PROJEKTBESCHREIBUNG (Archiv: 2019) ➥

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Faunistische Untersuchungen von
Säumen und Blühstreifen
im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“

Eine Grundlagenstudie zum nachhaltigen Schutz
der heimischen Vogelwelt



10040 BILD Männliche Großtrappe10040 BILD Großtrappe Gelege Ei

Projektgebiet: Die als „Kindheitswiesen“ gekennzeichneten Schonstreifen wurden 2014 im Rahmen eines Projektes des Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. mit kräuterreichem, regionalem Saatgut aufgewertet. Schonstreifen (Foto rechts: eine „Kindheitswiese“ am Bienener Altrhein, 27.06.2019) stellen kurz nach der Mahd ein wertvolles Rückzugs- und Nahrungshabitat dar.

Die meisten Grünlandflächen im Kreis Kleve werden intensiv bewirtschaftet und dabei überwiegend zeitgleich sowie großflächig gemäht. Bearbeitungsschritte wie Schleppen, Walzen und Mähen zerstören den Lebensraum der Kleintierfauna und finden während der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten statt. Säume und Blühstreifen können als Rückzugsort und Nahrungshabitat dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten. Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. hat von 2018 bis 2020 im Nordkreis Kleve Säume im Grünland und Blühstreifen und Brachen in Ackerflächen auf das Vorkommen ausgewählter Tierarten untersucht. Ziel des Projektes war, einen genaueren Wissensstand über die ökologische Bedeutung von Schonstreifen, Säumen und Blühstreifen zu erlangen, um die Anlage und Pflege naturschutzfachlich weiter zu optimieren. In den Grünlandsäumen wurden Feldhasen, Tagfalter, Heuschrecken, Gehäuseschnecken und andere Insekten erfasst. Auf den Ackerflächen wurden Feldhasen, Rebhuhn, Heuschrecken, Tagfalter und andere Insekten untersucht.

10020 mahd pixabayBeispielhafte Darstellung des Versuchsdesigns mit Schonstreifen und Vergleichstransekt auf derselben Fläche (Foto li.). Tagfalter sind aufgrund des Nektarangebotes immer an blühende Pflanzen gebunden. Deshalb kommen sie im intensiv bewirtschafteten Grünland mit wenigen Wiesenkräutern kaum vor. Der positive Effekt der Schonstreifen konnte folglich im Extensivgrünland anhand der Tagfalter deutlicher nachgewiesen werden. Das großes Ochsenauge bevorzugt violette Blüten, wie hier die Wiesen-Flockenblume (Foto re.)


Die Untersuchungen im Grünland konnten deutlich zeigen, dass bei der Mahd innerhalb der bewirtschafteten Fläche Schonstreifen – also Flächen, die nicht gemäht wurden - sowohl im Extensiv- als auch im Intensivgrünland von großer Bedeutung für viele Tiergruppen sind.


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10020 Grafik ExtensivgrünlandErfasste Individuenzahlen der einzelnen Arthropoden-Ordnungen auf Schonstreifen und Vergleichstransekten im Intensivgrünland und Extensivgrünland.


Sie dienen zum einen als Refugium nach der Mahd, von dem aus die Wiederbesiedlung der Flächen stattfindet. Zum anderen bleiben durch die Schonstreifen Nahrungshabitate erhalten und ermöglichen eine Vernetzung der Biotope in der Landschaft. Wenn sie lange genug stehen bleiben, dienen sie auch als Reproduktionsraum für viele Insekten. Dauerhafte Säume, die keiner Bewirtschaftung unterliegen, sind überlebenswichtige Strukturen für Arten, die nicht an eine Mahdnutzung angepasst sind, wie beispielsweise Schnecken. Sie sind ebenso unverzichtbar für andere Grünlandarten als Nahrungs-, Rückzugs-, Reproduktions- und Entwicklungsraum.

10020 BILD 03 04 SchneckEinjähriger Blühstreifen mit Blühaspekt von Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia) und Ringelblume (Calendula officinalis) am 18.7.2019 (Foto li.) und Mehrjähriger Blühstreifen mit Dominanz von Gelbem Steinklee (Melilotus officinalis), aufgenommen am 4.7.2019. (Foto re.)

Von Blüh- und Brachestreifen in Ackerflächen profitieren alle Tierartengruppen. Von den einjährigen Blühstreifen profitieren vor allem die flugfähigen, blütenbesuchenden Insekten. Das ist in dem hohen Blütenreichtum begründet, der jedoch nur von kurzer Dauer ist. Einjährige Streifen bieten darüber hinaus keine Reproduktionsmöglichkeiten für Insekten. Mehrjährige Blühstreifen und Brachen haben in der Regel einen weniger intensiven Blühaspekt, der aber von längerer Dauer ist. Mehrjährige Blühstreifen sind deshalb für blütenbesuchende Insekten am attraktivsten. Aber auch für weniger mobile Arten und zur Fortpflanzung sind mehrjährige Blühstreifen und Brachen von großer Bedeutung. Sie erfüllen ähnlich wie die permanenten und überjährigen Säume im Grünland zusätzliche Funktionen für die Überwinterung, Reproduktion und Entwicklung von verschiedenen Tiergruppen.

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