
Der Wolf ist zurück in Deutschland. 150 Jahre nach der Ausrottung des verfemten Beutegreifers leben heute wieder rund 130 Wolfsrudel
– als solche werden die Familienverbände bezeichnet – in Deutschland.
In zwölf der 16 Bundesländer gibt es Wolfsvorkommen. Schon bald könnten es noch sehr viel mehr sein. Das Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin modellierte, dass Deutschland gemessen an den Lebensraum-Ansprüchen der Tiere ein Potenzial für insgesamt 700 bis 1400 Wolfsreviere hat.
Um das Zusammenleben von Mensch und Wolf in einem so dicht besiedelten Gebiet wie Deutschland verträglich zu gestalten und damit auch die Akzeptanz für den Wolf zu erhalten, sind umfangreiche Kenntnisse der Lebensweise der heimlichen Jäger in der Kulturlandschaft erforderlich. Eines der besten Mittel dazu ist die Ausstattung von einzelnen Wölfen mit GPS-Sendern. Diese Methode wird seit langem bei vielen Wildtierarten angewendet und bietet metergenaue aktuelle Informationen über den Aufenthaltsort eines Tieres. Die Daten lassen Rückschlüsse auf die Lebensweise und das Verhalten der Tiere zu. m die Wölfe zu besendern, müssen die schlauen Tiere aber zunächst gefangen werden. Diesem Ziel dient das Projekt „Entwicklung von Lockmitteln für Wölfe“ des Instituts für Wildbiologie Göttingen, Dresden (IWGD).


Zwar werden Wölfe bereits seit langem in Fallen gefangen. Eine Weiterentwicklung der Strategien zum Anlocken von Wölfen würde die Erfolgschancen beim Fang aber erheblich steigern und somit die Ausgangslage für die Erforschung und das Management von Wölfen in Deutschland deutlich verbessern.
Geplant ist, verschiedene Köder und olfaktorische Lockstoffe im Gehege und vor allem in der freien Wildbahn auf ihre Wirkung zu testen. Ziel des Vorhabens ist es, innerhalb eines Jahres einen praxistauglichen Ansatz zu finden und – wenn möglich – umfangreich im Freiland zu erproben. Seitens des IWGD sollen die Ergebnisse in die laufenden oder geplanten Forschungsprojekte zum Wolf integriert werden, unter anderem in den Fang und die Besenderung von Wölfen. Für die Freilandexperimente sollen der Truppenübungsplatz Grafenwöhr und die angrenzenden Waldbereiche genutzt werden. Durch ein laufendes Forschungsvorhaben ist dort schon eine umfangreiche Infrastruktur vorhanden, die für den Test von Lockmitteln genutzt werden kann. Im Rahmen der Freilandexperimente als besonders attraktiv identifizierte Lockstoffe können so großräumig getestet werden. Auch Störfaktoren oder ungewollte Manipulationen der Feldexperimente etwa durch Spaziergänger oder Hunde können auf dem Truppenübungsplatz aufgrund eines generellen Betretungsverbots ausgeschlossen werden.
Die Videos zeigen Aufnahmen aus den Territorien von Wolfsrudeln in Polen. Dort wurden an zahlreichen – regelmäßig von Wölfen frequentierten – Plätzen Proben ausgebracht. Das Verhalten der Tiere wurde mit Hilfe von Kamerafallen über 12 Wochen beobachtet.
Eine Weiterentwicklung der Strategien zum Anlocken von Wölfen würde die Erfolgschancen beim Fang erheblich steigern und somit die Ausgangslage für die Erforschung und das Management von Wölfen in Deutschland deutlich verbessern. Auf diese Weise liefert das geplante Vorhaben eine Basis für erfolgreiche, aussagekräftige Telemetriestudien zum Wolf, die eine wichtige Grundlage für einen faktenbasierten Umgang mit dieser faszinierenden Tierart in Deutschland sind.

Hinsichtlich der Urindüfte konnte weder ein besonders attraktiver noch ein repellenter Duftstoff ausgemacht werden. Auch die Interaktionsraten weisen mit Raten zwischen 13 bis 22 Prozent bei den Wölfen und 17 bis 26 Prozent bei den Rotfüchsen nicht auf eine besondere Lockwirkung der untersuchten Urine hin.
Auch wenn Wölfe und Füchse Interesse an den Duftstoffen haben, scheint dieses nicht auszureichen, um die Tiere zu einem bestimmten Punkt zu locken. Die Anziehungskraft ist offensichtlich nicht stärker als die Anziehungskraft anderer alltäglicher Umweltreize.
Auch bei den Drüsensekreten konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie eine besondere Wirkung haben. Der arteigene Drüsenduft und der Duft des Beutetieres erzeugten lediglich ein gewisses Interesse.


Bei den Rotfüchsen gab es dagegen weitergehende Ergebnisse: Das Drüsensekret eines Wolfes rief in den gemessenen Bereichen am deutlichsten ein gesteigertes Interesse hervor. In einigen Fällen traf dies darüber hinaus auch auf Luchs- und Rotwilddrüsensekret zu. Die Möglichkeit, an bereits gerissenes, verendetes Rotwild zu gelangen, ohne dafür kämpfen zu müssen, sind wahrscheinlich die Ursache für das Interesse.
Auch die Interaktionsraten mit dem Versuchsaufbau waren mit 40 bis 43 Prozent im Vergleich zu den Urinen recht hoch. Von einer eindeutigen Lockwirkung kann dabei jedoch noch nicht ausgegangen werden. Möglicherweise spielt der intensive, ausgeprägte Geruch eine Rolle. Repellente Verhaltensweisen wurde bei beiden Versuchsgruppen und Tierarten aber kaum bis gar nicht gezeigt. Von einer abschreckenden Wirkung der verwandten Duftstoffe ist demnach nicht auszugehen. Keiner der untersuchten Duftstoffe scheint demnach als artspezifisches Lockmittel oder als repellente Substanz geeignet.

Mit dem Kauf von fast 20 Hektar Acker- und Wiesenflächen im Kerngebiet der letzten Großtrappen Deutschlands erhalten die Bemühungen um das Überleben einer unserer am stärksten bedrohten Vogelarten einen wichtigen Schub.
Die Großtrappe ist eine der spektakulärsten Vogelgarten in Deutschland. Mit bis zu 17 Kilogramm Gewicht der Hähne sind sie die schwersten flugfähigen Vögel der Erde. Die Balz der Trappen im Frühjahr gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen hierzulande. Die Großtrappe ist zugleich aber auch eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Vogelarten Deutschlands. Ihren hohen Lebensraumansprüchen werden nur noch wenige Gebiete gerecht. Wie viele andere im Agrarland lebende Vogelarten leiden Großtrappen vor allem unter der intensiv betriebenen Landwirtschaft mit häufigen Bearbeitungsschritten und einem hohen Einsatz von Düngemitteln und Agrarchemikalien.
Großtrappen brauchen Insektenvielfalt
Das verträgt sich nicht mit dem großen Insektenbedarf der Vögel. Ein einziges Trappenküken benötigt nach einer Woche Lebenszeit bereits 1000 Großinsekten pro Tag. Fallen die Insekten kleiner aus, können es leicht 5000 oder 6000 werden, die eine einzige Jungtrappe jeden Tag braucht. So viele Insekten finden sich nicht in intensivst genutzten modernen Agrarflächen. Die effektivste Schutzmaßnahme besteht deshalb im Erwerb von Wiesen- und Ackerflächen im Verbreitungsgebiet der Trappen, um darauf eine möglichst naturschutzgerechte landwirtschaftliche Nutzung sicherzustellen. Davon profitieren auch andere unter Druck geratene Arten wie Kiebitz, Braunkehlchen, Feldlerche, Brachvogel, Wiesenweihe und Sumpfohreule.


Der Flächenerwerb ist seit vielen Jahren auch eines der Hauptanliegen des Fördervereins Großtrappenschutz e. V.. Die Eigentumsflächen des Vereins unterliegen weiterhin einer landwirtschaftlichen Nutzung, die aber über Auflagen in den Pachtverträgen so angepasst wird, dass die Bedingungen für möglichst viele am Boden brütende Vogelarten optimiert werden. Durch die Verpachtung der Flächen werden die ortsansässigen Landwirtschaftsbetriebe gestärkt und zugleich für den Artenschutz sensibilisiert.
Einige Maßnahmen, etwa die Schaffung von ausreichend großen Zeitfenstern für das Brüten und die Aufzucht der Jungvögel bis zum Flüggewerden, lassen sich sofort umsetzen.
Andere Maßnahmen – zum Beispiel die Vorgabe einer angepassten extensiven Nutzung ohne Einsatz synthetischer Düngemittel und Agrochemikalien, die zu einer Zunahme der Pflanzenartenvielfalt und damit der Vielfalt von Großinsekten führt – zeigen erst nach einigen Jahren Wirkung.

Flächenerwerb im Herzen der letzten Trappenvorkommen
Mit diesem Konzept ist es bereits in einem der drei bundesweit noch verbliebenen Einstandsgebieten der Großtrappe, dem Havelländischen Luch, eine sich selbst tragende Population der Großtrappe zu erhalten. In den beiden anderen Einstandsgebieten sind derzeit noch Bestandsstützungen durch Auswilderung handaufgezogener Jungtrappen erforderlich.
Ein Hauptgrund dafür ist der Mangel an Landwirtschaftsflächen, die bereits entsprechend den Ansprüchen der Großtrappe entwickelt werden konnten. Mit dem Erwerb einer großen Fläche im Europäischen Vogelschutzgebiet Fiener Bruch konnte nun aber ein großer Schritt in Richtung auf einen trappengerechten Umbau der landwirtschaftlichen Nutzung getan werden. Der Förderverein Großtrappenschutz konnte dort fast 20 Hektar Grün- und Ackerland kaufen. Der besondere Wert dieser Flächen liegt in ihrer Lage in unmittelbarer Nähe zum Balzplatz der Großtrappen und innerhalb eines Komplexes von Flächen, die von Großtrappen ganzjährig und regelmäßig genutzt werden. Im Besitz des Fördervereins Großtrappenschutz befinden sich in der Nähe bereits 4,1 Hektar Grünland.
Im Fiener Bruch werden seit 2011 verstärkt Bemühungen zum Erhalt der Art unternommen. Maßnahmen zur Wiederherstellung des Lebensraumes, zur Vermeidung von Störungen, zum Aufbau eines Prädationsmanagements und zur Stabilisierung des wildlebenden Bestandes der Großtrappe durch Auswilderung von Hand aufgezogener Jungvögel haben dazu geführt, dass sich der Bestand von zu Projektbeginn 17 auf aktuell (Stand März 2021) 117 Vögel erholt hat. Damit ist das Gebiet nach dem Havelländischen Luch mit 142 Großtrappen das zweitgrößte deutsche Trappenvorkommen.
Der Flächenkauf leistet einen maßgeblichen Anteil daran, mittelfristig einen sich selbst tragenden Bestandes der Großtrappe ohne zusätzliche Auswilderung zu etablieren.

In der norddeutschen Tiefebene gehörte die Großtrappe ursprünglich zu einem weit verbreiteten Vogel der Agrarlandschaft. Innerhalb von nur 100 Jahren ist sie heute zu einem der seltensten einheimischen Vogelarten geworden.
Ursache dafür ist der kontinuierliche Verlust von Lebensraum. Die Landwirtschaft wurde zunehmend intensiviert: Synthetischer ersetzte natürlichen Dünger und die Dreifelderwirtschaft wurde Anfang des 20. Jhd. aufgegeben, hinzu kam die Technisierung der Tätigkeiten. Auch die nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen veränderten sich. Vom Lebensraum der Großtrappe im 19. Jhd. sind weniger als 0,1 Prozent in drei Gebieten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg übriggeblieben.
Der Jahreslebensraum der Großtrappe im sachsen-anhaltischen Fiener Bruch umfasst etwa 11.000 Hektar. Er besteht nicht nur aus Grünland, sondern auch aus den nördlich und südlich angrenzenden Ackerstandorten.
Sie werden regelmäßig als Brut- und Nahrungshabitate genutzt. Rund 3.600 Hektar sind als SPA und 143 Hektar als NSG ausgewiesen. Die neue NATURA-2000-Landesverordnung bringt keine signifikanten Verbesserungen für das Habitat, die Dünge-Einschränkungen wurden durch einzelbetriebliche Vereinbarungen ausgehebelt.



Nur auf der NSG-Fläche – also auf 143 ha und damit 1,3 Prozent des Jahreslebensraums - wird durch eine angepasste Bewirtschaftung auf die Großtrappe Rücksicht genommen. Dennoch entwickelt sich der Bestand im Fiener Bruch positiv. Um die Jahrtausendwende war die Population nahezu ausgestorben. Seit 2019 leben hier wieder mehr als 100 Trappen. Bestandsstützende Maßnahmen wie Auswilderungen und raubwildsichere Schutzzäune haben dafür gesorgt. Ein trappenfreundlicher Lebensraum braucht extensiv und intensiv genutzte Bereiche, Brachflächen, verschiedene Ackerkulturen und Insekten- und Arthropodenabundanz für eine erfolgreiche Kükenaufzucht. Dauerhaft ist dies nur auf Naturschutzflächen gesichert. Schutzgebiete und landwirtschaftliche Förderprogramme (AUKM, FNL, MSL u.ä.) garantieren keine trappengerechte Bewirtschaftung.
Auch kleine Flächen können einen Beitrag zur Diversität leisten, indem sie unter naturschutzfachlichen Auflagen bewirtschaftet werden. Erfahrungen damit sammelt der Förderverein Großtrappenschutz e.V. seit 30 Jahren im Brandenburger Gebiet Havelländisches Luch. Hier führten die Maßnahmen dazu, dass sich die Population mittlerweile selbst erhält - ein Ziel, das auch im Fiener Bruch erreicht werden soll. Eine artenreiche Agrarlandschaft kommt dabei nicht nur der Großtrappe, sondern der gesamten Agrarbiozönose zugute.