte Säume, die keiner Bewirtschaftung unterliegen, sind überlebenswichtige Strukturen für Arten, die nicht an eine Mahdnutzung angepasst sind, wie beispielsweise Schnecken. Sie sind ebenso unverzichtbar für andere Grünlandarten als Nahrungs-, Rückzugs-, Reproduktions- und Entwicklungsraum.

Von Blüh- und Brachestreifen in Ackerflächen profitieren alle Tierartengruppen. Von den einjährigen Blühstreifen profitieren vor allem die flugfähigen, blütenbesuchenden Insekten. Das ist in dem hohen Blütenreichtum begründet, der jedoch nur von kurzer Dauer ist.

Einjähriger Blühstreifen mit Blühaspekt von Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia) und Ringelblume (Calendula officinalis) am 18.7.2019 (Foto li.) und Mehrjähriger Blühstreifen mit Dominanz von Gelbem Steinklee (Melilotus officinalis), aufgenommen am 4.7.2019. (Foto re.)

Von Blüh- und Brachestreifen in Ackerflächen profitieren alle Tierartengruppen. Von den einjährigen Blühstreifen profitieren vor allem die flugfähigen, blütenbesuchenden Insekten. Das ist in dem hohen Blütenreichtum begründet, der jedoch nur von kurzer Dauer ist. Einjährige Streifen bieten darüber hinaus keine Reproduktionsmöglichkeiten für Insekten. Mehrjährige Blühstreifen und Brachen haben in der Regel einen weniger intensiven Blühaspekt, der aber von längerer Dauer ist. Mehrjährige Blühstreifen sind deshalb für blütenbesuchende Insekten am attraktivsten. Aber auch für weniger mobile Arten und zur Fortpflanzung sind mehrjährige Blühstreifen und Brachen von großer Bedeutung. Sie erfüllen ähnlich wie die permanenten und überjährigen Säume im Grünland zusätzliche Funktionen für die Überwinterung, Reproduktion und Entwicklung von verschiedenen Tiergruppen.

Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern

Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Die Wiederholung einer Untersuchung zur Insektenvielfalt in landwirtschaftlich genutzten Flächen im Münsterland zeigt den Insektenschwund über die vergangenen beiden Jahrzehnte auf.

Vergleichsuntersuchungen im selben Gebiet und unter identischen Bedingungen sind besonders wertvoll, um ökologische Veränderungen zu analysieren. Allerdings fehlen oft Daten aus der Vergangenheit. Liegen diese aber vor, bietet sich durch Wiederholungsuntersuchungen eine Chance, die Entwicklung der Artenvielfalt präzise zu beschreiben und damit eine Grundlage für Lösungsansätze zu liefern. Das ist auch das Ziel des Projekts „Langfristige Entwicklung der Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland“.

Aus einem Ackerbaugebiet im Kreis Steinfurt liegen von sieben Ackerflächen genaue Untersuchungsergebnisse zur Insektenfauna aus dem Jahr 1999 vor. Im Rahmen des Projekts wurden nun im Jahr 2019 die Untersuchung auf vieren dieser Flächen unter exakt gleichen Bedingungen 20 Jahre später wiederholt.

Die Ergebnisse der Untersuchung an Laubkäfern weisen einen deutlichen Verlust an Artenvielfalt, aber auch an Insektenmasse nach: In den Bodenfallen wurden vor 20 Jahren noch 69 Laufkäferarten mit 23.782 Individuen gefangen, während es im Jahr 2019 nur noch 63 Arten mit 9.061 Individuen waren.

Die Abnahme wurde auf allen vier Probeflächen festgestellt. Der Rückgang war auf konventionell bewirtschafteten Flächen deutlich stärker als auf einer ökologischen. Allerdings waren Individuen- und Artenzahl der Laufkäfer in allen Fällen in 2019 geringer als 1999.

Clivina fossor – Loricera pilicornis – Pterostichus longicollis

Durch den direkten Vergleich mit der Biodiversitätssituation von vor 20 Jahren auf den exakt gleichen Flächen können den Landwirten hochrelevante und für ihren Betrieb spezifische Daten zur Verfügung gestellt werden. Dies kann eine besondere Motivation darstellen, auf diesen Flächen (und darüber hinaus) insektenfreundliche Maßnahmen einzuleiten. Die Untersuchung soll auch einen Beitrag dazu leisten, die Konsequenzen und Mechanismen des langfristigen Rückgangs von Insekten und Wildpflanzen in der Agrarlandschaft zu bewerten, unter anderem mit Blick auf ihre Bedeutung als Nahrungsgrundlage für Vögel. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zum Biodiversitätsschutz, über die Untersuchungsregion hinaus.

Poster: Evidenz für Artensterben. (Zum Download Bild anklicken)

Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Biodiversität auf Äckern im Sandmünsterland

Langfristige Rückgänge in der Artenvielfalt und Populationsdichte wurden über die letzten Jahrzehnte für verschiedene Insektengruppen in etlichen Studien weltweit und in verschiedenen Ökosystemen dokumentiert. Für die Gruppe der Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) ist insbesondre auf Ackerflächen derzeit jedoch unklar, ob und falls ja, in welcher Größenordnung eine solche dramatische Abnahme ebenfalls zu verzeichnen ist. Als Komponente der agrarischen Biodiversität spielen Laufkäfer eine wichtige Rolle in Agrarökosystemen, u.a. in der Regulation von Schädlingen. Insofern ist der Schutz dieser Gruppe von besonderer Bedeutung. Im Jahr 1999 wurden im Sandmünsterland sieben Ackerflächen mit unterschiedlicher Bewirtschaftung auf die Artenzusammensetzung der Laufkäfergemeinschaften mittels Bodenfallen untersucht. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Erfassung im Jahr 2019 mit gleichen Methoden auf vier der vormals untersuchten Flächen wiederholt, um so Änderungen in der Artenzusammensetzung, Aktivitätsdichte und Artenzahl der Laufkäfer zu dokumentieren.

Um solche Änderungen in Beziehung zu jährlichen Schwankungen zu setzen, die natürlich, d.h. ohne einen unterliegenden Trend, auftreten, wurde ein weiterer Datensatz zur Analyse herangezogen, welcher Laufkäferfänge mittels Bodenfallen aus den Jahren 1983 und 1986 auf Ackerflächen in Düren umfasst. Die Ergebnisse der Fangdaten zeigen eine deutlich geringere Aktivitätsdichte vieler Carabidenarten in 2019 als in 1999 (9061 gegenüber 23782 Individuen). Unterschiede zwischen den beiden Jahren hinsichtlich der Artenzahl waren jedoch weniger deutlich (69 Arten in 1999 im Vergleich zu 63 Arten in 2019). Von 47 Arten, die auf mindestens drei Äckern auftraten, zeigten 19 einen signifikant negativen Trend zwischen den beiden Jahren. Im Vergleich dazu war in der Benchmarking-Studie aus den 1980ern nur für eine von 19 Carabidenarten ein signifikant negativer Unterschied zwischen den Untersuchungsjahren zu verzeichnen. Damit deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der für andere Insektengruppen dokumentierte Rückgang auch für Carabidenzönosen auf Ackerland auftritt. Maßnahmen zu deren Schutz werden daher zunehmend dringlich.